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Kino der Zukunft: Der Hobbit irritiert mit 48 Bildern/s

Zehn Minuten aus dem Peter-Jackson-Film Der Hobbit sollten Besucher des Cinemacon von höheren Bildraten überzeugen. Doch nicht jeder konnte sich mit dem scharfen, flüssigeren und echter wirkenden dreidimensionalen Kinobild anfreunden.
/ Christian Klaß
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Szene aus dem Film "Der Hobbit: Eine unerwartete Reise" (Bild: Warner Brothers Pictures)
Szene aus dem Film "Der Hobbit: Eine unerwartete Reise" Bild: Warner Brothers Pictures

Peter Jacksons Der Hobbit soll das Kino visuell revolutionieren , die Projektionstechnik wird aber den ersten Reaktionen aus den USA zufolge wohl nicht jeden Zuschauer auf Anhieb überzeugen. Der Grund: Jackson ändert einige Faktoren, an die sich das Publikum gewöhnt hat. Der gewichtigste davon ist die Bildwiederholrate, die seit etwa 80 Jahren bei 24 Bildern/s liegt, einige Probleme mit sich bringt, aber eben auch in Kombination mit einer noch moderaten Kinofilmbildauflösung für ein eher weiches Bild sorgt.

Auf dem Comiccon(öffnet im neuen Fenster) zeigte Peter Jackson erstmals einem großen Publikum, wie er all das zu ändern gedenkt. Die Zuschauer hatten die Möglichkeit, zehn Minuten aus Der Hobbit zu sehen - noch ohne endgültige Effekte, aber schon mit 48 statt 24 Bildern pro Sekunde. Dazu kommen eine 5K-Auflösung und eine deutlich ausgefeiltere Art des 3D-Filmens, die zu einer natürlicheren räumlichen Wirkung führen soll.

Der Hobbit - offizieller erster Trailer
Der Hobbit - offizieller erster Trailer (02:32)

Zu früh präsentierte Revolution?

Trotzdem - oder genau deswegen - war nicht jeder glücklich mit der von Jackson demonstrierten Technik, die mit dem aus dem Kino Gewohnten bricht. Die LA Times zitiert(öffnet im neuen Fenster) etwa einen anonym bleiben wollenden Filmvorführer eines konkurrierenden Filmstudios, auf den Der Hobbit visuell "zu akkurat, zu klar" wirkte, als ob der Film für das Fernsehen gedreht wäre. Und das Kontrastverhältnis habe noch nicht gestimmt, alles sei eher zu hell oder zu dunkel gewesen. Das könnte allerdings daran gelegen haben, dass Jackson sich entschied, noch unfertige Filmszenen zu zeigen.

Entsprechend kritisierte Anthony Breznican(öffnet im neuen Fenster) in der Inside-Movies-Rubrik von Entertainment Weekly auch, dass die gezeigten Filmausschnitte "viel eher wie ein Besuch am Set eines Films anstatt der texturierten Cinematografie eines fertigen Films" aussahen. Verstärkt wurde das offenbar durch die nüchterne und glimmernde Beleuchtung der Szenerie. Breznican fragt sich deshalb, ob es für Jackson nicht ratsam gewesen wäre, noch etwas zu warten und die Szenen erst im finalen Zustand zu zeigen.

Peter Jackson über 3D in The Hobbit
Peter Jackson über 3D in The Hobbit (10:45)

Dass nicht jeder den Wechsel gutheißen wird, vermutet auch Josh Dickey(öffnet im neuen Fenster) vom Hollywood-Magazin Variety(öffnet im neuen Fenster) - gleichzeitig teilt er auf Twitter aber auch mit: "Grundgütiger, Der Hobbit mit 48 Bildern pro Sekunde ist etwas, das man sich anschauen sollte. Eine ganz andere Erfahrung. [...]" Auch Steven Weintraub(öffnet im neuen Fenster) von Collider(öffnet im neuen Fenster) sieht einen drastischen Wechsel, weg von 24 Bildern/s, mit dem nicht alle zufrieden sein werden.

Visueller Umbruch

Die 48-fps-Erfahrung sei ein seltsamer Wechsel, merkt Alex Billington(öffnet im neuen Fenster) von FirstShowing.net(öffnet im neuen Fenster) an. Er wolle der Technik aber eine Chance geben(öffnet im neuen Fenster) , Jacksons Team müsste es filmisch überarbeiten, es irgendwie korrigieren, etwa mit besserem Licht. Ganz genau könne er aber auch nicht sagen, wie.

Peter Sciretta(öffnet im neuen Fenster) von Slashfilm.com(öffnet im neuen Fenster) beschreibt die Der-Hobbit-Demovorführung in "48fps 3D" zwar als fesselnd. Aber er ist sich nun "sehr unsicher wegen höherer Bildraten" . Er vermutet, dass sie ein Teil der Zuschauer hassen werden, stärker noch, als es bei 3D der Fall ist(öffnet im neuen Fenster) .

Es ist jedoch ein Wechsel, auf den sich die Zuschauer werden einstellen müssen, denn Kinos bereiten sich bereits auf hohe Bildraten vor - und die 48 Bilder/s von Jackson sind erst der Anfang. James Cameron (Avatar) will mit 60 Bildern/s noch mehr Realismus ins Kino bringen. Die höheren Bildraten mögen ungewöhnlich erscheinen, aber sie bieten Filmschaffenden auch mehr Möglichkeiten - etwa, mit schnelleren Kameraschwenks zu arbeiten, die bei nur 24 Bildern/s besser vermieden werden sollten. Darüber hinaus soll auch das 3D-Kino an Qualität gewinnen.

Zumindest um eines müssen sich Der-Hobbit-Interessierte wohl keine Sorgen machen: Die gezeigten, noch unfertigen Ausschnitte von Der Hobbit(öffnet im neuen Fenster) sollen trotz neuer Filmtechnik den Charme der Herr-der-Ringe-Filme(öffnet im neuen Fenster) von Peter Jackson behalten. Fans müssen sich aber noch bis zum 14. Dezember 2012 gedulden, dann wird der Film laut Warner Brothers Pictures mit dem Beinamen "Eine unerwartete Reise" weltweit in die Kinos kommen.


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