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Kindle-Reader im Test: Paperwhite gegen Voyage gegen Paperwhite

Amazon hat die dritte Version seines E-Book-Readers Paperwhite mit Beleuchtung veröffentlicht, das Vorgängermodell ist weiter erhältlich. Golem.de hat die beiden Geräte miteinander und mit dem teureren Kindle Voyage verglichen.
/ Tobias Költzsch
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Der neue Kindle Paperwhite (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Der neue Kindle Paperwhite Bild: Martin Wolf/Golem.de

Amazon hat die dritte Version des Kindle Paperwhite herausgebracht, die ein deutlich hochauflösenderes Display hat als das vorige Modell . Der Bildschirm hat jetzt die gleiche Auflösung wie der des Kindle Voyage - Amazons drittem Reader mit beleuchtetem E-Paper-Display, dessen Preis merklich höher ist als der des neuen Paperwhites. Golem.de hat sich alle drei E-Book-Reader angeschaut und dabei besonders auf das Schriftbild geachtet: Im Vergleichstest entscheiden am Ende Nuancen und das Preisleistungsverhältnis über den Testsieger.

Kindle Paperwhite (2015) Test
Kindle Paperwhite (2015) Test (01:17)

Mit seinem ersten Paperwhite-Reader löste Amazon das grundlegende Problem von E-Paper-Displays: Endlich konnten Nutzer auch ohne externe Lichtquelle im Dunkeln lesen. Dazu wird der Bildschirm beleuchtet, wobei die Lichtintensität so weit heruntergeregelt werden kann, dass das Display auch im Dunkeln nicht zu grell wirkt. Mittlerweile bieten auch andere Hersteller E-Book-Reader mit beleuchtetem E-Paper-Display an.

Angenehmer Nebeneffekt der Beleuchtung: Auch bei hellem Tageslicht führt eine auf mittlere Intensität eingestellte Beleuchtung dazu, dass das E-Paper-Display deutlich weißer wirkt als unbeleuchtet - eben wie Papier. Dass der Bildschirm beleuchtet ist, vergisst der Nutzer dabei recht schnell.

Beim ersten Paperwhite hatte Amazon noch Probleme mit der Beleuchtung , die das Display nicht gleichmäßig erhellen konnte. Beim zweiten Kindle war davon nichts mehr zu sehen, an den Bildschirmrändern sind auch bei unserem Testgerät keine Helligkeitsunterschiede zu erkennen.

Auch beim neuen, dritten Paperwhite ist die Ausleuchtung sehr gleichmäßig, zudem ist sie noch etwas stärker als beim Vorgänger. Bei Tageslicht merken wir nicht unbedingt, dass der Bildschirm beleuchtet ist; das Display sieht einfach aus wie eine weiße Buchseite. Die Ähnlichkeit zu gedruckter Schrift ist auch dadurch größer als beim Vorgänger, dass Amazon die Auflösung des neuen Paperwhites auf 300 ppi erhöht hat. Der zweite Paperwhite hatte 212 ppi.

Schärfere Buchstaben als beim Vorgänger

Dadurch wirkt das Schriftbild deutlich schärfer als beim Vorgänger, dem der neue Paperwhite äußerlich bis auf die Farben der aufgedruckten Logos gleicht. Während beim ersten Paperwhite mit bloßem Auge noch Treppeneffekte zu erkennen sind und die Buchstaben verschwommen wirken, sieht die Schrift beim neuen Modell sehr viel knackiger aus. Das wird umso deutlicher, je kleiner die Schriftgröße eingestellt ist. Vom Kontrast her bemerken wir hingegen keinen nennenswerten Unterschied.

Neue Schriftart speziell für Displays

Auf dem neuen Paperwhite hat Amazon die Schrift Bookerly eingeführt, die speziell für digitale Bildschirme entwickelt wurde. Die Serifenschriftart ähnelt der Schriftart Palatino, die auch auf bisherigen Kindle-Readern verfügbar ist. Sie wirkt bei genauerer Betrachtung aber etwas runder. Verglichen mit Futura sind weniger Treppeneffekte erkennbar.

Vom Bedienungskonzept unterscheiden sich die beiden Paperwhites nicht: Beide verfügen über einen Touchscreen und haben keine Bedienungstasten, abgesehen vom Einschalter am unteren Rand. Umgeblättert wird über eine Berührung der rechten oder linken Displayhälfte, am oberen Rand wird während des Lesens das Menü aufgerufen. Hier findet der Nutzer unter anderem Einstellungen zur Schrift, die Möglichkeit, zu bestimmten Seiten zu springen, und das X-Ray-Menü, mit dem er nach Personen und Begriffen im Buch suchen kann.

Automatische Helligkeit nur beim Kindle Voyage

Auch die Beleuchtungssteuerung ist bei beiden Paperwhites identisch, eine automatische Regelung hat Amazon auch beim neuen Modell nicht eingeführt. Diese gibt es nur beim Kindle Voyage. Die hier noch etwas hellere Beleuchtung arbeitet bei dem teureren Gerät nach demselben Prinzip wie bei den Paperwhites. Bei Amazon(öffnet im neuen Fenster) finden sich unter den Bewertungen allerdings zahlreiche Beschwerden von Nutzern, die eine farblich ungleichmäßige Ausleuchtung beim Voyage beklagen: Im oberen Bereich soll der Bildschirm wärmer wirken als im unteren. Wir können ein derartiges Verhalten bei unserem Testgerät nicht feststellen, die große Zahl der Beschwerden zeigt aber, dass das Problem auch jetzt noch bei einigen Voyage-Modellen besteht.

Der neue Paperwhite und der Kindle Voyage zeigen Texte auf einem 6-Zoll-Bildschirm mit 300 ppi an. Dementsprechend ist die Schrift auch auf dem Voyage sehr scharf und zeigt keine mit bloßem Auge erkennbaren Treppeneffekte an. Die automatische Helligkeitsregulierung hingegen müssen wir immer mal wieder korrigieren: Bei schummriger Nachttischbeleuchtung etwa finden wir den Bildschirm häufig zu dunkel.

Schriftbild beim Kindle Voyage noch klarer

Bei genauer Betrachtung können wir kleine Unterschiede im Schriftbild der beiden hochauflösenden E-Book-Reader ausmachen: Zum einen zeigt der Kindle Voyage Buchstaben in satterem Schwarz als der neue Paperwhite an. Zum anderen wirken die Buchstaben beim Kindle Voyage doch noch etwas klarer.

Besseres Schriftbild dank Glas

Der Grund liegt im unterschiedlichen Material der Display-Abdeckung. Beim Kindle Paperwhite ist der Bildschirm mit mattem Kunststoff abgedeckt, der Spiegelungen im Freien sehr gut unterdrückt. Die Bildschirmoberfläche des Kindle Voyage hingegen ist aus mattem Glas. Unter einer Lupe ist erkennbar, dass die Struktur des Kunststoffs die Schrift etwas aufweicht, beim Glas des Kindle Voyage hingegen ist dieser Effekt nicht vorhanden. Daher wirkt die Schrift etwas schärfer und klarer.

Vom Design her orientiert sich der Kindle Voyage an den Fire-Tablets. Der Reader hat keinen erhabenen Rahmen wie die beiden Paperwhites und wirkt insgesamt etwas edler. Mit 162 x 115 x 7,6 mm ist er zudem kleiner als der neue Paperwhite mit 169 x 117 x 9,1 mm. Der Kindle Voyage hat auch einen Touchscreen mit der gleichen Menüführung wie die beiden Paperwhites.

Sensortasten zum Blättern

Zusätzlich können Nutzer beim Kindle Voyage allerdings noch per Sensortasten umblättern. Diese sind wie die Tasten bei den ersten Kindle-Readern angebracht: Eine große, gut erreichbare Schaltfläche dient auf beiden Seiten zum Vorwärtsblättern, eine kleinere, weiter oben angebrachte Schaltfläche blättert zurück.

Der Vorteil dieser zusätzlichen Bedienungsmöglichkeit liegt darin, dass der Reader auf diese Weise in allen Lagen bequem einhändig bedienbar ist. Bei den Touch-Kindles muss in bestimmten Positionen die zweite Hand zur Hilfe kommen, etwa wenn der Nutzer im Liegen liest. Beim Kindle Voyage genügt ein Druck des Daumens, der den Reader eh bereits festhält. Das mag eine Kleinigkeit sein, im Alltag finden wir es aber tatsächlich praktisch.

Was die Akkulaufzeit betrifft, gibt Amazon für alle drei Modelle denselben Wert an: Bei 30 Minuten Lesen am Tag bei Helligkeitsstufe 10 soll der Akku sechs Wochen lang durchhalten. Erfahrungsgemäß wird die Akkulaufzeit von Kindle-Readern auch bei häufigerem Einsatz eher in Wochen als in Tagen gemessen, bei sehr langem Lesen bei voller Helligkeit sind es immer noch mehrere Tage.

Verfügbarkeit und Fazit

Der neue Paperwhite(öffnet im neuen Fenster) kostet in der WLAN-Version mit Werbung auf dem Sperrbildschirm 120 Euro. Beim alten Modell(öffnet im neuen Fenster) hat Amazon den Preis von 130 auf 100 Euro gesenkt, hier sieht der Nutzer allerdings keine Werbung. Für die UMTS-Version verlangt Amazon beim neuen Paperwhite 180 Euro, beim alten Modell 160 Euro. Das neue Modell ist auch ohne Werbung erhältlich, dann kostet der Reader jeweils 140 beziehungsweise 200 Euro.

Der Kindle Voyage kostet aktuell in der WLAN-Version 190 Euro, für die UMTS-Variante müssen Käufer 250 Euro bezahlen. Eine werbeunterstützte und damit günstigere Version gibt es hier nicht.

Mit den UMTS-Versionen der Kindle-Reader können Nutzer auch ohne WLAN Bücher herunterladen und Lesefortschritte synchronisieren. Der vorinstallierte Browser lässt sich hingegen nur über ein WLAN-Netz nutzen.

Fazit

Mit dem neuen Kindle Paperwhite hat Amazon das Schriftbild verglichen mit dem Vorgänger deutlich verbessert. Die Buchstaben wirken klarer und schärfer, auch die neue Schrift Bookerly gefällt uns gut.

Die Wahl zwischen altem und neuem Paperwhite entscheidet das neue Modell deutlich für sich. Nimmt der Käufer Werbeeinblendungen auf dem Sperrbildschirm hin, kostet der neue E-Reader nur 20 Euro mehr - dieser Aufpreis wird durch das bessere Schriftbild und das hellere Display gerechtfertigt.

Noch etwas besser ist das Schriftbild des teuersten Kindle-Readers Kindle Voyage - besonders, was die Schwarzwerte betrifft. Auch die automatische Helligkeitsregulierung ist praktisch, wenngleich nicht immer treffsicher. Die einhändige Bedienung wird durch das Umblättern per Sensortaste am Rand erleichtert, insgesamt sieht der Reader edler aus. Der Kindle Voyage hat aber augenscheinlich immer noch Probleme mit farblich leicht unterschiedlich beleuchteten Displays - die zahlreiche Nutzer stören, insbesondere vor dem Hintergrund des hohen Preises.

Von den aktuell verfügbaren Kindle-Readern halten daher wir den neuen Kindle Paperwhite für den besten Amazon-Reader: Die Unterschiede im Schriftbild zum Kindle Voyage sind mit bloßem Auge kaum erkennbar, zudem ist das Gerät 70 Euro günstiger. Wem es auf ein scharfes und sauberes Schriftbild bei einem E-Book-Reader ankommt und wer sich häufig Bücher bei Amazon kauft, trifft mit dem neuen Kindle Paperwhite eine gute Wahl.


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