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KIMI K3: US-Tech kämpft für offene KI-Modelle

Microsoft, Nvidia und inzwischen 50 US-Unternehmen warnen Washington vor überstürzten Regeln für offene KI-Modelle. Auslöser ist Kimi K3 aus China.
/ Michael Linden
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US-KI-Firmen wollen nicht zu stark reglementiert werden. (Bild: Pexels)
US-KI-Firmen wollen nicht zu stark reglementiert werden. Bild: Pexels

Ein chinesisches Sprachmodell bringt die amerikanische Tech-Branche in Bewegung. Am Freitag, den 24. Juli 2026, veröffentlichten 25 US-Unternehmen einen offenen Brief(öffnet im neuen Fenster), angeführt von Nvidia und Microsoft.

Darin fordern sie die US-Regierung auf, offene KI-Modelle nicht vorschnell einzuschränken. Noch am selben Tag zog OpenAI nach(öffnet im neuen Fenster), kurz darauf auch Google. Bis zum Wochenende hatte sich die Liste der Unterzeichner auf 50 verdoppelt(öffnet im neuen Fenster).

Was ist passiert? – Ein Brief gegen vorschnelle Regeln

Zu den Erstunterzeichnern zählen neben Microsoft, Nvidia und Meta auch Mistral, Hugging Face, IBM, Dell Technologies, Palantir, Crowdstrike, Servicenow, Mozilla, die Linux Foundation sowie die Investoren Andreessen Horowitz und Y Combinator. Später kamen unter anderem AMD, Cisco, Cloudflare und Github hinzu. Auffällig bleibt, wer fehlt. Anthropic und Amazon sind die einzigen großen Namen, die dem Brief bislang nicht unterschrieben.

Inhaltlich argumentieren die Unterzeichner, amerikanische Technologieführerschaft dürfe nicht von einem einzigen Spitzenmodell abhängen. Nötig sei stattdessen ein breites, offenes Ökosystem, das Start-ups, Schulen, Kliniken und Behörden gleichermaßen zugutekommt. Der Brief warnt außerdem davor, gängige Trainingsmethoden wie Distillation pauschal mit Diebstahl gleichzusetzen. Einzelne Missbrauchsfälle sollten rechtlich verfolgt werden, heißt es, statt die Technik als Ganzes einzuschränken.

Auslöser der Debatte ist Kimi K3(öffnet im neuen Fenster). Das offene Modell des chinesischen Start-ups Moonshot AI ist seit dem 16. Juli verfügbar und zog in mehreren Benchmarks mit den besten amerikanischen Systemen gleich. Es hat 2,8 Billionen Parameter und ist damit das bislang größte frei verfügbare Modell überhaupt. Die vollständigen Modellgewichte sollen laut Moonshot bis zum 27. Juli folgen.

Wie reagierte Washington? – Zustimmung von Nadella, Vorwürfe von Kratsios

Nvidia-Chef Jensen Huang teilte den Brief in seinem allerersten Beitrag(öffnet im neuen Fenster) auf einem neuen persönlichen X-Account. Kurz darauf zog Microsoft-Chef Satya Nadella nach. Offene Modelle seien, so Nadella(öffnet im neuen Fenster), ein wichtiger Baustein für ein gesundes KI-Ökosystem und die Wettbewerbsfähigkeit der USA.

Aus der Regierung kam ein deutlich schärferer Ton. US-Finanzminister Scott Bessent brachte Sanktionen gegen chinesische Anbieter ins Spiel, sollte sich der Verdacht auf Technologiediebstahl bestätigen. Auf X schrieb er(öffnet im neuen Fenster): "Open source is not open season on American IP." Noch weiter ging der Berater des Weißen Hauses, Michael Kratsios. Er warf Moonshot AI vor(öffnet im neuen Fenster), für das Training von Kimi K3 auf Anthropics Modell Fable zurückgegriffen zu haben, im Rahmen einer groß angelegten, verdeckten Distillation gegen mehrere US-Modelle. Belege legte er nicht vor.

Mehrere unabhängige Forscher zweifeln an dieser Darstellung. Fable war zum Zeitpunkt des Kimi-K3-Release erst gut zwei Wochen öffentlich zugänglich. Für eine reine Kopie sei das schlicht zu kurz, sagte etwa Braden Hancock(öffnet im neuen Fenster) vom Laude Institute. Zugleich warnte er davor, die Fähigkeiten der chinesischen Teams zu unterschätzen. Moonshot selbst wies den Vorwurf zurück(öffnet im neuen Fenster), mit dem Hinweis, man habe ein komplett neues Spitzenmodell in nur 15 Tagen trainiert.

Warum ist das wichtig? – Der Abstand zu China schrumpft

Nach Angaben von Moonshot schlägt Kimi K3 alle Konkurrenzmodelle bis auf Anthropics Fable und OpenAIs GPT-5.6 Sol(öffnet im neuen Fenster). Die unabhängige Analysefirma Artificial Analysis bestätigt das in ihrem eigenen Ranking. Dort liegt K3 praktisch gleichauf mit den beiden US-Spitzenmodellen, deutlich vor Claude Opus 4.8 und GPT-5.5. Für ein offenes, frei herunterladbares Modell ist das ein bemerkenswertes Ergebnis.

Günstig ist Kimi K3 trotzdem nicht mehr. Die Preise liegen bei 3 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 15 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token(öffnet im neuen Fenster), etwa das Drei- bis Vierfache des Vorgängermodells K2.6. Die Ära der besonders billigen chinesischen KI-Modelle scheint zumindest bei Kimi K3 vorbei zu sein, auch wenn das Modell im Vergleich zu geschlossenen US-Systemen weiterhin günstig bleibt.

Am Aktienmarkt sorgte der Release kurzzeitig für Nervosität. Halbleiterwerte gaben weltweit nach(öffnet im neuen Fenster), der Philadelphia Semiconductor Index rutschte zeitweise mehr als 20 Prozent unter sein Rekordhoch von Ende Juni. Bernstein-Analyst Robin Zhu ordnete die Reaktion dennoch als erwartbar ein(öffnet im neuen Fenster) und sprach eher von der Bestätigung eines bekannten Trends als von einer echten Überraschung.

Für Microsoft, Nvidia und die übrigen Unterzeichner steht viel auf dem Spiel. Wer bei Chips, Cloud oder Infrastruktur verdient, profitiert von einer möglichst breiten Verbreitung offener Modelle, unabhängig davon, wer sie entwickelt hat. Der Fall Kimi K3 zeigt vor allem eines. Der technologische Vorsprung der USA ist kleiner geworden, und die Antwort darauf spaltet selbst die engsten Partner der Branche.


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