Vom Hacker zum Jungunternehmer

Nachdem er sämtliche Brücken hinter sich abgebrochen hatte, suchte der geläuterte Hacker und ehemalige Informant neue Kontakte, indem er sich dem Chaos Computer Club (CCC) anschloss. Hier verschaffte er sich Insiderwissen zum GSM-Hack von Mannesmann. Mitgliedern des CCC war es gelungen, eine Sicherheitslücke auszunutzen und so GSM-Telefonkarten zu klonen.

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Aus diesem Grund verkündete Schmitz alias Kimble medienwirksam, ein Gerät zu entwickeln, das besagte Mannesmann-Schwachstelle auch im Telekom-Netz ausnutzt. Bei der anschließenden Präsentation in den Räumlichkeiten des CCC stellten die anwesenden Mitglieder jedoch schnell fest, dass es sich bei dem vorgestellten Gerät lediglich um eine Attrappe handelte. In der Folge musste Schmitz den CCC verlassen.

Trotz der Enttarnung des Gerätes als Fälschung durch den CCC lud die Deutsche Telekom Schmitz ein, um sich selbst ein Bild machen zu können. Anscheinend war man sich unsicher, ob die Anschuldigungen des CCC tatsächlich zutrafen - oder sie waren den Verantwortlichen schlicht nicht bekannt.

Um seinen Behauptungen ausreichend Glaubwürdigkeit und Seriosität zu verleihen, kam Schmitz zum anberaumten Termin nicht alleine, sondern brachte eine Schar von Anwälten mit. Das machte offenbar Eindruck und so engagierte die Telekom den Hacker für 30.000 DM als Berater.

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Mit dem Telefonanbieter als prestigeträchtigem Kunden im Portfolio gründete Schmitz kurzerhand das Unternehmen Data Protect. Neben seinen Beratertätigkeiten entwickelte er eine Software, die Schwachstellen automatisiert ausfindig machen sollte. Allerdings handelte es sich auch hier - wie bei dem erwähnten Gerät zuvor - um eine Attrappe. Die Software prüfte lediglich, ob ein Modem abhob, sobald dieses angewählt wurde. Trotzdem gelang es Schmitz, das Unternehmen gewinnbringend zu veräußern.

Strafe wegen Insiderhandels

Nachdem der Verkauf abgeschlossen war, gründete Schmitz die Kimvestor AG. Zuvor hatte er bereits mit der Webseite Kimble.com und inszenierten Bildern dafür gesorgt, dass die Öffentlichkeit Schmitz als reichen Jungunternehmer wahrnahm. Das verlieh ihm die nötige Glaubwürdigkeit, als er bekanntgab, mit seiner Investmentfirma das kurz vor der Insolvenz stehende Unternehmen Letsbuyit.com zu retten.

Kim Dotcom - Gefangen im Netz

Die Ankündigung sorgte dafür, dass der Aktienkurs des damaligen Ebay- und Amazon-Rivalen in die Höhe schoss und Schmitz einen Gewinn in Millionenhöhe einbrachte. Die versprochene Rettung blieb jedoch aus. Die Strafe ließ nicht lange auf sich warten und der angebliche Investor wurde wegen Insiderhandels zu einer Freiheitsstrafe - die ebenfalls auf Bewährung ausgesetzt wurde - verurteilt.

Schmitz flieht aus Deutschland

Kurz darauf brach Schmitz seine Zelte in Deutschland ab und zog im Januar 2002 in die thailändische Hauptstadt Bangkok. Dort gründete er das Unternehmen Trendax Inc., das Anlegern an der Börse mit künstlicher Intelligenz hohe Renditen versprach.

Zudem arbeitete er weiter an seinem öffentlichen Image. Dazu zählte unter anderem die mehrfache Teilnahme an der Gumball-3000-Rallye. Das seit 1999 jährlich stattfindende Event wird von vielen Ländern als illegale Fahrveranstaltung eingestuft und bekommt große mediale Aufmerksamkeit.

Aber auch mit diversen Veröffentlichungen auf seinem Youtube-Kanal erregte der Unternehmer Aufsehen. Hierzu zählte auch ein Musikvideo, in dem er die Hauptrolle spielt.

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 Kim Schmitz' Lebensgeschichte: Die Dotcom-BlaseKim Schmitz alias Kimble wird Kim Dotcom 
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Lapje 08. Jul 2021

Es wird eher gemunkelt dass die Scheidung "arrangiert" war, damit seine Frau einen gro...

Ofenrohr! 07. Jul 2021

Ohne Hexenverbrennung hätte es die mittelalterliche "Kultur" mit ihren Werken auch nie...

adorfer 30. Jun 2021

In den USA nennt man so einen Lebenswandel wohl Con-Artist. Aber hey, wenn er damit...

elegon 29. Jun 2021

News über ihn gibts nicht mehr so häufig, und der Beitrag ist sicher Nektar für ihn...



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