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Musk kritisiert Trump: Das Ende der Bromance

Kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus greift Elon Musk Trumps Haushaltspläne scharf an. Dafür soll es mehrere Gründe geben.
/ Friedhelm Greis
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Abkühlung zwischen den Bros Elon Musk und Donald Trump (Bild: Kevin Dietsch/Getty Images)
Abkühlung zwischen den Bros Elon Musk und Donald Trump Bild: Kevin Dietsch/Getty Images

Es war von Anfang an zu erwarten, dass die "Bromance" zwischen Elon Musk und Donald Trump nicht lange währen würde . Nur wenige Tage, nachdem Musk von US-Präsident Trump offiziell als Berater verabschiedet wurde, ist das Verhältnis gekippt. "Du wirst weder einen besseren Freund noch einen schlimmeren Feind als mich finden" , schrieb Musk(öffnet im neuen Fenster) nach der Wahl im November 2024. Ist dieser Punkt schon erreicht?

Noch Ende März 2025 setzte sich Musk in einer Kabinettssitzung eine rote Mütze mit der Aufschrift auf: "Trump hatte mit allem recht." Anfang Februar schrieb er gar(öffnet im neuen Fenster) : "Ich liebe @realDonaldTrump so sehr wie ein heterosexueller Mann einen anderen Mann lieben kann."

Zwar griff Musk den US-Präsidenten in den vergangenen Tagen nicht direkt an, doch die scharfe Kritik an dem umstrittenen Haushaltsgesetz trifft ein zentrales politisches Ziel Trumps. Einem Bericht des Wall Street Journal zufolge(öffnet im neuen Fenster) zeigte sich Trump "verwirrt" über Musks Vorgehen.

Musk droht Abgeordneten

Nachdem er das "große, schöne Gesetz" (Big Beautiful Bill/BBB) zunächst als "widerliche Abscheulichkeit" bezeichnet hatte(öffnet im neuen Fenster) , legte er später nach und nannte es(öffnet im neuen Fenster) ein "Schulden-Sklaverei-Gesetz" . Zuvor hatte er getwittert: "Rufen Sie Ihren Senator an, rufen Sie Ihren Kongressabgeordneten an, Amerika in den Bankrott zu treiben, ist NICHT in Ordnung! Tötet das Gesetz" .

Mit Blick auf die US-Zwischenwahlen im November 2026 drohte er: "Im November nächsten Jahres entlassen wir alle Politiker, die das amerikanische Volk verraten haben."

Doch geht es Musk wirklich nur um die geplante Erhöhung der Staatsverschuldung um mehrere Billionen US-Dollar(öffnet im neuen Fenster) ? Oder stecken dahinter andere Motive? Schließlich erweckt Musk den Eindruck, er befinde sich auf einem Rachefeldzug oder starte einen Machtkampf mit Trump um die Finanzpolitik der Republikaner.

Mehrere Gründe für Musks Ärger

Das Magazin Axios(öffnet im neuen Fenster) hat gleich vier Gründe ausgemacht, die hinter Musks Attacken auf das BBB stecken sollen.

Was offensichtlich ist: Das Gesetz streicht die bisherigen Steuervergünstigungen für Elektroautos oder die Anschaffung von Solaranlagen. Darüber war bereits kurz nach dem Wahlsieg Trumps spekuliert worden . Laut Axios soll Musk sich hinter den Kulissen erfolglos für eine Fortführung des Programms eingesetzt haben. Musks Firma Tesla Energy, die Solaranlagen und Batteriespeicher anbietet, forderte ebenfalls(öffnet im neuen Fenster) eine Fortsetzung der Förderung. Sie soll allerdings erst 2030 auslaufen.

Ein möglicher weiterer Grund: Musk wollte dem Bericht zufolge seine Arbeit als "besonderer Regierungsangestellter" über die zulässigen 130 Tage hinaus fortsetzen. Doch das Weiße Haus habe dies mit Verweis auf die gesetzlichen Vorgaben abgelehnt.

Ebenfalls soll Musk gestört haben, dass die US-Flugsicherheit künftig nicht sein Satellitenkommunikationssystem Starlink nutzen will. Die Regierung habe sich dagegen gesträubt, weil es den Anschein eines Interessenkonflikts erweckt hätte und technisch problematisch sei. "Man kann die Luftverkehrskontrolle nicht einfach über Satelliten laufen lassen" , zitiert Axios eine nicht namentlich genannte Quelle.

Das Fass zum Überlaufen brachte dem Bericht zufolge die Entscheidung Trumps, den Musk-Vertrauten Jared Isaacman nicht zum Nasa-Chef zu machen(öffnet im neuen Fenster) .

Trump zieht Nominierung von Musk-Vertrautem zurück

Es habe Gerüchte gegeben, wonach Sergio Gor, der das Personalbüro des Weißen Hauses leitet, hinter der Entscheidung stecken soll. Gor soll zuvor mit Musk aneinandergeraten sein. Regierungsmitarbeiter sagten jedoch, dass US-Senatoren sich über die Nominierung beschwert hätten, weil Isaacman früher für die Demokraten gespendet habe. Isaacman hätte vom Senat bestätigt werden müssen.

Ein Bericht des Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) bekräftigt diese These. Musk habe sich am Wochenende darüber beschwert, dass er Hunderte von Millionen Dollar gespendet habe, um die Wahl Trumps im vergangenen Jahr zu unterstützen, nur um zu sehen, wie Isaacmans Nominierung zurückgezogen worden sei, zitiert das Blatt eine Person mit direkter Kenntnis der Angelegenheit. Musks Frustration über die Nasa-Episode habe ihn dazu veranlasst, das Steuergesetz aggressiv zu kritisieren.

Widersprüchliche Argumente

Die Gründe für Musks Angriffe auf das Haushaltsgesetz erscheinen allerdings widersprüchlich. Zum einen würde eine Fortsetzung der Steuergutschriften für Elektroautos den Haushalt zusätzlich belasten. Allerdings monierte er auch(öffnet im neuen Fenster) , dass die Vergünstigungen für Öl und Gas fortgesetzt, diejenigen für Elektroautos und Solaranlagen hingegen gestrichen würden.

Ebenfalls scheinen hinter den Angriffen auch persönliche Motive und Ärger zu stecken. Dieser richtet sich noch nicht direkt gegen Trump, aber zumindest gegen dessen Regierung und gegen die republikanischen Senatoren und Repräsentanten.

Musk könnte aber auch versuchen, seine stark beschädigte Reputation unter den Wählern der Demokraten wieder aufzubessern. Sein Engagement für Trump und sein rücksichtsloses Vorgehen mit der "Kettensäge" als Regierungsberater haben schließlich seine früheren Unterstützer verprellt. Trumps Werbeshow für Tesla im Weißen Haus konnte nicht verhindern, dass die Marke Tesla beschädigt ist und die Verkaufszahlen stark gesunken sind .

Noch ist es nicht zum offenen Bruch zwischen Musk und Trump gekommen. Der US-Präsident vermied bislang jeden öffentlichen Kommentar zu Musks Angriffen auf das Haushaltsgesetz. Stattdessen republizierte er auf Truth Social(öffnet im neuen Fenster) ein Statement Musks, in dem dieser sich für die Möglichkeit bedankte, als Regierungsberater gearbeitet zu haben.

Doch der Showdown könnte kurz bevorstehen. Trump dürfte richtig wütend werden, wenn Musk sein "großes, schönes Gesetz" zu Fall bringt. Und Musk könnte sich nach einer unveränderten Verabschiedung des Gesetzes stärker von den Republikanern und Trump abwenden. Die Zeit von Liebesschwüren dürfte dann endgültig vorbei sein.

Nachtrag vom 5. Juni 2025, 22:34 Uhr

Bereits heute ist der Streit zwischen Trump und Musk eskaliert . Während der US-Präsident mit dem Entzug von Subventionen drohte(öffnet im neuen Fenster) , konterte Musk mit einer Enthüllung(öffnet im neuen Fenster) : "Donald Trump ist in den Epstein-Akten. Das ist der wahre Grund, warum sie nicht öffentlich gemacht wurden."


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