Abo
  • Services:
Anzeige
Ob dieser 3D-Drucker jemals etwas gedruckt hat ist unklar.
Ob dieser 3D-Drucker jemals etwas gedruckt hat ist unklar. (Bild: Next Dynamics)

Kickstarter / NexD1: Betrugsvorwürfe gegen 3D-Drucker-Startup

Ob dieser 3D-Drucker jemals etwas gedruckt hat ist unklar.
Ob dieser 3D-Drucker jemals etwas gedruckt hat ist unklar. (Bild: Next Dynamics)

Ein Startup aus Berlin wollte mittels Crowdfunding einen 3D-Drucker produzieren, der verschiedene Materialien und Leiterbahnen druckt und viel günstiger ist als vergleichbare Konkurrenzprodukte. Zu schön um wahr zu sein: Nach Betrugsvorwürfen hat Kickstarter die Kampagne beendet.

Es klang nach einem geradezu revolutionären Produkt: Das Startup Next Dynamics, das im FabLab Berlin zu Hause ist, versprach einen 3D-Drucker, der verschiedene Materialien in hoher Qualität ausdruckt. Er sollte dabei auch in der Lage sein, elektronische Leiterbahnen zu drucke. Man könnte also elektronische Bauteile direkt mit dem 3D-Drucker erzeugen. Ein neuartiges wasserlösliches Füllmaterial sollte das Drucken von Objekten mit Löchern und Aussparungen vereinfachen.

Anzeige

40-mal günstiger als die Konkurrenz

Es gibt vergleichbare Geräte von der Firma Stratasys, aber die kosten über 200.000 Dollar. Die ersten Modelle des NexD1 sollten für frühe Unterstützer der Kickstarter-Kampagne für lediglich 2.348 Euro zu bekommen sein, das spätere fertige Produkt sollte dann für einen Preis von 5.500 Euro verkauft werden.

Die Technologie für den Drucker sollte dabei nicht erst entwickelt werden. Next Dynamic besaß nach eigenen Angaben bereits vor dem Start der Kickstarter-Finanzierung mehrere Generationen von Prototypen. Diese Prototypen und mit ihnen angeblich gedruckte Objekte wurden auf Messen und in vielen Bildern und Videos präsentiert.

Ein revolutionärer 3D-Drucker - um ein Vielfaches günstiger als die professionelle Konkurrenz - von einem kleinen, innovativen Startup in Berlin! Eine Geschichte, wie sie die Maker- und Startup-Community gerne hört - und dabei allzu kritische Fragen lieber unterlässt.

Next Dynamics startete seine Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter im Dezember vergangenen Jahres mit einem Ziel von 200.000 Euro. Das wurde bereits nach einem Tag erreicht. Im Januar erhöhten sich die Finanzierungszusagen auf über eine halbe Million Euro.

Der Höhenflug des NexD1 endete jedoch mit einem Kommentar eines Nutzers mit dem Pseudonym KRS am 16. Januar im Kickstarter-Forum. KRS hatte selbst Geld in die Kickstarter-Kampange investiert und fuhr nach Berlin, um sich von der Technologie in einer Live-Demonstration zu überzeugen. Doch einen Druckvorgang bekam KRS nicht zu Gesicht, obwohl ihm das nach eigenen Angaben mehrfach versprochen wurde.

Wurden gezeigte Ausdrucke bei Shapeways gekauft?

Einen Tag später meldete sich die Designerin Bathsheba Grossman im Kickstarer-Forum zu Wort. Laut Grossman zeigten einige der Bilder auf der Next-Dynamics-Webseite ein von ihr entworfenes, verschachteltes 3D-Objekt, welches sie über die Plattform Shapeways verkauft. Die zugehörigen Dateien im für 3D-Drucker üblichen STL-Format hatte Grossman aber nie veröffentlicht. Ein weiteres angeblich mit dem NexD1 gedrucktes Objekt zeigt ein buntes, eiförmiges Objekt, das ebenfalls nur über Shapeways verkauft wird.

Laut Grossman hatte Next Dynamics also entweder eine Urheberrechtsverletzung begangen oder gar die Objekte schlicht auf Shapeways gekauft und fälschlicherweise als Testausdrucke des NexD1 ausgegeben.

Um die Skeptiker zu beruhigen versprach Next Dynamics einen Druckvorgang in einem Livestream zu zeigen. Dazu kam es aber nie. In einem weiteren Update schreibt Next Dynamics, dass man nun die 3D-Dateien bereitstelle. Allerdings verweist der Link nur auf einen leeren Ordner bei Google Drive. Weiterhin wurden zwei Zeitraffer-Videos veröffentlicht, die den Druck des verdächtigen bunten Eis zeigen. In den Kommentaren äußerten mehrere Nutzer den Verdacht, dass es sich bei den Videos, auf denen aufgrund der mangelhaften Qualität Details schlecht zu erkennen waren, um Fakes handelte.

Kickstarter beendet die Kampagne kurz vor Schluss

Viele Unterstützer reduzierten ihre Finanzierungszusagen für die Kampagne. Doch weiterhin sah es so aus, als könnte der NexD1 sein Finanzierungsziel erreichen. Das Ende der Kickstarter-Kampagne war für den 27. Januar angesetzt, in den Tagen davor gab es immer noch über 300.000 Euro an Finanzierungszusagen. Doch dann zog man offenbar bei Kickstarter selbst die Notbremse und beendete die Kampagne kurz vor Schluss.

Wir haben versucht, Next Dynamics für eine Stellungnahme zu erreichen. Unter der auf der Webseite angegebenen Telefonnummer ist seit mehreren Tagen niemand erreichbar gewesen. Der Geschäftsführer von Next Dynamics, Ludwig Färber, versprach am Freitag per E-Mail, dass er telefonisch alle Fragen beantworten würde. Jedoch wurden alle weiteren Mails nicht beantwortet und zu einem Telefongespräch kam es nie.

Hätte man früher skeptisch werden sollen, bei einem so günstigen und bahnbrechenden Produkt? Mehrere Medienberichte wirken im Rückblick erstaunlich naiv. So berichtet das Magazin Techcrunch, dass die Startup-Gründer zwar aus Berlin nach San Francisco geflogen sind, um den Drucker zu zeigen, doch für einen Testdruck war nicht genügend Zeit. Das Maker Magazine interviewte einen der NexD1-Macher und verzichtete dabei auf kritische Nachfragen. Auch in der Pro 7-Sendung Galileo hatte Next Dynamics einen Auftritt. Zwar thematisierte Galileo auch gescheiterte Kickstarter-Projekte, die ihre Investoren enttäuschten, Next Dynamics wurde aber eher als Positivbeispiel dargestellt.

Bereits im Oktober berichtete auf Google Plus ein 3D-Drucker-Fan über eine Begegnung mit den NexD1-Machern auf einer Messe. Der Nutzer mit dem Pseudonym Whosa Whatsis sah dort mehrere Objekte, die angeblich mit dem NexD1 gedruckt wurden. Seiner Einschätzung nach war aber klar ersichtlich, dass die verschiedenen Objekte mit unterschiedlichen Drucktechniken erstellt worden waren und somit unmöglich aus demselben Drucker stammen konnten. Solche kritischen Nachfragen wollte wohl zunächst niemand hören.


eye home zur Startseite
nachgefragt 02. Feb 2017

ein 3D Drucker auf Kickstarter sich mal als keine komplette Verarsche herrausstellt...

frostbitten king 01. Feb 2017

Abwarten. Wie erklärt Gunkl (Günther Paal) das so schön wenn einer die Gastherme...

MattiasSch 01. Feb 2017

Ich hatte bisher diverse Erfahrungen bei einem Kunden mit Velleman und Gigabot. Da ich...

Mavy 01. Feb 2017

dann sollte man dem nicht blind vertrauen.

körner 31. Jan 2017

Die AfD bringt halt die Fakten auf den Tisch. :-)



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Deutsche Bundesbank, München
  2. Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Lemgo
  3. LR Health & Beauty Systems GmbH, Ahlen
  4. Habermaaß GmbH, Bad Rodach


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. 50,99€ (Vorbestellung)
  2. 49,79€
  3. 15,49€

Folgen Sie uns
       


  1. Adobe

    Die Flash-Ära endet 2020

  2. Falscher Schulz-Tweet

    Junge Union macht Wahlkampf mit Fake-News

  3. BiCS3 X4

    WDs Flash-Speicher fasst 96 GByte pro Chip

  4. ARM Trustzone

    Google bescheinigt Android Vertrauensprobleme

  5. Überbauen

    Telekom setzt Vectoring gegen Glasfaser der Kommunen ein

  6. Armatix

    Smart Gun lässt sich mit Magneten hacken

  7. SR5012 und SR6012

    Marantz stellt zwei neue vernetzte AV-Receiver vor

  8. Datenrate

    Vodafone weitet 500 MBit/s im Kabelnetz aus

  9. IT-Outsourcing

    Schweden kaufte Clouddienste ohne Sicherheitsprüfung

  10. Quantengatter

    Die Bauteile des Quantencomputers



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Moto Z2 Play im Test: Bessere Kamera entschädigt nicht für kürzere Akkulaufzeit
Moto Z2 Play im Test
Bessere Kamera entschädigt nicht für kürzere Akkulaufzeit
  1. Modulares Smartphone Moto Z2 Play kostet mit Lautsprecher-Mod 520 Euro
  2. Lenovo Hochleistungs-Akku-Mod für Moto Z
  3. Moto Z Schiebetastatur-Mod hat Finanzierungsziel erreicht

Neuer A8 vorgestellt: Audis Staupilot steckt noch im Zulassungsstau
Neuer A8 vorgestellt
Audis Staupilot steckt noch im Zulassungsstau
  1. Autonomes Fahren Continental will beim Kartendienst Here einsteigen
  2. Verbrenner Porsche denkt über Dieselausstieg nach
  3. Autonomes Fahren Audi lässt Kunden selbstfahrenden A7 testen

Anker Powercore+ 26800 PD im Test: Die Powerbank für (fast) alles
Anker Powercore+ 26800 PD im Test
Die Powerbank für (fast) alles
  1. Toshiba Teures Thunderbolt-3-Dock mit VGA-Anschluss
  2. Asus Das Zenbook Flip S ist 10,9 mm flach
  3. Anker Powercore+ 26800 PD Akkupack liefert Strom per Power Delivery über USB Typ C

  1. Re: Infrastruktur ist Aufgabe der Gemeinschaft

    Eswil | 06:26

  2. Re: Paradigmenwechsel in Sachen K.I.

    hw75 | 05:34

  3. Re: Wie viel Menschen klicken auf Werbung?

    hw75 | 05:27

  4. Re: Anforderungen oft zu hoch

    amagol | 04:54

  5. Re: Endet damit auch Adobe Air?

    MESH | 04:25


  1. 21:02

  2. 18:42

  3. 15:46

  4. 15:02

  5. 14:09

  6. 13:37

  7. 13:26

  8. 12:26


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel