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Kia PV5 im Praxistest: Günstiges Raumwunder macht dem ID.Buzz Konkurrenz

Die Auswahl an vollelektrischen Kleinbussen ist noch begrenzt. Der Kia PV5 ist eine praktische und günstige Alternative zum VW ID.Buzz.
/ Friedhelm Greis
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Der Kia PV5 ist eher ein Platz- als ein Ladewunder. (Bild: Friedhelm Greis/Golem)
Der Kia PV5 ist eher ein Platz- als ein Ladewunder. Bild: Friedhelm Greis/Golem

Für viele reiselustige Autofahrer ist es immer noch ein Traum: ein bezahlbarer, vollelektrischer Kleinbus, mit dem man lange Strecken in den Urlaub ohne ständige Ladestopps zurücklegen kann. Diesen Traum kann der Kia EV5 zwar weiterhin nicht erfüllen. Aber die kantige Kiste ist zumindest ein praktisches Transportmittel in der Stadt. Auf der Langstrecke dürfte eine Fahrt eher zur Geduldsprobe werden.

Zweifellos ist der PV5 kein Hingucker wie der ID.Buzz von VW. Das Design wirkt, als hätte der Kia-Designer in seinem früheren Leben Schuhkartons entworfen. Doch bei einem Kleinbus zählen eher die inneren Werte. Vor allem, wie viel sich je nach Gelegenheit hineinpacken lässt.

Wuchtige Außenspiegel

Mit einer Länge von 4,7 m ist der PV5 nur wenige Millimeter kürzer als die Standardversion des ID.Buzz. Im Gegensatz zum VW-Pendant ist der Kia nicht breiter als hoch. Mit 1,9 m ohne Außenspiegel ist der PV5 sogar neun Zentimeter schmaler als der ID.Buzz. Die Höhe ist mit 1,92 m praktisch identisch.

Auffallend am Kia-Bus sind die wuchtigen Außenspiegel, die beim Blick aus dem Fahrzeuginnern fast schon an einen Lkw erinnern. Daher kommt der PV5 mit den Spiegeln auf eine Breite von 2,26 m und übertrifft den ID.Buzz um vier Zentimeter. Die Radstände sind mit rund 3 m hingegen fast identisch.

Sehr großer Stauraum

Trotz der vergleichbaren Außenmaße erweckt der PV5 den Eindruck, deutlich mehr Platz im Innenraum zu bieten. Dieser Eindruck wird durch einen Profilvergleich und die Angaben zum Stauraum bestätigt. So gibt Kia ein Gepäckraumvolumen nach VDA von 3.615 Litern bis Dachhöhe bei umgeklappten Lehnen der zweiten Sitzreihe an. Beim ID.Buzz sind es laut ADAC(öffnet im neuen Fenster) nur 2.205 Liter. VW gibt im Konfigurator(öffnet im neuen Fenster) hingegen 2.977 Liter als "größtes Gepäckraum-/Ladevolumen" an.

Der Stauraum hinter der zweiten Sitzreihe ist mit 1.330 Litern beim PV5 ebenfalls recht groß. Beim ID.Buzz sind es mehr als 200 Liter weniger. Die Beinfreiheit in der zweiten Sitzreihe ist zudem riesig. Es gibt sogar eine eigene Ablage für die Füße. Die Ladekante ist mit 63 cm bei beiden Kleinbussen identisch.

Mehr Anhänge- und Stützlast als beim ID.Buzz

Mit einem solch großen Stauraum ist sogar ein kleiner Umzug zu schaffen. Während die Transportbox des Cocktailmixers Hector den Kofferraum des A6 Avant fast alleine ausfüllte, fällt die Kiste im Heck des PV5 kaum auf. Das liegt vor allem an den Abstand von rund 1,2 m zwischen den beiden Radkästen, so dass auch sperrige Gegenstände quer eingeräumt werden können.

Die zulässige Nutzlast beträgt beim PV5 mit großem Akku 455 kg, was etwa 50 kg weniger als beim ID.Buzz sind. Der Kia-Bus kann eine gebremste Last von 1.500 kg ziehen, die zulässige Stützlast liegt bei 150 kg, was doppelt so viel wie bei der VW-Konkurrenz ist. Zudem kann der ID.Buzz 300 kg weniger ziehen.

Was neben dem großen Platzangebot am PV5 ebenfalls hervorsticht, ist der günstige Preis. Die von uns getestete Ausstattungsversion Elite mit 71,2-kWh-Akku kostet 45.340 Euro. Der Testwagen verfügte über Extras wie das Power-Paket mit elektrischen Schiebetüren und Heckklappe (1.150 Euro), das Smart-Paket mit Digital Key und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen (810 Euro), eine Wärmepumpe (900 Euro) und eine Metalliclackierung (790 Euro). Die Schiebetüren lassen sich von außen über einen kleinen Taster in den Türgriffen elektrisch öffnen, was sehr praktisch ist.

Für den Gesamtpreis von rund 49.000 Euro gibt es beim ID.Buzz mit 79-kWh-Akku nicht einmal die Einstiegsversion, die laut Konfigurator(öffnet im neuen Fenster) bei 61.077 Euro startet.

Vergleichbarer ID.Buzz wäre 20.000 Euro teurer

Der PV5-Testwagen verfügte bei dem Preis unter anderem über elektrisch verstellbare Fahrer- und Beifahrersitze mit elektrisch verstellbarer Lendenwirbelstütze, elektrisch anklappbare Außenspiegel, eine Rundumsichtkamera, einen Totwinkelassistenten mit Monitoranzeige, eine induktive Ladestation für Smartphones, Schiebefenster im Fond und Vehicle-to-Load. Neben der Lenkrad- und Sitzheizung vorne sind auch die beiden äußeren Sitze in der zweiten Reihe beheizbar.

Serienmäßig ist nicht nur ein Abstandsregeltempomat, sondern sogar ein Autobahnassistent mit Lenkunterstützung und automatischer Tempoanpassung enthalten. Eine Rückfahrkamera gehört ebenfalls zur Serienausstattung. Die Anhängevorrichtung gibt es ohne Aufpreis, allerdings muss sie jeweils per Hand an- und abgebaut werden. Ein vergleichbar ausgestatteter ID.Buzz würde etwa 68.000 Euro kosten.

Doch wo müssen PV5-Käufer Abstriche im Vergleich zum ID.Buzz machen?

Weniger Reichweite und längeres Laden

Zunächst fällt auf, dass der Akku mit 71,3 kWh etwas kleiner als beim Elektro-Bulli ausfällt. Das geht zu Lasten der Reichweite, die Kia mit 412 km nach WLTP angibt. Der ID.Buzz Pro mit kurzem Radstand soll hingegen 452 km weit kommen.

Bei unserem Test verbrauchte der PV5 auf der Autobahn bei 120 km/h rund 28 kWh pro 100 km. Kia selbst gibt den Autobahnverbrauch mit 26,7 kWh pro 100 km an. Dadurch schrumpft die Reichweite auf dürftige 250 km, so dass bei längeren Fahrten die Geschwindigkeit auf 100 km/h reduziert werden sollte. Der cw-Wert von 0,286 (vergleichbar mit dem ID.Buzz) und die große Stirnfläche verursachen bei höheren Geschwindigkeiten einen hohen Luftwiderstand.

Dieses Grundproblem bei elektrischen Kleinbussen ließe sich nur durch eine deutlich größere Batterie kompensieren, was aber Gewicht und Preis stark in die Höhe treiben würde. Im Stadtverkehr fällt der Verbrauch hingegen unter die Marke von 20 kWh pro 100 km.

Im Menü des PV5 finden sich unter dem Punkt Energieinfo historische Angaben zum Stromverbrauch. Demnach benötigte das Testauto auf den 3.800 km seit der Auslieferung durchschnittlich 25,3 kWh pro 100 km. Allerdings ist uns nicht bekannt, wie die früheren Testfahrer das Fahrzeug genutzt haben.

Maximale Ladeleistung bei 150 kW

Einen signifikanten Unterscheid zur Reichweite des ID.Buzz gibt es jedoch nicht. Entscheidend ist vor allem das Nutzungsprofil. Bei unserem Praxistest des ID.Buzz mussten wir häufig an der Autobahn nachladen, wobei der Elektro-Bulli etwas sparsamer als der PV5 sein dürfte.

Da Kia bei dem Kleinbus ein 400-Volt-System nutzt, dauern die Ladevorgänge entsprechend lange. Die maximale Ladeleistung beträgt 150 kW an einem Schnelllader. Eine manuelle und automatische Vortemperierung des Akkus ist integriert. Ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent der Akkukapazität soll etwa 30 Minuten dauern. Das wären vier Minuten mehr als beim ID.Buzz.

Die Ladebuchse befindet sich unterhalb der Fronthaube. Daher ist ein mehr als fünf Meter langes Ladekabel erforderlich, wenn man beispielsweise seitlich am Straßenrand laden will und die Säule sich am Heck befindet. Beim ID.Buzz befindet sich die Buchse schräg oberhalb des hinteren rechten Radkastens.

Nicht vergleichbar sind jedoch die Antriebe der beiden Kleinbusse.

Schwacher Motor verliert die Puste

VW stattet den ID.Buzz mit einem 210-kW-Motor aus, der inzwischen zur MEB-Plattform gehört. Damit beschleunigt der ID.Buzz in 7,3 Sekunden von null auf 100 km/h.

Das ist mit dem PV5 nicht möglich. Zwar wiegt der Kia-Bus mit 2.215 kg rund 350 kg weniger als der ID.Buzz. Doch dem Frontmotor mit 120 kW geht bei höheren Geschwindigkeiten die Puste aus. Dabei ist man mit dem PV5 in der Stadt durchaus agil unterwegs, da der PV5 in weniger als vier Sekunden von null auf 50 km/h sprintet. Es dauert aber rund 10 Sekunden, bis die 100 km/h erreicht sind. Kurze und schnelle Überholvorgänge auf der Landstraße sind damit eher nicht möglich. Der Kleinbus wird bei 135 km/h abgeregelt.

Praktischer Innenraum, aber nicht sehr hübsch

Der Innenraum ist optisch nicht gerade ein Schmuckstück. Die Oberflächen aus Kunststoff wirken ebenso praktisch wie der Rest des Fahrzeugs und versprühen den Charme eines Warteraums im Einwohnermeldeamt. Das Fahrerdisplay mit 7,5 Zoll Diagonale liefert die wichtigsten Fahrzeugdaten wie Geschwindigkeit, Ladezustand, Reichweite und Verbrauch. Ein Head-up-Display ist nicht bestellbar. Das serienmäßige Navigations- und Infotainmentsystem basiert auf Android Automotive OS (AAOS) und ermöglicht Updates aus der Ferne.

Der berührungsempfindliche Zentralbildschirm hat ebenso wie beim ID.Buzz eine Diagonale von 12,9 Zoll. Eine zusätzliche Bedienleiste für die Klimaeinstellungen gibt es nicht. Stattdessen finden sich in der Mittelkonsole noch Tasten für das elektrische Öffnen der Schiebetüren und der Heckklappe sowie für das Aktivieren von Parkfunktionen.

Gute Spracherkennung, Schwächen bei den Verkehrszeichen

Die darunter befindliche USB-C-Buchse liefert bis zu 100 Watt. Das induktive Aufladen des Handys über den Qi-Standard funktionierte nicht bei allen von uns genutzten Geräten. Ab der Ausstattungslinie Plus gibt es am hinteren Ende der Mittelkonsole eine 230-Volt-Steckdose. Zusätzlich verfügt der PV5 über eine etwas kuriose Ablage oberhalb des Armaturenbretts. Sie ist recht klein, verfügt aber über eine USB-Buchse, so dass ein Tablet oder Smartphone dort geladen werden könnte.

Die Spracherkennung des Infotainmentsystems hat gut funktioniert. Das lässt sich von der Verkehrszeichenerkennung nicht unbedingt behaupten. Vor allem zeitlich eingeschränkte Tempolimits wurden meist nicht richtig übernommen. Der vorgeschriebene Tempolimitwarner lässt sich durch ein längeres Drücken der Lautstärketaste deaktivieren. Das führte jedoch häufig dazu, dass sich die ausgeschalteten Medien wie Radio oder Spotify wieder einschalteten. Sinnvoller ist es daher, die Favoritentaste auf dem rechten Bedienfeld des Lenkrades dafür zu nutzen.

Allerdings findet der PV5 auch ohne den Tempolimitwarner noch genügend Anlässe zum Piepsen. In der 826-seitigen Bedienungsanleitung(öffnet im neuen Fenster) (PDF) taucht der Begriff Warnton mehr als 100-mal auf. Die Aufmerksamkeitserkennung ist sehr aufmerksam und trägt entsprechend häufig zu Warnungen bei.

Das Navigationssystem funktioniert zuverlässig, leidet aber unter einer Art annuntiatio praecox.

Gute Rundumsicht beim Rangieren

So wurden wir schon aufgefordert, eine Autobahn zu verlassen, obwohl wir noch gar nicht aufgefahren waren. Meist kommen die Hinweise zum Abbiegen schon drei Kreuzungen vorher, was verwirrend sein kann. Auf dem Display wurden wir mitten in Berlin darauf hingewiesen, nach Berlin abzubiegen.

Da die Integration von Apple Carplay und Android Auto kabellos möglich ist, lässt sich problemlos auf eine andere Navigation umstellen. Auf längeren Strecken ist es allerdings sinnvoll, das Kia-System mit Vorschlägen für Ladestopps zu nutzen. Das haben wir jedoch nicht genutzt, da wir nur im Berliner Umland unterwegs waren. Beim Praxistest des Kia EV4 im Dezember 2025 funktionierte die Ladeplanung auf längeren Touren zuverlässig.

Trotz seiner Größe verfügt der PV5 über eine sehr gute Rundumsicht. Das Rangieren in Parklücken ist problemlos möglich, wozu auch die Umgebungskameras beitragen. Der Wendekreis beträgt 11,7 m. Beim ID.Buzz sind es 11,9 m.

Einstiegsversion ab 38.290 Euro

Insgesamt stellt der PV5 aufgrund seiner guten Ausstattung und praktischen Funktionen eine preisgünstige Alternative zum ID.Buzz dar. Der deutliche geringere Preis von etwa 20.000 Euro ist allerdings mit einigen Abstrichen verbunden. Im Innenraum fühlt man sich weniger wie im Wohnzimmer, sondern eher wie in einer Werkstatt.

Preise und Ausstattungslinien beim Kia PV5
Kia PV5 EssentialKia PV5 PlusKia PV5 Elite
Preis 51,5-kWh-Akku38.290 Euro39.540 Euro41.340 Euro
Preis 71,2-kWh-Akku42.290 Euro43.540 Euro45.340 Euro

Hinzu kommt: Den PV5 gibt es sogar in einer noch günstigeren Einstiegsversion mit 51,5-kWh-Batterie und einem Frontmotor mit 89 kW. Für 38.290 Euro sinkt die WLTP-Reichweite jedoch auf magere 295 km. Für eine Langstrecke wäre diese Version nicht zu empfehlen. Für Transporte auf kürzeren Distanzen ist eine solche Reichweite hingegen ausreichend.

In den ersten zweiten Monaten dieses Jahres sind 358 PV5 in Deutschland neu zugelassen worden. Das ist noch kein Vergleich zu den 1.258 Neuzulassungen des ID.Buzz. Es ist aber davon auszugehen, dass der Kia-Bus dem Konkurrenten aus Hannover einige Marktanteile abjagen wird.

Wer beispielsweise von der neuen Kauf- und Leasingprämie profitieren kann, erhält für einen Preis von etwas mehr als 40.000 Euro einen voll ausgestatteten Kleinbus für eine fünfköpfige Familie und reichlich Stauraum für die Fahrt in den Urlaub. Auch wenn diese Fahrt sicherlich etwas länger als gewohnt dauern dürfte.

Vergleich Kia PV5 mit VW ID.Buzz
Kia PV5 EssentialVW ID.Buzz Pro kurz
Preis42.290 Euro61.076,75 Euro
Akkugröße71,2 kWh79 kWh
Reichweite412 km459 km
max. Ladeleistung150 kW185 kW
Ladedauer 10-80 %30 min26 min
Leergewicht mit Fahrer2.145-2.215 kg2.512,43 kg
Zuladung455 kg488 kg
Stauraum hinter 2. Sitzreihe1.330 l1.121 l
Gesamter Stauraum 3.615 l2.205 l (2.977 l)
Länge/Breite/Höhe4.695/1.895/1.923 mm4.712/1.985/1.927 mm
Motorleistung120 kW (163 PS)210 kW (286 PS)
Höchstgeschwindigkeit135 km/h160 km/h
Beschleunigung10,6 s7,3 s

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