Kia EV3 angeschaut: Ein kompaktes SUV zum Angriff auf den ID.3
Mit großer Reichweite und einer komfortablen Innenausstattung will Kia mit dem EV3 im Segment der Kompakt-SUV punkten. Bis zu 600 km soll das Elektroauto mit einer Akkuladung von 81,4 Kilowattstunden (kWh) nach dem Prüfzyklus WLTP kommen. Bei dem kleineren Akku, der nutzbare 58,3 kWh liefere, seien 410 km möglich, teilte der südkoreanische Autohersteller mit. Preise und einen Termin für den in diesem Jahr geplanten Verkaufsstart nannte Kia bei der Vorführung des Autos im April 2024 in der Nähe von Frankfurt am Main noch nicht.
Von außen sieht der EV3 aus wie ein EV9, der zu heiß durch die Waschstraße gefahren wurde: Die Länge schrumpfte von 5 m auf innenstadttauglichere 4,3 m. Zudem ist der EV3 mit 1,56 m mehr als 20 cm niedriger und mit 1,85 m 13 cm schmaler als das aktuelle Topmodell von Kia. Die markanten Formen bleiben jedoch erhalten. Die Front wirkt ebenfalls recht bullig, wenn auch etwas glatt geschliffener, was der Aerodynamik zugute kommt.
Die Silhouette des EV3 ähnelt sehr derjenigen des Volvo EX30. Beide Elektroautos haben eine markante C-Säule, einen Spoiler an der Heckklappe und eine schmale Heckscheibe. Der EX30, von Volvo selbst als Kleinwagen eingestuft , ist jedoch einige Zentimeter kürzer. Vor allem unterscheiden sich die Bedienkonzepte stark voneinander. Volvo verzichtet möglichst auf haptische Elemente und komplett auf ein Kombiinstrument.
Bedienkonzept aus dem EV9
Kia übernahm beim EV3 im Grunde das Bedienkonzept vom EV9. Das betrifft unter anderem die zwei verbundenen 12,3 Zoll großen Bildschirme hinter dem Lenkrad und über der Mittelkonsole. Auch das dazwischen befindliche 5,3 Zoll große Touchdisplay für die Klimatisierung ist vorhanden. Das gilt ebenfalls für die Menüleiste mit den Sensortasten unterhalb des Infotainment-Bildschirms. Die Wipptasten für Temperatur, Gebläse und Klimazone sind ebenso wie beim EV9 unter der Menüleiste angeordnet.
Die Bedienelemente am Lenkrad sind auch identisch. Kia setzt weiterhin auf viele haptische Taster und Schalter, mit denen sich Assistenzsysteme, Telefon- und Medienwiedergabe oder die Anzeige im Fahrerdisplay bedienen lassen. Der Fahrwahlhebel befindet sich am Lenkrad. In der Mittelkonsole platziert Kia daher nur vier Taster für Parksituationen. Darunter befindet sich zudem eine herausziehbare Ablagefläche.
Insgesamt unterscheidet sich der Innenraum deutlich von der aktuellen Version des Kia Niro . Allerdings gibt es wenig Gemeinsamkeiten mit dem EV3-Konzeptfahrzeug, das Kia im Oktober 2023 zeigte . Bei diesem war der Innenraum deutlich luftiger und futuristischer gestaltet.
Vom Konzeptfahrzeug übernommen wurde ein schmales Band in den Türen, in dem die Taster für die Sitzheizung und -belüftung integriert sind. Außerdem setzt Kia im Serienfahrzeug ebenso wie in der Studie zahlreiche wiederverwertete Materialien im Innenraum ein. Pro Fahrzeug werden laut Kia 28,5 kg recycelter Kunststoff verwendet.
Vom Niro übernahm der EV3 offenbar den Antrieb.
Keine Allradversion verfügbar
Der Frontmotor verfügt in beiden Modellen über eine Leistung von 150 kW (204 PS) und beschleunigt das SUV je nach Akkugröße in 7,4 oder 7,7 Sekunden von null auf 100 km/h. Eine Allradversion ist nicht vorgesehen.
Ebenso wie beim Niro setzt Kia beim EV3 ein 400-Volt-System ein. Entsprechend niedrig ist die Ladeleistung von maximal 102 beziehungsweise 128 kW. Damit dauert es rund 30 Minuten, um den Akku von 10 auf 80 Prozent der Kapazität zu laden. Der EV6 und der EV9 können mit ihren 800-Volt-Systemen Ladeleistungen von mehr als 200 kW abrufen.
Ladebuchse vorn rechts
Ungewöhnlich für Kia ist die Position der Ladebuchse; sie befindet sich beim EV3 vorn rechts, wie auch beim Renault Mégane E-Tech Electric . Beim Niro ist der Ladeanschluss in der Front eingebaut, beim EV6 und EV9 hinten rechts.
Dem ADAC zufolge(öffnet im neuen Fenster) haben 11 von 235 untersuchten Elektroautos die Ladebuchse vorne rechts. Das soll in typischen Garagen und auf Stellplätzen eher unpraktisch sein. Beim Längs- und Querparken an öffentlichen Wechsel- und Gleichstromsäulen sei die Position aber von Vorteil.
Verbesserte Routenplanung angekündigt
Selbst beim Topmodell EV9 hat uns die Routenplanung im Praxistest noch nicht überzeugt. Nun verspricht Kia weitere Verbesserungen, um die Berechnung von Ladestopps praktikabler zu machen. Aktuell fehlt vor allem die Möglichkeit, den gewünschten Akkuladestand (State of Charge/SoC) bei Erreichen des Ziels oder einer Ladestation angeben zu können.
Beim EV3 soll es jedoch möglich sein, den SoC manuell festzulegen. Ebenfalls soll die Routenplanung schneller reagieren und den Akkustand am Ziel dynamischer bestimmen können.

Solche Verbesserungen sind zwingend notwendig, will Kia tatsächlich mit dem ID.3 konkurrieren. Denn VW stattet den Einstiegsstromer inzwischen mit einem stärkeren Motor, einer verbesserten Software mit Akkuvorkonditionierung und komfortablerem Bediensystem aus. Zudem erreicht VW aktuell Ladeleistungen von bis zu 180 kW. Beide Autos können den Akku vor dem Laden konditionieren.
In Sachen Reichweite hat der EV3 hingegen die Nase vorn.
Mehr Reichweite und Stauraum als beim ID.3
Der Koreaner soll 40 km weiter als der ID.3 kommen, der mit dem 77-kWh-Akku laut WLTP 559 km schafft. Laut Kia liegt der cw-Wert des SUV bei 0,267, was deutlich weniger als beim EV9 mit 0,285 ist. Zur Verringerung des Luftwiderstands sollen aktive Luftklappen, eine Verkleidung des Unterbodens und die aerodynamische Form des Hecks beitragen.
Auch beim Stauraum muss der EV3 den Vergleich nicht scheuen. Das Kofferraumvolumen von 460 Litern ist beachtlich. Mit umgeklappten Rücksitzen sind es 1.250 Liter. Zudem verfügt der EV3 trotz des Frontantriebs über einen kleinen Stauraum von 25 Litern unter der Fronthaube. Das sollte zumindest für ein Ladekabel reichen.
Zum Vergleich: Der ID.3 hat ein Kofferraumvolumen von 385 Litern und keinen Frunk. Bei umgeklappten Rücksitzen ist der Stauraum mit 1.267 Litern etwas größer. Ein weiterer Pluspunkt für den EV3: Das Kompakt-SUV ist mit Anhängerkupplung bestellbar und soll bis zu 1.000 kg gebremste Anhängelast ziehen können.
ChatGPT integriert
Nicht nur VW, auch Kia integriert inzwischen das KI-basierte Chatprogramm ChatGPT in seine Fahrzeuge. Beim EV3 soll der Chatbot unter anderem Auskunft über Routenziele und zur Fahrzeugnutzung geben sowie Musikempfehlungen aussprechen und sprachbasierte Unterhaltungsspiele ermöglichen.
Weitere Funktionen sind Infotainments wie kleine Videospiele, die sich über das Smartphone bedienen lassen. Zudem lassen sich Streamingdienste wie Spotify, Soundcloud, Youtube oder Netflix integrieren. Das Smartphone lässt sich zudem als Autoschlüssel verwenden. Bis zu sieben Geräte können den digitalen Schlüssel nutzen, die Nutzungszeiten können festgelegt werden.
Ebenso wie bei anderen Elektroautos von Kia lässt sich an den EV3 ein externer Wechselstromverbraucher anschließen (Vehicle to load/V2L). Das Fahrzeug ist für bidirektionales Laden und damit für die Einbindung ins heimische oder öffentliche Stromnetz vorbereitet.
Von Ausstattung und Funktionen her ist der EV3 daher ein ernsthafter Konkurrent für den ID.3 oder Volvo EX30 – aber auch für den Kia Niro, der ebenso wie der Hyundai Kona als Crossover-SUV beliebt ist.
Preis noch offen
Entscheidend für den Verkaufserfolg dürfte daher der Preis sein. VW bietet den neuen ID.3 Pro S derzeit zum Einstiegspreis von 47.595 Euro vor Abzug der VW-Umweltprämie in Höhe von 3.570 Euro an. Damit ist das Modell nicht teurer als der Niro, für den Kia 45.690 Euro verlangt.
Trotz des größeren Akkus bleibt für Kia nicht viel Spielraum beim Preis. Denn der Volvo EX30 mit großem Akku ist mit einem Basispreis von 38.600 Euro günstiger. Der Smart #1 mit dem größeren Akku startet bei 42.490 Euro. Für die in China hergestellten Elektroautos von Volvo und Smart könnte allerdings ein möglicher Strafzoll auf EU-Ebene zum Problem werden.
Mit dem EV3 will Kia sich den Anteil am schnell wachsenden Segment der elektrischen Kompakt-SUV sichern. Von der Technik her kann sich der Koreaner durchaus sehen lassen. Das kantige Äußere, das die Designphilosophie "Opposites united" (Vereinte Gegensätze) verkörpern soll, bleibt hingegen Geschmackssache. Zumindest wirkt die geschrumpfte Version des EV9 auf den ersten Blick nicht ganz so erschlagend.
Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von Kia an der statischen Präsentation des EV3 in der Nähe von Frankfurt am Main teilgenommen. Die Kosten für die Anreise wurden zur Gänze von Kia übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben seitens Dritter.
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