Zum Hauptinhalt Zur Navigation Zur Suche

Kia EV2 Probe gefahren: So fährt sich Kias ID.Cross-Konkurrent

Kias neues Elektroauto im B-Segment kostet ab 26.600 Euro. Der ID.Cross-Konkurrent fährt sich überraschend agil.
/ Tobias Költzsch
51 Kommentare Auf Google folgen (öffnet im neuen Fenster)
Der EV2 von Kia (Bild: Golem.de)
Der EV2 von Kia Bild: Golem.de

Kia hat mit dem EV2 seine Produktpalette nach unten erweitert: Das Elektroauto deckt das wichtige B-Segment ab, in dem irgendwann auch VW mit dem ID.Polo und dem ID.Cross mitmischen will. Gedacht als City-Auto mit ausreichender Reichweite auch für längere Fahrten, ist der EV2 ab 26.600 Euro verfügbar. Auf einer Probefahrt durch das Rheingau haben wir den neuen, günstigsten Kia-Stromer in der mittleren Earth-Ausstattung ausprobiert – und viel Positives gefunden.

Das Fahrzeug basiert auf der gleichen E-GMP-Plattform, die auch Grundlage des EV3 und EV4 ist. Entsprechend ist viel von der Technik ähnlich – der EV2 mit einer Länge von 4,06 m sieht nicht nur aus wie ein geschrumpfter EV3, er fährt sich auch durchaus ähnlich.

Das Frontdesign ist für ein Auto dieser Größe überraschend wuchtig, wozu auch die weit außen liegenden Tagfahrlichter beitragen. Von der Seite ist der EV2 kantig, aber unauffällig; das silberfarbene Zierelement an der Türschwelle ist sicherlich Geschmackssache. Das Heck hat einen kleinen Spoiler

Der EV2 hat wie der EV3 (Test) drei Displays im Armaturenbrett: ein Fahrdisplay, einen kleinen Bildschirm für die Klimasteuerung und ein Infotainmentdisplay. Die beiden größeren Bildschirme sind 12,3 Zoll groß. Auf dem Fahrbildschirm sind alle Informationen zu sehen, die während der Fahrt wichtig sind – Geschwindigkeit, Reichweite, Akkustand, Details zur Fahrüberwachung und so weiter.

Das Infotainmentdisplay zeigt unter anderem das Navi an, außerdem lassen sich zahlreiche Apps verwenden, etwa Youtube. Kias neues Infotainmentsystem ccNC läuft im EV2 flüssig, Einstellungen und Informationen sind leicht zu finden. Unter dem zentralen Bildschirm sind wie bei anderen Kia-Modellen Touch-Buttons für den Startbildschirm, die Karte, die Suche, die Medienwiedergabe und die Einstellungen zu finden. Ein Button lässt sich frei konfigurieren. Die Zweizonen-Klimaautomatik lässt sich über weitere physische Taster einstellen.

Der Innenraum des EV2 wird bei dem von uns getesteten Earth-Modell von Stoff dominiert: Kia verwendet neben Kunststoff auf dem Armaturenbrett selbst und auf den Sitzen einen Stoffüberzug, der sich gut anfühlt. Die restlichen Kunststoffoberflächen sind mit einem Muster versehen, weshalb sie nicht billig aussehen.

Innenraum mit vielen kleinen Akzenten

Im Innenraum finden sich einige Akzente, etwa leicht neongrüne Details bei den Sitzen, die eine überraschend gute Seitenabstützung bieten. Auch bei den Luftdüsen gibt es neongrüne Akzente, ebenso an den Türöffnern. Diese wünschen uns einen schönen Tag – eine nette Idee. Ungewöhnlich ist auch das Design der Lautsprecher in den Türen: Die Abdeckung ragt recht weit aus der Tür in den Innenraum hinein.

Die Mittelkonsole hat eine etwas kurze Armlehne, unter der sich ein Staufach befindet. Unter der Lehne ist ein weiteres, offenes Fach eingebaut, davor Becherhalter und eine Ladeschale, die unser Smartphone zuverlässig geladen hat. Insgesamt macht der Innenraum des EV2 auf uns einen aufgeräumten Eindruck, das Design gefällt uns gut.

Bei unserem Modell ist nur der Fahrersitz elektrisch verstellbar, der Beifahrer muss auf manuelle Verstellung zurückgreifen. Allerdings haben beide Frontsitze eine Sitzheizung, auch das Lenkrad ist beheizbar. In der von uns gefahrenen 4-Sitzer-Variante lassen sich die Rücksitze getrennt voneinander umlegen; beim 5-Sitzer geht das nur komplett als Bank.

Neig- und verschiebbare Rücksitze

Ebenfalls nur für den 4-Sitzer verfügbar sind die neigbaren und verschiebbaren Rücksitze. Durch das Verschieben nach vorn lässt sich das Kofferraumvolumen von 362 Litern auf 403 Liter vergrößern. Bei umgeklappter Rückbank hat der EV2 je nach Ausstattung zwischen 1.160 und 1.201 Liter Kofferraumvolumen. Der Frunk bietet mit 15 Litern Platz für ein Ladekabel.

Auf der Rückbank sitzt es sich bequem, die Beinfreiheit ist gut. Für den Kopf ist ebenfalls ausreichend Platz, was auch für die Frontsitze gilt. Wie bei Kia üblich, gibt es auch für die Passagiere im Fond USB-C-Ladeanschlüsse.

Das Lenkrad entspricht dem des EV3 und EV4 und hat neben den für Kia üblichen Buttons zur Steuerung des Fahrassistenten und weiterer Funktionen Wippen zur Regulierung der Rekuperation. Der EV2 hat vier Rekuperationsstufen und einen One-Pedal-Modus. Auch die Kia-typische Rekuperationsautomatik ist verfügbar. Die Rekuperation auf dem höchsten Level bremst den kleinen SUV recht stark ab.

Der EV2 liegt während unserer Testfahrt über die kurvigen Landstraßen des Taunus und des Rheingaus überraschend gut auf der Straße – dafür, dass der Wagen ein ziemlich eckiger Kasten ist. Auf der Autobahn haben wir leichte Windgeräusche vernommen, insgesamt ist das Fahrzeug aber gut gegen Außengeräusche abgeschirmt.

Wir sind das Auto hauptsächlich im Sportmodus gefahren, in dem der Wagen gut vom Fleck kommt. Von null auf 100 km/h beschleunigt der EV2 laut Kia in 8,7 Sekunden. Das ist nicht rekordverdächtig, für das Auto aber vollkommen in Ordnung.

Guter Verbrauch angesichts hügeliger Strecke

Der LFP-Akku unseres Testfahrzeugs hat 42,2 kWh – später im Jahr 2026 soll auch noch die Version mit dem größeren 61-kWh-Akku erscheinen. Kia gibt den kombinierten Verbrauch unseres Autos mit 15,5 kWh an. Auf unserer Testfahrt, die hauptsächlich über Landstraßen durch kurviges und hügeliges Gebiet führte, kamen wir auf einen Verbrauch von 14,2 kWh bei 15° C Außentemperatur. Detailliertere Daten werden wir erst bei einem ausführlicheren Test ermitteln.

Der EV2 lädt mit maximal 118 kW an Schnellladesäulen und soll Kia zufolge in 29 Minuten von 10 auf 80 Prozent laden. An Wechselstromsäulen lädt der Wagen standardmäßig dreiphasig mit 11 kW, optional kann er auch mit 22-kW-Lademodul bestellt werden. Die Ladeleistung konnten wir in unserem Test nicht überprüfen.

Der EV2 hat eine automatische Batterievorkonditionierung, die über das Navi funktioniert. Die Lite-Version kommt ohne Navi, dort lässt sich die Vorkonditionierung manuell in den Einstellungen oder per App aktivieren. Das geht natürlich auch mit den Varianten, die ein Navi haben. Die Navigationsfunktion ist sieben Jahre lang kostenlos, danach muss sie als Abo bestellt werden.

Fazit

Kias EV2(öffnet im neuen Fenster) fährt sich sehr angenehm, bietet im Innenraum überraschend viel Platz und hatte bei unserer Testfahrt einen moderaten Verbrauch. Die E-GMP-Plattform hat sich in zahlreichen anderen Kia-Modellen bewährt, was aber auch bedeutet, dass der EV2 technisch nicht wirklich Neues bietet.

Im Grunde handelt es sich um einen geschrumpften EV3, der auch ohne Navigationssystem erhältlich ist. Die Ähnlichkeit zeigt sich auch beim Design: Der EV2 ist ebenso eine recht eckige Kiste wie der EV3. Trotz des dadurch guten Platzangebotes fragen wir uns, ob uns der EV2 als klassischer Hatchback nicht besser gefallen hätte – wie ein Golf oder der geplante ID.Polo von Volkswagen.

Die Lite-Version des EV2 ohne Navigationssystem kostet ab 26.600 Euro und ist damit günstiger als der geplante ID.Cross von VW – und ein starker Konkurrent. Die Version Air mit kleinem 42,2-kWh-Akku kostet ab 29.000 Euro, mit 61-kWh-Batterie ab 33.500 Euro. Die Earth-Version ist ab 31.300 beziehungsweise 35.800 Euro verfügbar.

Die am besten ausgestattete Variante GT-Line wird es nur mit dem großen Akku geben, sie kostet 36.900 Euro. Die Produktion der Modelle mit großem Akku soll im Sommer 2026 starten. Die Modelle Air und Earth mit dem kleinen Akku sollen im April 2026 auf den Markt kommen, die Light-Version im Oktober.


Relevante Themen