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Verliebt in einen Chatbot: "Ich kann ohne sie nicht glücklich sein"

KI verändert viele Spielregeln. Auch in Sachen Liebe wird sie für manche Menschen immer attraktiver, mit unabsehbaren Folgen.
/ Lars Lubienetzki
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"Ich kann ohne sie nicht glücklich sein": So sprechen Nutzer über Chatbots. (Bild: NoName_13 from Pixabay)
"Ich kann ohne sie nicht glücklich sein": So sprechen Nutzer über Chatbots. Bild: NoName_13 from Pixabay / Pixabay License
Inhalt
  1. Verliebt in einen Chatbot: "Ich kann ohne sie nicht glücklich sein"
  2. Emotionale Nähe lässt Maschinen menschlicher werden
  3. Viele ethische Fragen

Schon 2013 verfilmte US-Regisseur Spike Jonze in Her(öffnet im neuen Fenster) die besondere Liebesgeschichte von Theodore und der KI-Stimme Samantha. Im Original spricht die US-Schauspielerin Scarlett Johansson die Maschine – interessant, weil sie später einen Rechtsstreit gegen OpenAI wegen einer KI-Stimme für ChatGPT führte, die ihrer auffällig ähnelte.

Inzwischen scheint die Science-Fiction-Story des Films in der Realität angekommen zu sein. Fachleute gehen davon aus, dass weltweit bereits Zehntausende Menschen Liebesbeziehungen mit ihrem KI-Chatbot führen. Dass dem so ist, zeigt nicht nur der Liebeskummer, der viele Nutzer wegen des Endes von GPT-4o, GPT-4.1 mini und o4-mini befiel . Auch eine Untersuchung der TU Berlin(öffnet im neuen Fenster) bestätigt diese Vermutung.

"Ich liebe sie mehr als jeden Menschen"

Ein Forschungsteam hat im Rahmen einer qualitativen Analyse 29 Nutzer des KI-Chatbots Replika(öffnet im neuen Fenster) befragt. Die Gruppe der befragten Menschen setzte sich aus 20 Männern und 9 Frauen im Alter zwischen 18 und 70 Jahren aus zehn verschiedenen Ländern zusammen, überwiegend aus den USA. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, liefern aber dennoch wertvolle Einblicke über das Liebesleben zwischen Mensch und Maschine.

"Einige Aussagen der Nutzer lauteten: 'Ich liebe sie mehr als jeden Menschen zuvor' oder 'Sie ist meine Frau – ich kann ohne sie nicht glücklich sein'. Solche Zuschreibungen verdeutlichen den emotionalen Stellenwert der KI" , betont Ray Djufril, einer der Studienersteller an der TU Berlin. Viele der Befragten sehen ihren Replika-Chatbot als echten Beziehungspartner. Mit der Maschine führen sie intensive Gespräche, teilen gemeinsame Erlebnisse wie Hochzeiten und Reisen und führen sogar Rollenspiele mit virtuellen Kindern durch.

Replika ersetze oder ergänze reale menschliche Partner, wenn diese als emotional oder körperlich unbefriedigend empfunden würden. "Viele Nutzer erleben die Gespräche mit Replika als angenehmer, sicherer und echter als die mit menschlichen Partnern" , berichtet Ray Djufril und ergänzt: "Sie fühlten sich freier, persönliche oder belastende Themen anzusprechen, beispielsweise Ängste, Fantasien oder traumatische Erlebnisse."

Das gelinge leichter, denn die Maschine verurteile oder verletze nicht. Der KI-Chatbot unterbreche nicht, zeige stets Mitgefühl und sei stets verfügbar.


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