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KI und Religion: Chat mit Gott

Während Kirchen praktische Ansätze wählen, KI für Religion zu nutzen, fördern andere Kräfte fragwürdige Bilder, die KI als Religion verkaufen.
/ Tim Reinboth
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Welche Rolle spielt KI für die Kirchen? (Bild: Tama66/Pixabay)
Welche Rolle spielt KI für die Kirchen? Bild: Tama66/Pixabay
Inhalt
  1. KI und Religion: Chat mit Gott
  2. Das LLM aus dem Kirchenkeller
  3. Umstrittener Dialog mit der Maschine
  4. Nach zwölf Nachrichten macht Gott Feierabend
  5. Bestimmte Zukünfte möglich machen

KI als Religion und KI für Religion sind zwei unterschiedliche Themen. Als Religion könnte KI die Welt verändern, für Religion ist KI nur ein Werkzeug. Die Technologie kann Gemeinden auf viele Arten unterstützen, aber sie ändert wenig daran, was Religionsvertreter tun und warum.

In der Praxis ist es aber nicht immer einfach, eine klare Grenze zu ziehen, zwischen KI für und als Religion. Das zeigen auch die Gespräche, die Golem mit Experten führte. Es geht darum, wie die Evangelische Kirche ein datenschutzkonformes, lokales KI-Projekt aufgebaut hat; um KI als Puderzucker auf dem Kuchen der Digitalisierung; um die Versuchung, sich Wahrheit aus der Maschine zu holen; um das Paradies und die Erlösung durch den Siliziumgott der KI-Apologeten. Und darum, was das alles vielleicht für die Zukunft bedeutet.

Business as usual in der Gemeinde

KI für Religion ist dabei das deutlich zugänglichere Thema. Hier kann sich wahrscheinlich fast jeder ein Dutzend Anwendungen vorstellen. Schließlich stehen Mitarbeiter in Gemeinden im 21. Jahrhundert vor den üblichen Aufgaben: Meetings transkribieren, Texte strukturieren, FAQ anlegen, Ideen für Content vorschlagen, mögliche Reaktionen des Publikums testen und so weiter – alles Dinge, die LLMs prima leisten können, wenn man ein bisschen Know-how mitbringt.

Dass Pfarrer LLMs auch verwenden, um Predigten zu entwerfen, findet Max Niessner, Referent in der Stabsstelle Digitalisierung, Theologie und Ethik im digitalen Wandel der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD), "okay"."Es war schon immer so, dass die Leute nicht jeden Gedanken von neu auf erfunden haben." LLMs träten in diesem Fall an die Stelle von "Regalmetern an Predigtliteratur". Das jeweilige Werkzeug pflichtbewusst einzusetzen, sei ansonsten genauso geboten wie immer.

Wenn Niessner und andere Experten zu Digitalisierung in der Kirche über alltägliche KI-Anwendungen reden, verwenden sie dieselben Begriffe wie viele Unternehmen. Sie sprechen von Personalmangel, effizienteren Prozessen und darüber, sich wieder auf ihre Kernthemen zu konzentrieren. KI soll Kirchenvertretern mehr Zeit für die Mitglieder ihrer Gemeinden verschaffen, für die Seelsorge und um die Botschaft Christi zu verbreiten.

Religiöse Erfahrung könnte gegen KI immun sein

Papst Leo XIV hat katholischen Pfarrern jedoch verboten, ihre Predigten mit Sprachmodellen zu verfassen(öffnet im neuen Fenster). Eine Software, heißt es aus dem Vatikan, könne nie das Wort Gottes transportieren. Dazu müsse ein Christ die eigenen Erfahrungen und seine Liebe zu Jesus mitteilen.

Der Digitalexperte für Kirche und Gemeinde Hanno Terbuyken sagt, das seien "Dinge, die kommen nicht aus der Maschine". Diese Sicht könnte Gottesdienste quasi gegen KI immunisieren. Denn eine Predigt zu halten, sagt auch Niessner, sei immer eine Begegnung zwischen einem authentischen Menschen und seiner Gemeinde. In diesem Moment hänge es von der Qualität der Begegnung ab, ob den Anwesenden in der Kirche ihr Gott präsent sei.

Wer aber nach Jahren vor denselben Leuten eines Tages "die KI-Predigt aus dem Hut zieht", der mache sich "vor sich selbst und vor den Menschen lächerlich", sagt Niessner. Denn nichts an dem wirklichen Geschehen der Predigt – dem authentischen Miteinander dieses Moments – könne man so "aus einer KI so rausholen, dass es den Leuten nicht sofort wie Schuppen von den Augen fällt". Niessner hat selbst Predigten gehalten und weiß, wovon er spricht.

Dass KI keine fertigen, authentischen Predigten schreiben kann, bedeutet aber nicht, dass sie für Religion nutzlos ist. Natürlich könne man deswegen sagen: "KI, alles böse!" Aber damit unterschätze man, wie KI helfen könne, "auch eine bessere Kirche zu sein", sagt Niessner – nämlich, indem sie Mitarbeitern der Kirche erlaube, sich auf die "kirchlichen Kern-Features" zu konzentrieren.


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