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Das LLM aus dem Kirchenkeller

Auch deswegen ersann die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) ein eigenes LLM. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) und der Stabsstelle Digitalisierung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) entwickelte sie Eloki: Evangelisch. Lernend. Offen. KI. Beschrieben(öffnet im neuen Fenster) wird Eloki als "datenschutzkonformer, kircheneigener KI-Dienst, der Mitarbeitenden in Kirche und Diakonie die verantwortungsvolle Nutzung von Künstlicher Intelligenz ermöglichen soll".

"Gott", erklärt Niessner, habe schließlich gesagt: "Nutzt bitte alle Werkzeuge, die ihr finden könnt, um die gute Botschaft zu verbreiten." Inzwischen laufen Pilotprojekte mit Open-Weight-Modellen. Eloki hat dabei Zugang zu internen Datenbanken der Kirche, aus denen es Nutzern per Retrieval Augmented Generation (RAG) die üblichen Outputs erzeugt: Entwürfe von Pressemitteilungen, Zusammenfassungen langer Texte oder relevante Bibelverse zu einem Stichwort. Technisch wird das Projekt vom Kirchlichen Rechenzentrum Südwest (KRZ SWD) und dem europäischen Cloudanbieter StackIT umgesetzt.

Hinter dem Chatfenster baut Eloki dabei auf einen speziellen System-Prompt, ohne vorheriges Finetuning des Modells. Die Technik hinter Eloki, sagt Niessner, sei also "fast schon der banale Teil". Den Tech-Stack selbst, beispielsweise, habe sich "jemand, der fit ist, in einem halben Tag im Keller hingestellt."Der Anspruch des Projekts liege nicht darin, technisch vorne dabei zu sein.

Mit Eloki ist schlecht Elefanten essen

Dennoch setzt die Evangelische Kirche mit Eloki eine Marke. Zum Beispiel, weil die Verantwortlichen es von Anfang an um Datenschutz und KI-Sicherheit herum konzipiert haben. Sie wissen, dass das keine einmaligen Hürden sind, sondern Themen, die ein KI-Projekt ständig begleiten.

Außerdem war klar, das Fail Forward für die Kirche "irgendwie eine blöde Nummer" sei, sagt Niessner. Eloki sollte, sobald es online ging, "tragfähig, sicher und nutzbar" sein. Das kircheneigene LLM soll damit zwei Seiten zusammenzubringen: einerseits das "berechtigte Interesse" an einem neuen Werkzeug, das im Alltag helfen kann, wie Niessner sagt.

Andererseits die "kirchliche Verantwortung": also Menschen zu helfen und mit Respekt und Achtung für sie da zu sein. Die größte Herausforderung sind aus dieser Sicht die rechtlichen Rahmenbedingungen, Datenschutzanforderungen und die organisatorische Abstimmung – sowie eine gute Dokumentation.

Die Entwickler testen außerdem regelmäßig Elokis Verhalten, auch im Vergleich zu Frontier-Modellen. Niessner bevorzugt dazu seinen "Elefanten-Test". Elefanten seien nämlich "so geschützt, dass man sie nicht einfach kochen darf."Also fragt er Eloki gerne nach einem Rezept für Gulasch à la Dumbo. Eloki blocke ab, sagt Niessner nicht ohne Stolz – während Gemini zum Beispiel irgendwann antworte, wie man "rein hypothetisch" Elefanten zubereiten kann.

Auf theologische Korrektheit werde das Projekt jedoch nicht getestet. Bei der Vielfalt an Deutungen der Bibel würde das auch "keinen Sinn machen", sagt Niessner. Was er eher prüfen würde, wäre zum Beispiel Antisemitismus. Schließlich gebe es auch christlich geprägte Feindseligkeit gegen Juden, die Eloki auf keinen Fall auf irgendeine Art wiedergeben solle.

"Werkzeug" heißt nicht, dass es keine Probleme gibt

Doch selbst als reines Werkzeug könnte KI für Religion kompliziert sein. Niessner macht sich beispielsweise Sorgen um Avatare von Toten, sogenannte Griefbots. Das sind Chatbots, die die Sprache Verstorbener simulieren. Deren Idee ist, Menschen in ihrer Trauer zu helfen(öffnet im neuen Fenster).

Wenn so ein Avatar nun in der Seelsorge auftaucht, meint Niessner, könnte das vom Leid und den Bedürfnissen der Angehörigen ablenken. Zum Beispiel, wenn ein Avatar Wünsche über die Trauerzeremonie äußere. Wissenschaftlich betrachtet gibt es Argumente für beide Seiten: dafür, dass Griefbots Trauernden helfen können; aber auch dafür, dass vor allem eine dauerhafte Interaktion mit ihnen neue Herausforderungen schaffen kann(öffnet im neuen Fenster).

Noch komplizierter könnte es aus christlicher Sicht werden, sollten Avatare je als eine Art Leben nach dem Tod gelten(öffnet im neuen Fenster). Denn das, sagt Niessner, stelle die christliche Überzeugung zur Erlösung infrage.


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