KI überall: Windows 11 macht sich gerade noch unbeliebter als Windows 8
Wenn wir uns die aktuelle Diskussion um Windows 11 anschauen, fühlen wir uns ein wenig an die Zeit von Windows 8 erinnert. Microsoft wollte Usern damals eine neue Art von Bedienung schmackhaft machen und veränderte dafür das Grundkonzept aus Startmenü, Taskleiste und anderen bekannten Elementen radikal. Als Folge blieben die Nutzer lieber bei ihrem Windows 7 – und Windows 8 floppte spektakulär.
Nun kommt Microsoft mit Windows 11, das als Nachfolger des sehr beliebten Windows 10 positioniert wird, mit einer anderen Idee: Was wäre, wenn das Betriebssystem an jeder Stelle KI integriert? Die kann Aufgaben übernehmen, Dateien finden, Websuchen erledigen oder selbstständig Fehler finden – ohne dass wir dafür viel machen müssen.
Die Vision: KI soll an möglichst allen Stellen im OS platziert werden. Selbst Windows-Chef Pavan Davuluri bezeichnete Windows 11 als "agentisches OS" , also ein von KI-Agenten bestimmtes Betriebssystem. Was in der Theorie erst einmal wie eine große Hilfe klingt, artet aktuell zu einem der größten Kritikpunkte an dem neuen Windows 11 aus. Wir finden auch: Microsoft sollte erst einmal grundlegende Dinge in Windows 11 angehen, bevor weitere potenzielle Baustellen wie KI-Agenten aufgemacht werden.
Ein Beispiel: Selbst vier Jahre nach Release fehlen in Windows 11 Features, die sich große Teile der Community zurückwünschen, etwa eine verschiebbare, besser anpassbare Taskbar oder eine im Vergleich zur aktuellen, teils trägen Bedienung bessere GUI-Performance. Wir fragen uns auch, warum Windows noch immer zwei Systemeinstellungsmenüs mit unterschiedlichem Design und drei verschiedene Kommandozeilenprogramme integriert. Das Rechtsklickmenü wirkt mit seinen zwei unterschiedlichen Designs ebenfalls unfertig.
Microsoft geht mit dem Thema KI nicht vorsichtig genug um
Es wundert deshalb nicht, dass sich in den letzten Tagen Kritik in sozialen Medien wie X(öffnet im neuen Fenster) und Reddit(öffnet im neuen Fenster) häuft. Viele können mit den ganzen KI-Systemen in Windows 11 nichts anfangen – aus gutem Grund. Zwar hat Microsoft bereits viele große Pläne angekündigt. Davon ist in der Praxis aber noch nicht viel zu sehen.
Die größte KI-Neuerung ist wohl die Copilot-App , die bei neueren Windows-11-Geräten vorinstalliert ist und sogar mit einer dedizierten Copilot-Taste geöffnet werden kann. User können Copilot für Textprompts nutzen, was sich aktuell nicht groß von ChatGPT und Co. unterscheidet – kein Grund, um auf Windows 11 zu wechseln.
Im Gegenteil: KI-Features wie Recall (Test) haben bereits gezeigt, wie fahrlässig Microsoft teilweise mit Nutzerdaten umgeht. Nicht nur nimmt Recall Screenshots des gesamten Desktops auf. Anfangs wurden diese Screenshots auch noch unverschlüsselt auf dem System abgespeichert .
Erst später räumte Microsoft Fehler ein und nahm Verbesserungen an Recall vor. Das alles war bereits vor mehreren Monaten ein Skandal. Das finale Produkt ist ein stellenweise zwar nützliches Back-up-Tool, das aber bisher nicht viel kann und deshalb für die meisten Menschen auf die Liste zu ignorierender Windows-11-Features kommt.
Viele offene Fragen zur Datennutzung
Bereits mit Recall hat Microsoft viel Vertrauen bei Kunden eingebüßt. Wieso sollten wir unsere teils sehr persönlichen Daten einer KI übermitteln, bei der wir nicht wissen, wie und wo Daten verarbeitet und gespeichert werden?
Genau diesen Fehler wiederholt Microsoft mit großen Ankündigungen rund um das agentengesteuerte Windows 11 . Was passiert mit unseren Daten? Wer sieht sie? Wie tief können KI-Systeme in Prozesse eingreifen und vor allem: Wo lässt sich das alles einfach abschalten?
Nach Antworten müssen wir aktuell lange suchen. Und dabei ist bei vielen der Frust durch das offizielle Supportende von Windows 10 ohnehin noch groß.
Wir wünschen uns mehr Transparenz, Microsoft!
Vor allem in der Power-User-Community sind Diskussionen rund um Windows 11 aktuell sehr emotional. Viele halten Windows 11 für eine schlechte Wahl und wollen deshalb auf andere Plattformen wie MacOS oder Linux wechseln.
Diesen Aussagen folgen offenbar auch Taten. Laut dem Portal Statcounter(öffnet im neuen Fenster) ist der Marktanteil von Windows von September auf Oktober 2025 weltweit um 4,5 Prozent gesunken. Derweil konnte vor allem MacOS zulegen, auf 14 Prozent.
Dabei spielt sicher das Ende des Standardsupports für Windows 10 eine große Rolle. Viele User mussten sich durch in Windows 11 forcierte gestiegene Anforderungen neue Hardware kaufen. Warum also nicht auf ein Macbook Air wechseln?
Selbst Windows-Chef Davuluri gesteht mittlerweile ein, dass bei der Entwicklung von Windows 11 Fehler gemacht wurden. Vor allem die Usererfahrung sei einer der aktuell wichtigsten Kritikpunkte. "Entwickler liegen uns sehr am Herzen" , betonte der Windows-Chef . Windows solle wieder zu einem nutzerzentrierten OS werden, das auch für Softwareentwickler interessant sei.

Aktuell wirkt es aber so, als müssten User als Versuchskaninchen herhalten, um weitere KI-Tools in Windows auszuprobieren. Microsoft warnt sogar vor den eigenen unfertigen Tools, die sich aktuell größtenteils in Beta-Builds befinden und schädlich für die Computersicherheit(öffnet im neuen Fenster) sein können. Eine Malware zeigte ebenfalls(öffnet im neuen Fenster) , dass KI-Agenten im aktuellen Zustand leichte Ziele für Cyberangriffe von außen sind.
Opt-in statt Opt-out
Für Microsoft ist es unserer Meinung nach deshalb wichtig, noch besser zu kommunizieren, welche KI-Features Kunden wann erwarten dürfen. Vor allem sollte es aber sehr leicht sein, all diese Neuerungen komplett abzuschalten – damit würde eine zahlenmäßig kleine, aber online sehr laute Gruppe an Windows-Power-Usern zufriedengestellt. Besser wäre sogar noch, wenn Windows 11 standardmäßig KI-Features deaktivieren würde und wir sie erst manuell aktivieren müssten.
Denn an sich können KI-Tools zukünftig die Art und Weise, wie wir mit unserem PC interagieren, verbessern und vor allem auch Laien zugänglicher machen. So können wir Wissen schneller finden, unsere Daten besser strukturieren oder ganze Arbeitsabläufe von unserem Betriebssystem automatisieren lassen – ganz ohne Scripting- oder Programmiererfahrung.
Wenn der Computer dem Windows-Neuling selbstständig erklärt, wo bestimmte Einstellungen zu finden sind, und diese Person uns dann nicht anrufen muss, erspart uns das als Familien-Admin potenziell eine Menge Zeit. Wir wären im Gegenzug dann weniger dazu verleitet, Windows 11 mal wieder doof zu finden.
IMHO ist der Kommentar von Golem. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)
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