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KI statt Panzer: Bundeswehr setzt auf Start-ups für die Ostflanke

Wende in der deutschen Rüstung: Airbus und das Start-up Helsing sollen die Nato-Ostgrenze mit künstlicher Intelligenz überwachen.
/ Andreas Donath
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Drohnen von Helsing (Bild: Helsing)
Drohnen von Helsing Bild: Helsing

Die Bundeswehr steht vor einer technologischen Zeitenwende. Nach Informationen aus Regierungskreisen haben sich Airbus und das KI-Start-up Helsing im Wettbewerb um das Aufklärungssystem Uranos KI gegen etablierte Größen wie Rheinmetall und Hensoldt durchgesetzt, wie das Handelsblatt berichtet(öffnet im neuen Fenster) .

Das Projekt zur Überwachung der Nato-Ostflanke markiert einen Paradigmenwechsel: Erstmals setzen die deutschen Streitkräfte bei einem strategisch wichtigen Vorhaben massiv auf junge Technologieunternehmen statt auf traditionelle Rüstungskonzerne.

Das Verteidigungsministerium plant zunächst eine Testphase beider Systeme, bevor die endgültige Entscheidung fällt. Mit einem geschätzten Volumen von 170 Millionen Euro startet das Projekt, die Summe könnte nach erfolgreichen Tests aber auf eine halbe Milliarde Euro anwachsen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages soll noch vor Jahresende über die Freigabe der Mittel entscheiden.

Strategische Partnerschaften für maximale Schlagkraft

Beide Bewerber setzen auf strategische Kooperationen: Airbus hat sich mit Quantum Systems aus München zusammengetan, einem Spezialisten für Drohnentechnologie. Helsing kooperiert mit Arx Robotics, einem Unternehmen für KI-gestützte Robotik. Das Ziel: Aufklärungssysteme, die weitläufige Gebiete mit minimalem Personalaufwand überwachen können – ein entscheidender Vorteil in Zeiten des Fachkräftemangels bei der Bundeswehr.

5.000 Soldaten in Litauen

Im Zentrum der Planung steht die Panzerbrigade 45, die derzeit in Litauen stationiert wird. Die rund 5.000 Soldatinnen und Soldaten dieser Einheit sollen als erste mit dem innovativen System ausgestattet werden. Uranos KI soll als digitales Nervensystem fungieren: Daten von Drohnen, Satelliten, Kameras und Radaren werden in Echtzeit zusammengeführt, ausgewertet und aufbereitet.

Die künstliche Intelligenz soll dabei relevante Informationen aus der Datenflut filtern und schnellere Reaktionen auf potenzielle Bedrohungen erlauben. Das System soll wie ein digitaler Gefechtsstand arbeiten, das heißt, als eine Kommandozentrale, die alle eingehenden Informationen bündelt und Lagebilder liefert.

Helsing auf der Überholspur

Für Helsing, dessen Unternehmenswert auf über 13 Milliarden US-Dollar taxiert wird, wäre dies bereits der zweite Auftrag der Bundeswehr binnen kurzer Zeit. Erst kürzlich unterzeichnete das Verteidigungsministerium Vorverträge zur Erprobung von Kamikazedrohnen mit Helsing, dem Berliner Start-up Stark und Rheinmetall.

Skepsis in der Branche

In der etablierten Rüstungsindustrie stößt die Bevorzugung von Start-ups auf gemischte Reaktionen. Manager traditioneller Konzerne äußern Zweifel an der Fähigkeit junger Unternehmen, komplexe Verteidigungssysteme zu entwickeln und langfristig zu warten. Eine geplante Partnerschaft zwischen Helsing und Rheinmetall scheiterte im vergangenen Jahr.

Hensoldt könnte trotz der Niederlage im Hauptwettbewerb dennoch profitieren. Seit September laufen Brancheninformationen zufolge Gespräche mit Helsing über die Lieferung von Sensorik und Radarsystemen. Als Zulieferer würde das Unternehmen zumindest indirekt am Projekt partizipieren.


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