KI, Social Media, Telemedizin: Wie sieht der Bevölkerungsschutz von morgen aus?

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Starkregen wie bei der Ahrtal-Flut, verheerende Waldbrände, die Covid-19-Pandemie: Immer wieder gibt es neue Herausforderungen für den Bevölkerungsschutz. Der Klimawandel, die Urbanisierung und geopolitische Unsicherheiten vergrößern die Zahl und Komplexität der Gefahrenlagen(öffnet im neuen Fenster) . Digitale Technik kann hier helfen – und zwar in allen Phasen des Krisenmanagements: von der Prävention über die Einsatzführung bis zur Nachbereitung.
So sind soziale Medien bereits heute integraler Bestandteil des Alltags und haben weitreichende Auswirkungen auf Kommunikation, Koordination und Informationsverarbeitung in Krisenlagen(öffnet im neuen Fenster) , wie das Deutsche Komitee Katastrophenvorsorge (DKKV) schreibt. Gleichzeitig wandeln sich die Nutzer von reinen Konsumenten zu Prosumenten: Sie produzieren und konsumieren Informationen zugleich. So bieten diese Plattformen nach Ansicht des DKKV besondere Chancen, etwa für die schnelle Verbreitung von Warnhinweisen und durch ihre große Reichweite. Dank der niedrigen Zugangshürden können Behörden spontanes Engagement aus der Bevölkerung mobilisieren und so die Resilienz stärken.
Allerdings warnt das DKKV vor Risiken wie Desinformation und Informationsüberflutung. Meldungen über vermeintliche Tatorte (sogenannte Phantom-Tatorte) wie bei den Anschlägen 2016 in München oder 2024 in Magdeburg führten dazu, dass Menschen aufgrund falscher Nachrichten in Panik flüchteten und sich verletzten(öffnet im neuen Fenster) . Um so etwas zu verhindern, brauchen Behörden spezialisierte Teams zur Verifikation und Einordnung von Meldungen, wie das Virtual Operations Support Team (Vost) des THW(öffnet im neuen Fenster) .
Digitale Freiwillige und Vost
Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW) gründete das Vost 2016 – genauer gesagt Volker Tondorf, der seine Motivation so beschreibt(öffnet im neuen Fenster) : "Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für den Bevölkerungsschutz – diesen Wandel wollte ich mitgestalten."
Vost-Mitglieder arbeiten im Krisenfall remote, sichten Social-Media-Beiträge und erstellen digitale Lagekarten. Nur wenige Verbindungsleute werden in Krisenstäbe entsandt. Dazu bräuchten die Digitalteams kritische Medienkompetenz, sagt Tondorf: analytisches Denken, Teamarbeit über Distanz, Belastbarkeit und die Bereitschaft, sich ständig weiterzuentwickeln.
Die Gefahr KI-generierter Desinformation sei hoch, das Vost verstehe sich daher als "digitaler Sensor" , um vertrauenswürdige Informationen zu identifizieren(öffnet im neuen Fenster) .
Warnsysteme und Cell Broadcast
Eine weitere, relativ neue Technik ist das nach der Ahrtal-Flutkatastrophe im Februar 2023 eingeführte Cell-Broadcast-System, das schnelle und gezielte Warnungen über Mobilfunkzellen ermöglicht. Diese Nachrichten sind App-unabhängig und datensparsam und sie lassen sich selbst dann empfangen, wenn die Mobilfunkzelle überlastet ist(öffnet im neuen Fenster) . Nur autorisierte Behörden senden hier Nachrichten, die Technologie ist zudem laut dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) anonym und datenschutzkonform(öffnet im neuen Fenster) .
Der Ausbau ergänzt bestehende Warnkanäle wie Sirenen, Radio und Warn-Apps. Eine bundesweite Testphase 2023 habe die Funktionsfähigkeit und Akzeptanz des neuen Systems gezeigt, so das BBK.



