KI: Rechenzentrumsausbau scheitert an Energieknappheit

Die großen Erweiterungen von Rechenzentren in Frankfurt scheitern derzeit an der Energieversorgung. Das hat Golem.de aus informierten Branchenkreisen erfahren. Der Verband der Internetwirtschaft Eco forderte in dieser Woche, "der Zugang zu Stromnetzanschlusskapazität" müsse gewährleistet sein.
Der Eco erklärte zur 100-Tage-Bilanz(öffnet im neuen Fenster) der Bundesregierung: "Eine nationale Strategie für Rechenzentren wurde zwar angekündigt, doch wann diese erscheinen soll und welche konkreten Entlastungen sie für die Branche beinhaltet, bleibt bislang noch unklar."
USA sind besonders betroffen
Das Problem ist nicht auf Deutschland beschränkt: In den USA kollidiert die steigende KI-Nachfrage mit einem fragilen Stromnetz. Goldman Sachs warnte, dies könne das Wachstum der Branche stark bremsen, berichtet das Magazin Fortune(öffnet im neuen Fenster) . "Der unersättliche Strombedarf der KI übertrifft die jahrzehntelangen Entwicklungszyklen des Netzes und schafft einen kritischen Engpass" , erklärte der Finanzdienstleister.
Laut einer Branchenumfrage von Deloitte ist die Belastung des Stromnetzes der limitierende Faktor für den Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur in den USA. Die Stromnetze der Städte sind so schwach, dass einige Unternehmen eigene Kraftwerke bauen, anstatt sich auf bestehende Netze zu verlassen.
Die Öffentlichkeit ist zunehmend frustriert über steigende Energiekosten. In Ohio ist die Stromrechnung eines typischen Haushalts in diesem Sommer aufgrund der Rechenzentren um mindestens 15 US-Dollar gestiegen.
Kapazität: China hat mehr Energiereserven
Rui Ma, Expertin für chinesische Technologie und Gründerin des Medienunternehmens Tech Buzz China, sagte Fortune, in China stehe eine ausreichende Stromversorgung für Rechenzentren nicht mehr zur Debatte. "Das steht im krassen Gegensatz zu den USA, wo das KI-Wachstum zunehmend mit Diskussionen über den Stromverbrauch von Rechenzentren und Netzbeschränkungen verknüpft ist." Chinas Vorsprung im Stromsektor sei das Ergebnis von jahrzehntelangem, gezieltem Überausbau und Investitionen in allen Bereichen des Energiesektors, von der Stromerzeugung bis zur Übertragung.
Chinas zentralistischer Staatskapitalismus ist hier dem westlichen Modell, das stark auf schnelle Gewinnmaximierung und Partikularinteressen der Konzerne ausgerichtet ist, offenbar überlegen.
Doch die staatliche Meinungsmache, nach der China ein Paradies für erneuerbare Energien sei, scheitert an der Wirklichkeit(öffnet im neuen Fenster) : Im Jahr 2024 basierte Chinas Stromversorgung hauptsächlich auf Kohle und erneuerbaren Energien, wobei Kohle mit etwa 57,77 Prozent den größten Anteil ausmachte. Erneuerbare Energien, einschließlich Wasserkraft, trugen etwa 20,27 Prozent bei. Kernenergie spielte mit etwa 4,47 Prozent eine eher geringe Rolle.