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KI-Rechenzentren: Frankreich bietet Atomstrom an, den es nicht hat

Frankreich wirbt mit seiner Kernkraft um milliardenschwere KI-Rechenzentren. Hitze und schwankender Strombedarf könnten der Idee entgegenstehen.
/ Mario Petzold
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Hitze bremst Frankreichs Atomstrom und gefährdet Pläne für KI-Rechenzentren. (Bild: Sameer Al-DOUMY / AFP via Getty Images)
Hitze bremst Frankreichs Atomstrom und gefährdet Pläne für KI-Rechenzentren. Bild: Sameer Al-DOUMY / AFP via Getty Images

Anfang August waren laut Le Monde(öffnet im neuen Fenster) drei französische Reaktoren wegen niedriger Flusspegel abgeschaltet und drei weitere wegen zu hoher Wassertemperaturen gedrosselt. Dies sind nur die Abschaltungen, die aufgrund der Hitzewelle notwendig waren: Weitere Reaktoren könnten gleichzeitig wegen Wartungsarbeiten oder Brennstoffwechseln außer Betrieb sein.

Hitzebedingte Einschränkungen treffen damit auf einen Bestand von Atomreaktoren, dessen installierte Leistung ohnehin nicht vollständig und dauerhaft verfügbar ist – und der im Durchschnitt 40 Jahre alt ist. In Ungarn etwa entging das einzige AKW Paks während der Hitzewelle Anfang August nur knapp einer Abschaltung und lief anschließend mit 10 Prozent der Regelleistung, was die Gefahr hitzebedingter Drosselungen eines einseitig ausgerichteten Energiesystems zeigt.

Im Durchschnitt sind die durch Hitze und niedrige Wasserstände verursachten Energieverluste zumindest in Frankreich bislang gering. Seit dem Jahr 2000 beziffert der staatliche französische Energieversorger EDF(öffnet im neuen Fenster) sie auf rund 0,3 Prozent der jährlichen Atomstromproduktion. Kurzfristig können die Leistungseinbußen dennoch deutlich größer sein. Gerade während Hitzeperioden, in denen gleichzeitig der Strombedarf für Kühlung steigt, können die französischen AKWs teils ein Viertel ihrer durchschnittlichen Leistung nicht abrufen.

Milliarden für dauerhaften Strombedarf

Trotzdem verweist Präsident Emmanuel Macron beim Werben um neue KI-Rechenzentren auf Frankreichs hohe Stromexporte. Das Land habe zuletzt mehr als 90 TWh Strom pro Jahr exportiert und könne einen Teil dieser Energie künftig für Rechenzentren nutzen. (Elysee.fr(öffnet im neuen Fenster))

Die Zahl führt allerdings in die Irre: Ein hoher jährlicher Exportüberschuss bedeutet nicht, dass die dahinterstehende Überschussleistung von 10 Gigawatt oder sieben bis acht Atomreaktoren jederzeit zur Verfügung steht. Frankreich exportiert Strom vor allem dann, wenn die heimische Erzeugung den Verbrauch übersteigt und die Marktbedingungen dies begünstigen. Diese Überschüsse schwanken sowohl im Tages- als auch im Jahresverlauf.

Rechenzentren sind dagegen auf einen weitgehend kontinuierlichen Leistungsbedarf angewiesen, den Frankreich in dieser Form nicht bereitstellen kann. Für die geplanten KI-Standorte ist deshalb nicht allein entscheidend, wie viele Terawattstunden das Land über ein Jahr gerechnet übrig hat, sondern ob mehrere zusätzliche Gigawatt auch in Stunden mit hoher Nachfrage, bei Wartungsstillständen oder hitzebedingten Drosselungen zuverlässig bereitgestellt werden können.

Mit Blick auf die letzten Wochen muss das klar verneint werden.


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