Der 80-Prozent-Traffic-Rückgang
Am Anfang schien es so, als funktionierte gar nichts mehr. Alle Analysedaten meldeten einen massiven Rückgang des Traffics – um 80 Prozent. Es waren schreckliche Wochen, in denen wir uns fragten, ob das nur an schlampiger Programmierung lag, an fehlenden Inhalten während der Migration, an einer Abstrafung durch Google, falsch eingestellten SEO-Schemata oder nicht funktionierenden Weiterleitungen. Wir haben Tag und Nacht darüber nachgedacht. Dazu kam, dass eine immer gewisse Zeit dauert, bis sich Änderungen auf den Traffic auswirken. Also mussten wir abwarten, ob unsere Annahmen richtig waren.
Bis dann die Erkenntnis reifte, dass wir mit unserer bisherigen Konfiguration mehr Besucher erfasst hatten als beabsichtigt. Der Grund war, dass wir keine Daten von Nutzern speicherten, wenn sie unseren Nutzungsbedingungen nicht zugestimmt hatten. Sie blieben für uns anonym. Da es für Google Analytics jedoch keine entsprechende Funktion gab, wurden sie von Google trotzdem erfasst.
Bei der Neugestaltung der Webseite hielten wir uns jedoch an die Best Practices. Die Zustimmung zu Cookies hat direkten Einfluss darauf, ob die Webseite Nutzerinformationen an Google, andere Analysetools von Drittanbietern und an uns selbst weitergibt. Da viele Nutzer keine Cookies akzeptieren, senden wir ihre Informationen also nicht an Google. Wir richteten jedoch ein internes, cookieloses Analyse-Tool ein (selbst gehostet in der EU und ohne IP-Erfassung), um den tatsächlichen Traffic auf unserer Seite zu sehen.
Wir haben also keine 80 Prozent des Traffics verloren. Eigentlich haben wir überhaupt nicht viel Traffic verloren. Zwar gab es nach der Migration einen Rückgang, der nun aber offenbar wieder zurückgeht. Wir haben quasi nebenbei Best Practices programmiert, diese dann vergessen, uns selbst in Angst versetzt und einige Wochen damit verbracht, zu denken, dass unser Plan eine schlechte Idee ist und wir aufgeben sollten. In Wirklichkeit ist aber alles in Ordnung.
SaaS und Kommodifizierung
Was sind nun die nächsten Ziele? Alle weiteren Tools, die dem Unternehmen Schulden, Kosten und systemische Belastungen eingebracht haben – darunter Offensichtliches wie CRM oder Marketing-Automatisierung.
Wenn alles nur eine Tabelle ist und innerhalb weniger Stunden maßgeschneidert erstellt werden kann, warum sollte man dann Zehntausende Euro dafür bezahlen? Einrichten, Datenverwaltung, Bereinigung und Integration in unser Ökosystem – all das machen wir ohnehin selbst. Der Wert scheint von Stunde zu Stunde zu sinken.
Bedeutet das, dass jedes Softwareunternehmen sein Wertversprechen kritisch hinterfragen und sich fragen muss: "Laufen wir Gefahr, durch Tools wie Claude zur Massenware zu werden?" Die Antwort lautet wahrscheinlich: ja.
Wir selbst sind ein Softwareunternehmen. Wir sind Entwickler und wissen, dass wir von genau derselben Frage betroffen sind. Eine einfache Aufforderung wie "Bitte erstelle einen eigenen Feature Store und eine eigene MLOps-Plattform" reicht, und das Unternehmen hat wenige Stunden später ein maßgeschneidertes Tool.
Wo also ist also unser Wert? Er liegt bei der Laufzeitumgebung / Engine / dem Kern. Was zur Massenware wird, sind Setup-, Verbindungs-, Konfigurations- und Orchestrierungsebenen – Dinge, die man per Befehl ins Leben rufen kann.
Was nicht dazu gehört: die API, die Ausführungs-Engine, die jahrelangen Produktions-Edge-Cases, die in eine Plattform eingebaut sind. Man kann sich per Befehl einen Feature Store anschließen, ihn konfigurieren und Pipelines darauf bereitstellen. Aber die Plattform, die all das zuverlässig und in großem Maßstab ausführt, ist kein Wochenendprojekt.
Das ist also unser Ziel. Wir wollen diese Erkenntnis auf unsere Softwareplattform anwenden und sie so gestalten, dass Nutzer sie in einer selbst gewählten Geschwindigkeit bedienen und darauf aufbauen können. Das muss das neue Motto für Start-ups sein. Business as usual ist nur einen Befehl davon entfernt, ersetzt zu werden.
P.S. Während ich diesen Artikel schrieb, erhielt ein Kollege folgende Nachricht:
Die Tabelle oben ist jetzt echtes Markdown, kein Bild mehr. Eine ist geschafft, ein paar Weitere folgen.
Übersetzt von Jennifer Fraczek mit Unterstützung von DeepL
- Anzeige Hier geht es zu Künstliche Intelligenz: Wissensverarbeitung bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.