Zuverlässigkeit lässt noch etwas zu wünschen übrig
Auch der Lightmatter-Prozessor ist ein hybrides Produkt: Der Kern des Prozessors besteht aus sechs Silizium-Einheiten, die mit analogen Lasersignalen arbeiten. Verschiedene konventionelle Steuereinheiten, die dem photonischen Prozessor vorgeschaltet sind, zeichnen dagegen für die Umwandlung der optischen in digitale Signale und umgekehrt verantwortlich.
Auch der Photonik-Prozessor von Lightmatter kann in bestehenden Chipfabriken hergestellt werden, so dass kein kostspieliger Aufbau neuer Fertigungsstraßen nötig ist. Das Start-up sieht dabei Anwendungsbereiche für seine Technologie in zahlreichen Feldern: Die Palette reicht vom autonomen Fahren über digitale Chatbots und Applikationen aus dem Gesundheitswesen bis hin zur Robotik.
Allerdings lässt die Zuverlässigkeit bei der Ausführung von KI-gesteuerten Aufgaben derzeit noch etwas zu wünschen übrig: So erreicht der Envise-Prozessor bei verschiedenen Aufgabenstellungen mit unterschiedlichen generativen KI-Modellen nur zwischen etwa 30 und 90 Prozent der Genauigkeit konventioneller Systeme, so dass die Praxistauglichkeit derzeit noch eingeschränkt ist.
Doch auch in Asien sind Erfolge bei der Entwicklung photonischer Prozessoren zu verzeichnen: In Singapur stellte das im Jahr 2017 gegründete Start-up Lightelligence bereits Ende 2021 den Prototyp eines photonischen Prozessors namens PACE (Akronym für Photonic Arithmetic Computing Engine) vor(öffnet im neuen Fenster) .
Diesem folgte im August 2023 ein verbessertes Produkt mit dem Codenamen Hummingbird, das auf der PACE-Architektur basiert(öffnet im neuen Fenster) . Hummingbird ist ein sogenannter ONOC-Prozessor (Akronym für Optical Network-On-Chip) und wird als integrierte Umgebung auf einer PCIe-Karte angeboten, die in konventionelle Server eingebaut werden kann und mithilfe eines mitgelieferten Software Development Kits (SDK) Aufgaben der künstlichen Intelligenz beschleunigen soll. Dabei wird das als freie Software verfügbare Framework Tensorflow verwendet.
Das Design des Prozessors beinhaltet ebenfalls optische und elektronische Komponenten, wobei diese jedoch dreidimensional übereinander angeordnet sind und mithilfe eines Interposers miteinander verbunden werden. Der Hummingbird-Chip vereint dabei 64 Kernprozessoren auf dem ONOC. Die Lightelligence-Lösung fällt ebenfalls durch sehr geringe Latenzzeiten und einen signifikant verringerten Energiebedarf positiv auf.


Auch der Hummingbird-Prozessor wird weiterentwickelt und bedarf noch einiger Verbesserungen, um universell einsetzbar zu sein. Als primäre Einsatzgebiete nennt der Hersteller Internet- und Telekommunikationsdienste, Finanzanwendungen und biomedizinische Applikationen.



