KI-Kommission des Bundestags: "Lesen Sie den Bericht!"

Mehr als zwei Jahre lang hat die Enquete-Kommission des Bundestags über Künstliche Intelligenz diskutiert. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen.

Ein Bericht von Christiane Schulzki-Haddouti veröffentlicht am
KI soll nicht zu allumfassender Überwachung wie in China führen.
KI soll nicht zu allumfassender Überwachung wie in China führen. (Bild: Mehdi Chebil/Reuters)

"KI muss dem Menschen dienen, muss ein Werkzeug sein, ein Hilfsmittel", sagt Marc Biadacz, Arbeitsmarktexperte der Union. Als letzter Redner der heutigen Aussprache des Bundestags zum Abschlussbericht der 2018 eingesetzten Bundestagsenquete-Kommission zur Künstlichen Intelligenz (KI) brachte der CDU-Politiker den gemeinsamen Nenner aller Parteien in der KI-Debatte auf den Punkt: "Der Mensch steht im Mittelpunkt." Die Bundesregierung hatte bereits in ihrer KI-Strategie das Einsatzziel des Gemeinwohls betont.

Inhalt:
  1. KI-Kommission des Bundestags: "Lesen Sie den Bericht!"
  2. Datenhoheit als Voraussetzung von KI-Anwendungen
  3. KI-Forschung lenken

Ebenfalls einig waren sich alle, dass nach zwei Jahren Beratung in der Enquete-Kommission mit dem 800-seitigen Abschlussbericht (PDF) die Arbeit nun erst beginne. Die Vorsitzende der KI-Enquete, Daniela Kolbe (SPD), appellierte an alle Abgeordnete: "Lesen Sie den Bericht und lassen Sie uns ihn gemeinsam umsetzen!" Zu den Schwerpunktthemen im Bericht wie auch in der Debatte gehören die Frage der Daten-Souveränität, der Risikofolgenabschätzung hinsichtlich Diskriminierung durch Daten-Bias und Informationsmanipulation sowie die ökologische Nachhaltigkeit von KI-Systemen und -Anwendungen.

Konkurrenzfähig in Europa bleiben

Weitgehend einig zeigten sich die Abgeordneten in der Auffassung, dass KI-Entwicklungen in Deutschland beziehungsweise Europa forciert werden müssten, um den auf mehr oder weniger ungebremster Datensammelei basierenden KI-Entwicklungen in den USA sowie in China ein europäisches Pendant gegenüberstellen zu können. Insbesondere die AfD legte darauf Wert. Ihr Abgeordneter Peter Felser sagte: "Von den Chancen wird nicht viel übrigbleiben, wenn es uns in Europa nicht gelingt, den Status einer digitalen Kolonie abzustreifen." Man müsse eigene konkurrenzfähige Software und Hardware entwickeln.

Bis auf die Linke stimmten alle Bundestagsfraktionen dem Abschlussbericht zu. Die Linke enthielt sich, obgleich zahlreiche Vorschläge von ihr in den Bericht Eingang gefunden hatten. Petra Sitte von der Linken zeigte sich enttäuscht darüber, dass die Enquete kein sofortiges Verbot, sondern lediglich eine Ächtung autonomer Waffensysteme empfehle. Sie sah besonders großes Konfliktpotenzial in den Arbeitsgruppen der Enquete auch bei der Frage, ob eine "ungebremste Wachstumsideologie" die Ungleichheiten von Macht weiter vertiefe. Auch die Zuordnung verschiedener KI-Anwendungen zu Risikoklassen hätte aus ihrer Sicht intensiver bearbeitet werden können.

Keine Mehrheit für Algorithmen-TÜV

Stellenmarkt
  1. IT-Administrator/IT-Systemen- gineer (m/w/d)
    Step Computer- und Datentechnik GmbH, Lörrach
  2. UI Softwareentwickler C++/QML (m/w/d)
    Bertrandt Ingenieurbüro GmbH, München
Detailsuche

Für einen Algorithmen-TÜV, wie ihn die SPD 2017 gefordert hatte, fand sich in der Enquete keine Mehrheit. Die CDU-Abgeordnete Nadine Schön betonte, dass man konkrete Anwendungen in den Kontext setzen müsse und keine abstrakten Risikoklassen definieren solle. Elvan Korkmaz-Emre betonte, dass der Gesetzgeber die Vorgaben mache und nicht die Technik. Entsprechend müsse es risikospezifische Regelungen geben, wobei es einen Unterschied mache, "ob wir über Instagram-Filter oder autonome Waffensysteme reden." Der Einsatz müsse gleichwohl transparent erfolgen.

Die KI-Kommission weist in ihrem Abschlussbericht darauf hin, dass KI-Systeme gezielt genutzt werden können, um gesellschaftlichen Fortschritt wie etwa weniger Diskriminierung, mehr Chancengerechtigkeit und bessere Arbeitsbedingungen zu unterstützen. Hierfür müssten solche Ansätze aber auch gezielt gefördert, ausgebaut und umgesetzt werden. Die Enquete empfiehlt, bereits bestehende Forschungserkenntnisse zur Diskriminierungserkennung und -vermeidung in den Software-Entwicklungsalltag verstärkt einzubringen. Immer wieder fallen KI-Anwendungen durch diskriminierende Ergebnisse auf, die auch unter dem Stichwort Daten-Bias diskutiert werden.

Die Enquete fordert, dass Betroffene in die Lage versetzt werden sollen, sich gegen die Diskriminierung durch KI-Anwendungen zu wehren. Voraussetzung dafür wäre ein Anspruch auf Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Erklärbarkeit von KI-Entscheidungen, um Gerichten eine Überprüfung der automatisierten Entscheidungen zu ermöglichen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Datenhoheit als Voraussetzung von KI-Anwendungen 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Raumfahrt
Astra startet mit großen Ambitionen Billigraketen in Alaska

Mit 250.000 US-Dollar sollen die Raketen von Astra zum Preis eines Sportwagens hergestellt werden können. Wie will die Firma das schaffen?
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

Raumfahrt: Astra startet mit großen Ambitionen Billigraketen in Alaska
Artikel
  1. Ubisoft: Avatar statt Assassin's Creed
    Ubisoft
    Avatar statt Assassin's Creed

    E3 2021 Als wichtigste Neuheit hat Ubisoft ein Spiel auf Basis von Avatar vorgestellt - und Assassin's Creed muss mit Valhalla in die Verlängerung.

  2. Fifa, Battlefield und Co.: Der EA-Hack startete mit Cookies für 10 US-Dollar
    Fifa, Battlefield und Co.
    Der EA-Hack startete mit Cookies für 10 US-Dollar

    Die Hacking-Gruppe erklärt dem Magazin Motherboard Schritt für Schritt, wie der Hack auf EA gelang. Die primäre Fehlerquelle: der Mensch.

  3. Onlinetickets: 17-Jähriger betrügt Bahn um 270.000 Euro
    Onlinetickets
    17-Jähriger betrügt Bahn um 270.000 Euro

    Mit illegal erworbenen Onlinetickets soll ein 17-Jähriger die Bahn um 270.000 Euro geprellt haben. Entdeckt wurde er nur durch Zufall.

Mixermachine 06. Nov 2020

...hast du den schon ernsthaft etwas mit neuronalen Netzen gebaut?

Hotohori 05. Nov 2020

Ja, im Vergleich zu anderen Ländern sitzen bei uns immer Sonntagsfahrer am Steuer und...


Folgen Sie uns
       


  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Schnäppchen • Alternate (u. a. MSI Optix 27" WQHD/165 Hz 315,99€ und Fractal Design Vector RS Blackout Dark TG 116,89€) • Fractal Design Define S2 Black 99,90€ • Intel i9-11900 379€ • EPOS Sennheiser GSP 600 149€ • Amazon: PC-Spiele reduziert (u. a. C&C: Remastered Collection 9,99€) [Werbung]
    •  /