KI in Spielen: Warum DLSS 5 nicht Nvidias "ChatGPT-Moment" wird
Nvidias eigene Hausveranstaltung GTC ist für das Unternehmen stets eine Plattform gewesen, um künftige Technologien und Ideen vorzustellen. Im Jahr 2026 will der Konzern seinen eigenen "ChatGPT-Moment" haben. So bezeichnet Nvidia-CEO Jensen Huang die neue Technik DLSS 5. Denn sie soll wohl, wie das im Jahr 2022 vorgestellte Tool von OpenAI, eine neue Welle der KI-gestützten Inhaltserstellung, in diesem Fall in der Spieleentwicklung, auslösen.
Der Clou: Mithilfe generativer KI sollen Lichteffekte in Spielen realistischer aussehen. So sollen auch ältere Games oder solche, die mit Lichteffekten und ungenauen Texturen arbeiten, einen High-End-Look erhalten. DLSS 5 wird dabei direkt in die Rendering-Pipeline eingegliedert.
Ein Vorteil dürfte (in Zukunft) vor allem die verbesserte Leistung in Echtzeit sein und dass die KI direkten Einfluss auf die Darstellung von Geometrie und Texturen nehmen kann. Es können also theoretisch nicht nur Lichteffekte ergänzt, sondern auch Details hinzugefügt werden. Die Technik wurde unter anderem in einem Briefing erklärt, an dem auch Golem teilnahm.
Verfälschen des visuellen Stils?
Die Präsentation auf der Bühne sorgte auf der einen Seite für Staunen: In ersten Videos zeigte Nvidia Spielszenen aus Titeln wie Resident Evil Requiem, The Elder Scrolls Oblivion Remastered oder Starfield. Bei eingeschaltetem DLSS werden Charaktere mit Details an Gesicht, Kleidung und Körper ausgestattet, die in den unbearbeiteten Szenen niemals zu sehen sind. Die Figuren wirken realistisch.
Nach Meinung vieler aus Presse und Community fast schon zu realistisch. Denn andererseits wirken die gezeigten Szenen fast so, als stammten sie aus einem KI-Bildgenerator und nicht von echten Menschen. "Wir sind von Raytracing zu Slopfacing gekommen", schreibt eine Person in den Kommentaren unter einem Youtube-Video von Digital Foundry(öffnet im neuen Fenster).
Das Magazin ist eines der ersten, das Videocontent zu DLSS 5 veröffentlichte. "Das vandalisiert die Kunstrichtung komplett und verhöhnt Quellenmaterial und die von den Entwicklern gewollte Atmosphäre", schreibt eine weitere Person auf Reddit(öffnet im neuen Fenster).
Ein Konsens für viele Teile der Community ist, dass DLSS 5 wohl zu tief in die visuelle Präsentation von Spielen eingreift. Charaktere würden stets wie KI-generierte Bilder und Szenen zu ähnlich aussehen. Dabei gehe die künstlerische Intention der Spieleentwickler verloren. In den gezeigten Demos sollte beachtet werden: Die Szenen wurden von den Machern der jeweiligen Games vorher abgenommen. Sie sollen wohl zeigen, was mit der Technik möglich ist.
Teilweise wird Nvidia aber sogar Sexismus vorgeworfen.
Sexismus durch DLSS 5
Interessante Sichtweisen stammen aus dem Girlgamer-Subreddit(öffnet im neuen Fenster). Einige gezeigte Figuren, vornehmlich Frauen, würden durch DLSS 5 künstlich aufgehübscht. "Das erinnert mich daran, wie Gooner-Incels KI genutzt haben, um Aloys Gesicht zu editieren, weil sie sie nicht attraktiv genug fanden. Ekelhaft", schreibt jemand in einem Thread und spielt dabei auf eine Diskussion aus dem Jahr 2021 an. Die Technik würde etwa Make-up, Lippenfüller und andere kosmetische Veränderungen durchführen.
Der Nvidia-CEO begegnet solchen Reaktionen mit direkten Worten. "Sie liegen komplett falsch", sagt Huang. DLSS 5 soll Entwicklern Tools an die Hand geben, um das KI-Modell nach ihren Wünschen anzupassen und mit ihren eigenen Daten zu trainieren. Sie sollen bestimmen können, wie stark Licht, Schatten und Geometrie davon beeinflusst werden. Eine Trainings-Pipeline könnte Studios zudem ermöglichen, das Modell mit dem eigenen Art-Stil zu trainieren.
Die Ergebnisse könnten in der Theorie also mehr sein als "KI-Bildfilter". Allerdings präsentierte Nvidia DLSS 5 so, als würde die Technik klassische Spiele mit ihren eigenen Ecken und Kanten wie jedes andere Spiel aussehen lassen. Bei der aktuell generell eher negativen Stimmung gegenüber KI-Modellen, Stichwort: KI-Slop, ist das eher schlechtes Timing.
Schlechter Zeitpunkt für DLSS 5
Im Gegensatz dazu ist OpenAI mit ChatGPT zu einem Zeitpunkt auf dem Markt erschienen, als KI-Systeme für die große Allgemeinheit in Zusammenhang mit wissenschaftlichen Arbeiten und nicht in Kombination mit Bildern, Texten und Sprachausgabe standen. Obendrein konnte ChatGPT von Anfang an kostenlos genutzt werden. Die darauffolgende Hype-Welle und Aufbruchsstimmung in ein Zeitalter der LLMs waren vorprogrammiert.
DLSS 5 ist hingegen auch zum Release 2026 wohl eher Menschen vorbehalten, die sich eine High-End-Grafikkarte von Nvidia leisten können und wollen. So lief etwa die auf der GTC gezeigte Demo auf zwei RTX-5090-Grafikkarten. Das würde aktuell einem Kaufpreis von mindestens 7.800 Euro entsprechen.
Die Richtung ist allerdings klar und wird sich wahrscheinlich nicht ändern. Optimiert Nvidia die KI-gestützte Rendering-Technik weiter, dürfte sie ein wichtiges Tool für Entwicklerstudios werden. In der Theorie können damit auch leistungsbedürftige Techniken wie Echtzeit-Raytracing ersetzt oder hochauflösende Texturen obsolet gemacht werden. Das wird auch für die kommende Konsolengeneration interessant, die für gewöhnlich mit weniger Hardware möglichst gute visuelle Ergebnisse erzeugen muss.
AMD, das Chips für Xbox und Playstation entwickelt, ist definitiv unter Zugzwang, während Nvidia kommende Grafikkarten mit DLSS 5 ausliefern und es gleichzeitig auf älteren Generationen sperren kann. Allerdings sollte es möglich sein, ein solches Tool zu nutzen, ohne die Optik des gesamten Spiels signifikant zu verändern. Ein ChatGPT-Moment ist DLSS 5 momentan nämlich nur im Konferenzraum für Nvidia-Manager.
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