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KI-Hardware: Intels CEO lebt in einer Traumwelt

Pat Gelsinger sieht sich als Retter, übt sich aber in Realitätsverlust und behauptet, Nvidia habe einfach nur Glück gehabt. Für den Konzern bedeutet das nichts Gutes.
/ Sebastian Grüner
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Intel-CEO Pat Gelsinger (Bild: ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images)
Intel-CEO Pat Gelsinger Bild: ODD ANDERSEN/AFP via Getty Images

"Hätte, hätte Fahrradkette" scheint bei Intel das vorherrschende Führungsprinzip zu sein. Denn statt sich realistisch mit der wirtschaftlichen Zukunft des Unternehmens und dem massiven Konkurrenzdruck durch Nvidia und andere Hersteller auseinanderzusetzen, weint Intel-CEO Pat Gelsinger einem von Anfang an zum Scheitern verurteilten Projekt hinterher, das er selbst zu verantworten hatte: Larrabee. Für die weitere Entwicklung von Intel heißt nichts Gutes.

Gezeigt hat sich das in einer Fragerunde mit Gelsinger am Massachusetts Institute of Technology (MIT)(öffnet im neuen Fenster). Auf die Frage von Daniela Rus, Professorin für Elektrotechnik und Computer Science sowie Leiterin des renommierten Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) des MIT, was Intel für die Entwicklung von KI-Hardware tue, weicht Gelsinger zunächst aus.

Verklärter Blick auf Intel und Nvidia

Statt die konkrete Frage zu beantworten, beweint Gelsinger nicht nur seinen Werdegang bei Intel bis zum Rausschmiss, sondern auch das gescheiterte GPU-Projekt Larrabee. Gelsinger sagt: "Als ich vor 13 Jahren bei Intel rausgeschmissen wurde, wurde das Projekt eingestellt, das KI grundlegend verändert hätte."

Ebenso realitätsfern wie der Blick auf seine frühere Zeit bei Intel ist Gelsingers Einschätzung des derzeitigen KI-Hardware-Dominators Nvidia unter der jahrzehntelangen Führung von Jensen Huang. Dieser hat sich laut Gelsinger zunächst nur auf das Rechnen mit einem hohen Datendurchsatz konzentriert, vor allem für Grafikkarten, "und dann hatte er außerordentliches Glück".

Larrabee war zum Scheitern verurteilt

An der vermeintlich kritischen Analyse von Gelsinger ist aber eigentlich alles falsch, was falsch sein kann. Zwar hat Intel unter Gelsinger als Intel-Vize im Jahr 2007 das Aufkommen von Nvidias Cuda und die damit verbundene Möglichkeit, Grafikkarten als GPGPU-Beschleuniger in Supercomputern zu nutzen, durchaus richtig als Gefahr analysiert.

Doch die seit 2006 vorbereitete Antwort darauf war keine wirkliche GPU mit massiver Parallelisierbarkeit, sondern ein rekonfigurierbares Many-Core-CPU-System, das nur teilweise an GPUs erinnerte.

Es folgten Gerüchte über eine dedizierte Larrabee-GPU, eine Geheimhaltungs- und Salamitaktik zu den Fähigkeiten von Larrabee durch Gelsinger selbst – und letztlich eine immer wieder verschobene Vorstellung von Larrabee, was auch Gelsinger zu verantworten hatte.

Die tatsächlichen Fähigkeiten von Larrabee waren aber schon zur Vorstellung so enttäuschend, dass Intel kurz darauf Grafikchips mit der Architektur strich und Intel das ganze Projekt parallel zum Abgang von Gelsinger letztlich komplett beerdigte.

Die Larrabee-Idee hat Intel aber, anders als dies Gelsinger behauptet, auch danach noch fast zehn Jahre lang weiter mehr oder weniger erfolglos verfolgt. Das Konzept konnte dabei aber insbesondere im KI-Umfeld kaum punkten. Die Analyse von Gelsinger mit ihrem Vergleich zu Nvidia ist auch darüber hinaus fehlgeleitet, wohl weil Gelsinger damit eine Fehlentscheidung seinerseits vertuschen will. Denn Intel hätte praktische Konkurrenz gehabt.

Intel setzt mehr als 10 Jahre auf die falsche Idee für KI

Aus Larrabee leitete Intel die MIC-Architektur (Many Integrated Core) mit Knights-Ferry-Design ab, das als Entwicklungskit für Supercomputerbetreiber bereitstand. Es folgte ein Larrabee-Nachfolger auf Basis von Pentium-Chips, der als Knights Corner designt wurde und letztlich als Xeon Phi erst Anfang 2013 auf den Markt kam – also fast sieben Jahre nach ersten Ideen zu Larrabee.

Schon damals dominierte Nvidia den Markt für Beschleuniger in Supercomputern. Systeme mit Xeon Phi galten höchstens als Achtungserfolg, und Nvidia machte sich schon damals zu Recht öffentlich über das Intel-Produkt lustig.

Die Leistungsaufnahme war bei der gelieferten Leistung schlicht zu hoch und der angebliche Vorteil der x86-Kerne für die Programmierung führte kaum zu einer breiten Anwendungsunterstützung. Schon vor zehn Jahren konnte Nvidia hier mit seinem deutlich besseren Cuda-Angebot und seinen GPGPU-Chips punkten. Darauf verweisen Nvidia-Angestellte auch heute noch(öffnet im neuen Fenster).

Mit Knights Landing versuchte sich Intel danach an einem von Atom-Kernen abgeleiteten Design, das auch für Deep Learning gedacht war. Doch auch die klar auf Deep Learning ausgelegte überarbeite Version Knights Mill floppte letztlich am Markt und Intel stellte das Projekt im Jahr 2019 ein.

Intel hat Konkurrenz zu Nvidia nicht weiter verfolgt

Spannend an dem Rückblick ist, dass Gelsinger ein massiv gescheitertes Lieblingsprojekt wohl bewusst hervorhebt und eine schon damals bestehende Alternative ausblendet. Denn mit dem 2007 vorgestellten Polaris-Chip, der im Grunde nur aus für KI wichtigen Gleitkommaeinheiten statt aus x86-Chips bestand, erforschte Intel schon damals ein System mit etwa 2 Teraflops Leistung. Theoretisch mehr, als Nvidia damals in seinen Tesla-GPUs liefern konnte.

Gelsinger selbst wollte daraus aber nie ein Produkt machen und setzte auf Larrabee und x86 – eine klare Fehlentscheidung, wie sich heute zeigt. Auch zu der katastrophalen Softwareunterstützung im Vergleich zu Cuda auf Seiten von Intel verliert Gelsinger kein Wort.

Schon gar nicht zu dem damit verbundenen Problem, dass Intel mit Nervana, den Gaudi-Beschleunigern und nun der Xe-Grafik in den vergangenen Jahren des immer stärkeren KI-Hypes gleich mehrfach innerhalb weniger Jahre seine KI-Plattform gewechselt hat.

Doch Intel ist nun endlich da angekommen, wo Nvidia bereits vor 16 Jahren war: im GPGPU-Markt. Der Konzern baut aber schon wieder um und versucht sich an großen Architekturspielereien. So soll auch die Entwicklung von Gaudi eingestellt und auf eine einheitliche Architektur umgestellt werden. Ob das gutgeht, wird sich zeigen.

Heilsbringer sein reicht nicht

Für die weitere Entwicklung des wirtschaftlich deutlich angeschlagenen Intel-Konzerns heißt es allerdings nichts Gutes, wenn der CEO einem schon vor eineinhalb Jahrzehnten gescheiterten Projekt öffentlich hinterhertrauert, die starke Konkurrenz durch Nvidia nur als glücklichen Zufall analysiert und sich selbst als Heilsbringer sieht(öffnet im neuen Fenster), der Intel mit Gottes Unterstützung endlich retten wird(öffnet im neuen Fenster).

Denn dafür ist Gelsingers Analyse schlicht zu weit von der Wahrheit entfernt und die Zukunftsaussichten basieren auf einem selbst für Evangelikale in den USA viel zu befremdlich wirkenden Gottesvertrauen. Statt weiter zu schummeln und sich öffentlich in Realitätsflucht zu üben, muss Intel endlich wieder Ergebnisse liefern. Ob Gelsinger die dafür notwendige Führungsfähigkeiten hat, ist jedoch fraglich.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]


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