KI-GPUs: Chinesische H200-Nachfrage überrascht Nvidia

Über zwei Millionen H200 sollen chinesische Unternehmen bei Nvidia bereits bestellt haben – das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf mehrere Quellen. Ein Problem für den GPU-Hersteller, denn dieser hat dem Bericht zufolge nur 700.000 Chips auf Lager. Entsprechend soll das Unternehmen bereits bei TSMC eine Ausweitung der Produktion angefragt haben. Auch bei High Bandwidth Memory (HBM) könnten Engpässe drohen.
Als einen möglichen Großkunden nennt die South China Morning Post (SCMP) Bytedance(öffnet im neuen Fenster) , das hinter Tiktok und dem chinesischen Pendant Douyin steht, aber auch Clouddienste anbietet. Das Unternehmen soll seine geplanten Ausgaben für Nvidia-Hardware um mehr als 15 Prozent auf 100 Milliarden Yuan (rund 12 Milliarden Euro) erhöht haben. Andere chinesische Internetkonzerne dürften ebenfalls in größerem Umfang kaufen.
Denn anders als der leistungsbeschränkte Vorgänger H20 dürfte die H200 der chinesischen Hardware, etwa von Huawei oder Cambricon , deutlich überlegen sein. Auch Nvidias Software-Ökosystem Cuda gilt als stabiler und ist vielen Entwicklern vertraut. Daher kann Nvidia bei der H200 wieder reguläre Preise aufrufen – laut Reuters soll eine einzelne GPU 27.000 US-Dollar (23.000 Euro), ein HGX-System mit acht GPUs umgerechnet rund 183.000 Euro (1,5 Millionen Yuan) kosten.
Riskante Abwägung für Nvidia
Bei der H20 wurde berichtet, dass Nvidia diese deutlich günstiger anbot als andere Hopper-Produkte für Rechenzentren. Für Nvidia dürfte sich die Rückkehr auf den chinesischen Markt lohnen – trotz einer Umsatzbeteiligung der US-Regierung von 25 Prozent.
Ein Risiko ist jedoch die Haltung der chinesischen Regierung. Diese will die Nutzung heimischer KI-Hardware eigentlich fördern und verbot daher zuvor bereits den Import von Nvidias RTX 6000D . Zur H200 gibt es bislang noch keine Entscheidung. Doch auch die chinesische Regierung steht hier vor einem Dilemma: Denn Unternehmen verlagern ihre Entwicklung vermehrt nach Singapur , um weiter Zugriff auf Nvidia-Hardware zu haben. Zu hohe Hürden könnten zur Benachteiligung chinesischer Unternehmen im internationalen Wettbewerb oder dem weiteren Abfluss von Fachkräften führen.
Daher soll es etwa Überlegungen geben, die Genehmigung von Importen an Nutzungsvorgaben für chinesische Hardware zu koppeln(öffnet im neuen Fenster) . Für Nvidia erschwert die aktuell offene Situation allerdings die langfristige Planung. Wie stark die Produktion von Hopper-GPUs erhöht werden sollte, ist schwer zu entscheiden – zumal diese Fertigungskapazitäten binden dürfte, die auch für den Nachfolger Blackwell genutzt werden. Der wird im für Nvidia angepassten 4NP-Prozess gefertigt, einer Weiterentwicklung des für Hopper genutzten, ebenfalls Nvidia-exklusiven 4N.
Mit der H200 darf Nvidia nach Jahren wieder ein reguläres GPU-Modell ohne Leistungsbeschränkung in die Volksrepublik verkaufen. Dafür hatte das Unternehmen im Dezember 2025 eine Sondergenehmigung der US-Regierung erhalten . Erste Lieferungen nach China sollen noch vor dem chinesischen Neujahrsfest am 16. Februar 2026 erfolgen(öffnet im neuen Fenster) . Auf Kunden in den USA soll dies, so Nvidia gegenüber Reuters, keine Auswirkungen haben – was mit dem Rest der Welt ist, bleibt offen. TSMC soll die Produktion ab dem zweiten Quartal 2026 erhöhen.



