KI steuert Panzer und Drohnen

Es sei der digitale Zwilling eines Gefechtsfelds, auf dem sich KI-gesteuerte Systeme bewegten, beschreibt es Hofstetter. "Wir simulieren, wie sich künstliche Intelligenz im Gefechtsfeld verhalten würde: Wie würden sich zum Beispiel autonome Waffensysteme im Gefechtsfeld verhalten? Was würden sie alles können, was tun?"

Das Unternehmen baut – mithilfe einer Gaming Engine – das digitale Abbild eines Gefechtsfelds nach den Vorgaben des Auftraggebers, sprich der Bundeswehr. Das ist dann viel höher aufgelöst als konventionelle Simulatoren. An Datenquellen wird alles herangezogen, was öffentlich verfügbar ist: Landkarten, Satellitenfotos, Daten über Infrastruktur und Bebauung bis hin zu Daten über Art und Höhe der Pflanzen vor Ort.

Soll der Stellungsraum etwa München sein, dann werde München digital nachgebaut, "bis auf das letzte Blatt an den Bäumen im Englischen Garten", sagt Hofstetter. "Wenn ein Soldat sich in einem urbanen Umfeld bewegen soll, dann muss er ja auch wissen, wie es dort aussieht."

Ghostplay simuliert Drohneneinsätze

In der zweiten Phase des Ghostplay-Projekts wurde der Einsatz eines Schwarms von Loitering Munition (etwa: herumlungernde Munition) gegen die feindliche Flugabwehr simuliert. Das sind bewaffnete Drohnen, die, von einem Hubschrauber ausgesetzt, bis zu einer halben Stunde in der Luft bleiben können und dann in ein Ziel gesteuert werden. Für die Einsätze im Tief- und Tiefstflug müssen Gelände, Gebäude und Vegetation sehr genau nachgebildet werden, eben "bis auf das letzte Blatt".

Das digitale Gefechtsfeld wird dann bestückt mit Assets: Panzer, Flugzeuge, Fahrzeuge, Drohnen, und sie alle werden von KI gesteuert. Die Daten dafür stammen ebenfalls aus öffentlich zugänglichen Quellen. Selbst ein Militärhandbuch aus der DDR wurde zurate gezogen. Entsprechend sind Waffensysteme aus dem ehemaligen Ostblock gut repräsentiert.

Das Militär kann dann zum Beispiel testen, ob es mit seinen eigenen Waffen und Taktiken die KI-gesteuerten Gegner überwältigen kann. Bei solchen Szenarien ermögliche die Simulation eine vertikale Durchlässigkeit, sagt Hofstetter. Das bedeutet, es könne zwischen der strategischen Ebene, auf der Bataillone hierhin und dorthin gezogen werden, auf die taktische hinuntergewechselt werden. "Je genauer man weiß, was unten auf der taktischen Ebene vor sich geht und welche Fähigkeiten dort vorhanden sind, desto realistischer wird das Wargaming."

Was taugt ein neues Waffensystem?

Ein weiterer Anwendungszweck ist, neue Waffensysteme zu testen. Wenn ein Milliarden Euro teures System wie etwa das Future Combat Air System (FCAS) entwickelt werden soll, dann könnte der digitale Zwilling genutzt werden, um festzustellen, ob das Konzept aufgehe. Ist das System schließlich fertig, könnte der Abnehmer, also die Bundeswehr, es in der virtuellen Welt testen, bevor sie es anschafft.

Zwar sind die Bundeswehr sowie Unternehmen aus dem Verteidigungsbereich Nutzer des KI-Systems. Entwickelt wurde es aber für den zivilen Sektor.

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 KI-gestützte Simulation: Wargaming bei der BundeswehrDie KI ist Dual Use 
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