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KI für das Militär: Google soll IDF bei Drohnenvideoauswertung geholfen haben

Eine Whistleblower-Beschwerde wirft Google vor, den israelischen Streitkräften bereits 2024 bei der Nutzung von Gemini geholfen zu haben.
/ Mike Faust
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Der Kundensupport von Google Cloud Computing soll im Juli 2024 eine Anfrage des IDF erhalten haben. (Bild: Reuters)
Der Kundensupport von Google Cloud Computing soll im Juli 2024 eine Anfrage des IDF erhalten haben. Bild: Reuters

Google soll bereits vor der Änderung seiner Richtlinien KI-Produkte für die Analyse von mit Drohnen aufgenommenem Videomaterial der israelischen Streitkräfte (IDF) eingesetzt haben. Dies geht aus einer Beschwerde hervor, die ein Whistleblower bei der US-Börsenaufsicht eingereicht hat und die von der Washington Post (Paywall) eingesehen werden konnte(öffnet im neuen Fenster) .

In der Beschwerde wird Google vorgeworfen, gegen das Wertpapiergesetz verstoßen zu haben, weil entgegen der eigenen, öffentlich einsehbaren, Richtlinien gehandelt wurde. Dadurch seien Investoren und Aufsichtsbehörden in die Irre geführt worden.

Kundensupportanfrage vom IDF

Den eingereichten Dokumenten zufolge soll Googles Cloud-Computing-Abteilung im Juli 2024 eine Kundensupportanfrage von einer E-Mail-Adresse des israelischen Militärs erhalten haben. Diese ließ sich einem Mitarbeiter des Technologieunternehmens CloudEx zuordnen, welches als Auftragnehmer für das IDF arbeitet.

In der E-Mail wurde Google um Unterstützung gebeten, um die Zuverlässigkeit von Google Gemini bei der Identifizierung von Objekten, wie Drohnen, gepanzerten Fahrzeugen und Soldaten, in Luftaufnahmen zu verbessern. Mitarbeiter von Google sollen darauf mit Vorschlägen und internen Tests reagiert haben, heißt es weiter.

Verstoß gegen eigene KI-Prinzipien

Im Jahr 2018 hatte Google KI-Richtlinien eingeführt, die den Einsatz von künstlicher Intelligenz im Zusammenhang mit Waffen und Überwachung untersagten. Dies geschah, nachdem Google-Angestellte gegen einen Pentagon-Vertrag zur Analyse von Drohenaufnahmen protestiert hatten.

Diese Richtlinien wurden im Februar 2025 geändert und der zuvor genannte Teil gestrichen. Google begründete diesen Schritt damit, sich weiterentwickeln zu müssen, um demokratisch gewählten Regierungen zur Vorherrschaft im globalen Wettlauf um KI helfen zu können.

Der Whistleblower wirft nun sowohl Google als auch dem IDF-Dienstleister CloudEx vor, gegen die im Juli 2024 noch gültige Regelung verstoßen zu haben. Ein Google-Sprecher widersprach den Vorwürfen laut der Washington Post und sagte, die Nutzung der KI-Dienste durch das betreffende Konto seien zu gering gewesen. "Das Ticket stammte von einem Konto mit monatlichen Ausgaben von weniger als einigen Hundert Dollar für KI-Produkte, was eine sinnvolle Nutzung von KI unmöglich macht" , so der Sprecher.

Beschwerde führt nicht automatisch zu einem Verfahren

Jede Person kann bei der US-Börsenaufsicht beliebige Beschwerden einreichen. Diese führen aber nicht automatisch zu einer Untersuchung. Es bleibt daher abzuwarten, ob die der Beschwerde beigefügten internen Dokumente als Beweise aussagekräftig genug sind, um ein Verfahren einzuleiten.

Das Pentagon gab im Dezember 2025 bekannt, dass Google Gemini als eine der ersten KI-Anwendungen den Mitarbeitern des US-Verteidigungsministeriums zur Verfügung stehen wird.


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