KI: Der Papst und die Maschine
Der Vatikan hat eine interne Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich mit den ethischen Fragen rund um künstliche Intelligenz befassen soll. Anlass ist die erste Enzyklika von Papst Leo XIV., die in den nächsten Wochen erscheinen und die KI-Debatte in den Rahmen der katholischen Soziallehre stellen soll, wie The Independent berichtet(öffnet im neuen Fenster).
Historischer Bezug: vom Maschinenzeitalter zur KI
Die Parallelen zur Industrialisierung zieht Leo XIV. selbst: So wie Papst Leo XIII(öffnet im neuen Fenster) vor 135 Jahren mit Rerum Novarum(öffnet im neuen Fenster) auf die sozialen Verwerfungen der industriellen Revolution antwortete, soll sich die neue Enzyklika mit der Frage auseinandersetzen, was KI mit dem Menschen macht. Die Unterzeichnung erfolgte genau 135 Jahre nach Datierung des historischen Vorgängerdokuments.
Theologen und Philosophen sehen die Kirche in einer ungewöhnlich starken Position: Mit annähernd 1,5 Milliarden Gläubigen weltweit besitzt sie eine Reichweite, die kaum eine andere Institution erreicht. Meghan Sullivan, Philosophieprofessorin an der Universität Notre Dame, sagte in The Independent, dass die Kirche in der gesellschaftlichen Debatte eine stabilisierende Rolle übernehmen könnte.
KI im Krieg und das Problem der Wahrheit
Leo XIV. beschränkt sich nicht auf theologische Grundsatzfragen. Er hat öffentlich verlangt, den Einsatz von KI-gestützten Waffensystemen in Konfliktgebieten wie der Ukraine, Gaza, dem Libanon und dem Iran kritisch zu hinterfragen. An der Universität La Sapienza in Rom(öffnet im neuen Fenster) bezeichnete er die Verbindung von Krieg und neuen Technologien als "inhumane Entwicklung".
Einen besonderen Fokus legt der Papst auf die Bedrohung durch generative KI für das, was er Wahrheit nennt. So sieht er als Augustinermönch in der Verbreitung von Deepfakes nicht nur eine reine technische Herausforderung, sondern einen Angriff auf die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit selbst(öffnet im neuen Fenster).
Konfliktstoff mit Washington
Das Lehrschreiben dürfte die Spannung zwischen dem Vatikan und der US-Regierung weiter erhöhen. Washington setzt auf eine möglichst schnelle KI-Entwicklung und wehrt sich gegen internationale Regulierungsversuche – eine Haltung, die sich mit dem zu erwartenden Inhalt der päpstlichen Enzyklika kaum vereinbaren lassen dürfte.
Der Vatikan ist auf diesem Feld kein Neuling: Bereits 2020 lancierte er den Rome Call for AI Ethics(öffnet im neuen Fenster), dem Unternehmen wie Microsoft, IBM und Cisco beitraten. Leo XIV. baut auf diesem Fundament auf und bringt dabei seinen eigenen Hintergrund in Mathematik sowie sein Engagement für Frieden und Wahrheit mit ein.
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