KI-Code bei Bitpanda: Co-Pilot ist "Pair-Programming mit einem Junior Developer"
Das hier ist die 30. Ausgabe von Chefs von Devs, dem Golem.de-Newsletter für CTO, Technical Directors und IT-Profis. Alle zwei Wochen erscheint eine neue Ausgabe. Chefs von Devs kann hier kostenlos abonniert werden .
Auch wenn Tech-Firmen während der Pandemie boomten, geht vielen Unternehmen auf Dauer die Puste (in Form des Risikokapitals) aus. Das österreichische Start-up Bitpanda hat so einiges mitgemacht: Krypto-Hype und Krypto-Crash, Hyperwachstum und Entlassungen.
Mit Mitgründer Christian Trummer habe ich für Chefs von Devs querbeet über vieles gesprochen, was junge Tech-Firmen umtreibt: Welche Rolle spielt Security, wenn es um das Geld der Kunden geht? Ist das Unternehmen unbeschadet durch den Krypto-Crash gekommen? Und wieso macht Programmieren mehr Spaß als Managen?
Und natürlich auch über den seit Monaten allgegenwärtigen Einsatz von großen Sprachmodellen bei der Programmierung. Warum die Arbeit mit Githubs Copilot "wie Pair-Programming mit einem Junior Developer" ist, erklärt Bitpandas erster Entwickler in dieser Ausgabe von Chefs von Devs.
Programmieren geht über Dirigieren
"Ich war der erste Developer bei Bitpanda" , sagt Christian Trummer. Zusammen mit Eric Demuth und Paul Klanschek gründete er das Unternehmen 2014 in Wien, damals noch als reine Plattform zum Handeln von Kryptowährungen. Heute hat Bitpanda nach eigenen Angaben (trotz zwischenzeitlichen Stellenabbaus) 700 Angestellte.
Angestellte, die rund zur Hälfte technisch am Produkt arbeiten, seit Bitpanda Product- und Tech-Departments zusammengelegt habe, erzählt Trummer. Deren Management übernimmt seit Juni 2023 ein neu an Bord geholter Chief-Tech- und Product-Officer in Personalunion – damit sich Trummer wieder auf das Developen konzentrieren kann.
Ein Jobwechsel, der übrigens inmitten unseres Interviews angekündigt(öffnet im neuen Fenster) wurde. "Nach neun Jahren als CTO ist meine neue Rolle nun Chief Scientist" , sagt Trummer. Als der mache er "eigentlich alles, was ich bis jetzt auch gemacht habe, aber ich muss weniger Zeit für Managementaufgaben aufbringen und kann mich wieder voll auf die Technologieentwicklung fokussieren."
Vielleicht lebt er damit den geheimen Traum manches CTOs, denn es ist ein Gedanke, der in nahezu jedem Gespräch aufkommt, das ich für Chefs von Devs mit CTOs führe: Eigentlich kommt man aus der technischen Seite ins Unternehmen, aber irgendwann hat man mit der Technik selbst immer weniger zu tun.
"Coden an sich empfinde ich als mega belohnend" , sagt Trummer. "Du programmiert und eine Sekunde später siehst du, ob der Code läuft oder nicht." Das sei im Management "ganz anders. Du initiierst etwas – und vielleicht siehst du sechs Monate später die Resultate." Und diese "Short-Term-Resultate machen mehr Spaß."
div class="n2g_form">Krypto-Start-ups stehen in der Kritik
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Das Unternehmen ist nicht ohne Kritik. Mitte 2022 entließ Bitpanda ein Viertel seiner gesamten Belegschaft , nachdem der Markt für Krypto-Währungen nach einem Hoch im Vorjahr auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt war . Zwar habe man dabei eher weniger Engineering-Stellen abgebaut, "aber natürlich, wir haben auch Talent verloren."
Beim rasanten Wachstum von Bitpanda kam es intern auch immer wieder auch zu Reibungen. Dabei war der Umgang mit Kritik nicht immer souverän: 2022 warf ein ehemaliger Mitarbeiter seinem Ex-Arbeitgeber vor, ihm wegen kritischer Social-Media-Posts mit rechtlichen Schritten gedroht zu haben .
Trotzdem hat Bitpanda die Krise anders als FTX und andere ohne Insolvenz überstanden. Man müsse unterscheiden, sagt Trummer: "FTX war ein reiner Scam und Scams hat es halt schon von Beginn an gegeben. Das war einfach einer in größerem Ausmaß – und erreichte somit leider auch mehr Leute."
Öffentlich begrüßt Bitpanda deshalb auch die zunehmende Regulierung des Finanzmarkts, dessen Anhänger auf seine Dezentralität schwören. Es sei "besser, dass nur die Firmen übrig bleiben, die sich an die Spielregeln halten" , sagt Trummer.
Mehr Ideen als Zeit
"Wir haben Tausende Tickets und Tausende Ideen, an denen man weiter bauen könnte" , aber im Endeffekt gehe es immer um Prioritäten. "Man muss dann wirklich genau abwägen, welche Ressourcen stehen zur Verfügung und was ist aktuell das Wichtigste, das man wirklich umsetzen und bauen muss."
Als Chief Scientist beschäftigt sich Trummer jetzt intensiv mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz. Bitpanda setzt intern unter anderem Githubs Co-Pilot ein – zumindest auf Testsystemen. "Bisher ist jeder Developer sehr, sehr zufrieden und empfiehlt es weiter" , berichtet Trummer, also werde man in die Richtung weitergehen – unter anderem gemeinsam mit Magic.dev, einem weniger bekannten österreichischen KI-Code-Start-up.
"Bei Magic.dev kann man 100 Millionen Zeilen importieren" , sagt er. So könne man "nicht nur ein Repository, sondern alle Repositories im ganzen Unternehmen" importieren. "Dann kommt man auf einmal von Code-Completion zu wirklicher Codeerzeugung. Und das ist natürlich noch viel interessanter."
div class="n2g_form">So setzt Bitpanda KI-Code ein
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Unbeaufsichtigt lässt man die KI dann aber doch nicht arbeiten – Skepsis ist bei den Resultaten angebracht. Die Arbeit mit Tools wie Co-Pilot ist laut Trummer wie "Pair-Programming mit einem Junior Developer."
In zwei Bereichen sei die KI-Code-Unterstützung schon besonders hilfreich, sagt Trummer. Nämlich um "Vorschläge zu erzeugen, so dass man weniger kreativ sein muss, schneller loslegen und von dort aus dann weiterarbeiten kann." Und für alles, was Richtung Unittests geht, also zum Beispiel "irgendwelche nervigen Standard-Tasks. Das funktioniert mit Co-Pilot oder ChatGPT ausgezeichnet."
Wie man herausfindet, was nicht super funktioniert? "Doppelt prüfen!" Schon bevor man den Code auf einem Staging-System testet, könne man erahnen, dass er nicht funktionieren wird: "Wenn die Code-Zeile länger ist als der Bildschirm breit, sollte man aufpassen." ( Wie die Entwicklung einer kompletten Python-App mit GPT-4 aussieht, könnt ihr übrigens hier nachlesen .)
"Wir phishen unsere eigenen Mitarbeiter"
Aufpassen muss Bitpanda ohnehin, und zwar auf die Finanzen seiner Kunden. Security spielt hier noch einmal eine hervorgehobene Rolle. Aber "Software Security ist ja nur ein kleiner Bereich von Security" , sagt Trummer. "Häufig ist ja der Mitarbeiter eigentlich der weakest point."
Um den Punkt zu unterstreichen, beschreibt er einen berühmten XKCD-Comic(öffnet im neuen Fenster) – in dem ein Hacker das unknackbare Sicherheitssystem einfach umgeht, indem er das Passwort aus seinem Besitzer herausprügelt.
"Es ist absolut nicht sinnvoll, eine große Mauer um sich herum zu bauen, wenn man dann die eigenen Mitarbeiter die Daten nach außen tragen lässt" , sagt er. "Wir phishen unsere eigenen Mitarbeiter" per E-Mail, sagt Trummer. Mit solchen Kampagnen soll das Bewusstsein für Sicherheitsaspekte vor dem Bildschirm gestärkt werden.
Anscheinend erfolgreich. Vor einigen Jahren habe das Unternehmen jedem Mitarbeiter per Post ein Weihnachtsgeschenk geschickt, in einem Paket mit dem Firmenlogo. Ein Mitarbeiter habe kurz darauf bei Slack berichtet, beim Entsorgen das gleiche Paket noch einmal gesehen zu haben.
Warum er nicht weiß, welcher Kollege offenbar im selben Haus wohnt? "Der Name auf dem Adressfeld des Pakets war weggekratzt. Das heißt, der Mitarbeiter, der das weggeschmissen hat" , erzählt Trummer, "hat so weit mitgedacht."
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