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Viel Lob für die Auftraggeber in den Behörden

Zwar habe das iPhone "unser Leben verändert, doch es könnte auch unseren Sinn für das Mögliche einschränken und belasten". Mit anderen Worten: Bei allem Fokus auf bequeme und nutzerfreundliche Anwendungen sollten auch andere Produkte entwickelt werden. Schließlich zielt Palantir bislang nicht auf den Endnutzer ab.

Den potenziellen Auftraggebern schmieren die beiden Autoren daher ordentlich Honig ums Maul. "Beamte müssen nicht unsere Priester sein. Jedes Unternehmen, das seine Angestellten so bezahlt wie die Bundesregierung Beamte, hätte Schwierigkeiten zu überleben. (...) Wir sollten denen, die sich dem öffentlichen Leben verschrieben haben, weitaus mehr Respekt entgegenbringen", heißt es in den Punkten 8 und 9.

Der US-amerikanische Exzeptionalismus(öffnet im neuen Fenster) steht für Karp und Zamiska außer Frage: "Kein anderes Land in der Geschichte der Welt hat progressive Werte so stark gefördert wie dieses. (...) Die amerikanische Macht hat einen außergewöhnlich langen Frieden ermöglicht."

Deutschland und Japan wieder als militärische Großmächte?

Angesichts der vielen regionalen Kriege seit dem Zweiten Weltkrieg klingt das ziemlich euphemistisch. Völlig rätselhaft erscheint hingegen die Einschätzung, wonach die "Entschärfung" Deutschlands eine "Überkorrektur" gewesen sei, "für die Europa nun einen hohen Preis zahlt". Die "Kastrierung" Deutschlands und Japans müsse wieder rückgängig gemacht werden, fordern Karp und Zamiska. Sollen die beiden Länder wieder militärische Großmächte werden? Am besten mit eigenen Atomwaffen? Um dann die USA in einem Krieg gegen Russland und China zu unterstützen?

Dass die beiden Palantir-Chefs mit einem größeren Krieg rechnen, zeigt wohl die Forderung, in den USA die Wehrpflicht wieder einzuführen. "Wir sollten als Gesellschaft ernsthaft erwägen, von einer reinen Freiwilligenarmee abzurücken und den nächsten Krieg nur dann zu führen, wenn alle das Risiko und die Kosten teilen", heißt es zur Begründung.

Gute Kulturen, schlechte Kulturen

In diesem Zusammenhang teilen sie die Welt in Kulturen ein, die "entscheidende Fortschritte" gebracht hätten, während andere "dysfunktional und rückständig" blieben. Doch in der Öffentlichkeit würden alle Kulturen gleich behandelt.

"Kritik und Werturteile sind verboten. Doch dieses neue Dogma verschleiert die Tatsache, dass bestimmte Kulturen und sogar Subkulturen (...) Wunder hervorgebracht haben. Andere haben sich als mittelmäßig erwiesen, und schlimmer noch, als rückschrittlich und schädlich", heißt es. Kritikern zufolge(öffnet im neuen Fenster) steckt dahinter das Konzept der Überlegenheit der weißen Rasse (White Supremacy(öffnet im neuen Fenster)).

Auf der anderen Seite müsse "der weitverbreiteten Intoleranz gegenüber religiösen Überzeugungen in bestimmten Kreisen entgegengetreten werden". Eine solche Intoleranz der Eliten sei "vielleicht eines der deutlichsten Anzeichen dafür, dass ihr politisches Projekt eine weniger offene intellektuelle Bewegung darstellt, als viele ihrer Mitglieder behaupten".

Wie sehr solche Überzeugungen in den USA gerade missbraucht werden, zeigen jedoch die Gebete von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth für den Kriegserfolg gegen den Iran. Im Zweifel sogar mit erfundenen Bibelzitaten aus Pulp Fiction(öffnet im neuen Fenster).

Kritik an Forderung nach weniger Rechenschaftspflicht

Elliot Higgings vom Investigativportal Bellingcat wandte sich in einem Thread auf Bluesky(öffnet im neuen Fenster) gegen die Forderung, Personen des öffentlichen Lebens nicht mehr so kritisch zu beleuchten. "Die kritische Beobachtung von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wird als eine Art kulturelle Krankheit dargestellt, die Talente aus dem öffentlichen Leben vertreibt. Das Problem sind dann nicht mehr die Personen, die unter die Lupe genommen werden, sondern diejenigen, die sie unter die Lupe nehmen."

Higgings kommt zu dem Schluss: "Palantir verkauft Software an Behörden in den Bereichen Verteidigung, Geheimdienste, Einwanderung und Polizei. Diese 22 Punkte sind keine im luftleeren Raum schwebende Philosophie, sondern die öffentliche Ideologie eines Unternehmens, dessen Einnahmen von der Politik abhängen, für die es sich einsetzt."

Eines dürfte zumindest klar sein: Palantir will nicht in den Ruf geraten, sich gegen die Wünsche der US-Regierung zu sträuben und gar als nationales Lieferkettenrisiko eingestuft zu werden. Dafür laufen die Geschäfte wohl gerade zu gut.

IMHO ist der Kommentar von Golem [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]


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