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Nachtarbeiter haben Pech und Großstädter auch

So bestraft das Programm ganz normales und harmloses Verhalten. Sie müssen nachts fahren, weil Sie zum Nachtdienst müssen? Sie wohnen in einer Großstadt? Pech gehabt. Egal, wie vorsichtig und gut Sie ihr Auto steuern, auf diese Art bekommen Sie nie den ersehnten Rabatt, mit dem Sie gelockt wurden. Denn leider ist das Unfallrisiko in Städten nun einmal höher als auf dem platten Acker - das Verhalten des Einzelnen spielt dabei keine Rolle. Nebenbei: Es wird nicht unterschieden, ob jemand aus Spaß seine Reifen malträtiert, oder eine Notbremsung macht.

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Die folgende Behauptung des Unternehmens ist daher einfach Werbung: "Uns als Versicherer interessiert natürlich, wie sicher Sie fahren." Jürgen Cramer, einer der beiden Vorstände der Versicherung, sieht das anders. Das Schadensgeschehen korreliere mit der persönlichen Sicherheit, sagt er. Und es gehe natürlich darum, dass Fahrer ihr Verhalten überprüfen und verbessern könnten.

Zweitens schaffen solche Systeme einen Verhaltensdruck, der normierend wirkt und Freiheit beschränkt. Wenn nur genug Versicherer solche Datenmodelle von ihren Kunden fordern, einfach weil es möglich ist, werden sie bald zum Standard, ohne den es keine Versicherung mehr gibt. Das soziale Modell solcher Versicherungen, das Schäden durch alltägliches Verhalten als allgemeines Lebensrisiko ansieht, das von allen finanziert wird, damit es für alle erschwinglich ist, ist damit im Eimer. Jeder zahlt dann für sich allein. Und Hebammen und Arbeiter im Schichtsystem und Großstadtbewohner können sich dann eben kein Auto mehr leisten, ihr Problem.

Missbrauch von Big Data

Der Oxford-Professor Viktor Mayer-Schönberger nennt so etwas einen Missbrauch von Big Data. Mehr und genauere Daten können dazu führen, die Welt besser zu verstehen, sagt er. Man könnte sie beispielsweise nutzen, um gefährliche Straßenabschnitte anders zu bauen und zu entschärfen oder um Therapien besser zu machen. Sie auf das Individuum anzuwenden, aber schadet den Betreffenden und nutzt nur dem Unternehmen. Sie zu verwenden, um Menschen mit einem vermeintlich höheren Risiko einen schlechteren Service und eine schlechtere Versorgung zu bieten, sei ein Missbrauch der statistischen Korrelationen.

Die Versicherung argumentiert, niemand werde bestraft. Wer die Vorgaben nicht erfülle, zahle einfach den normalen Tarif - man könne also nur gewinnen. Auch wolle man auf den Daten "kein Tarifmodell aufbauen", sagt Cramer. Einerseits gäben die Daten das gar nicht her, andererseits seien Versicherungstarife längst so fein in Klassen eingeteilt, dass es keinen Sinn mache, diese Einteilung noch weiter zu treiben.

Im Übrigen enthalte die Box ein wichtiges Sicherheitsinstrument, sagt Cramer: Prallt das Fahrzeug mit einer bestimmten Geschwindigkeit auf ein Hindernis, nimmt die Box einen Unfall an. Telefónica registriert das, informiert die Versicherung und die versucht, den Fahrer anzurufen. Meldet er sich nicht, wird ein Rettungswagen losgeschickt. So etwas kann sich jeder kaufen, diese Notfallsysteme kosten ungefähr 10 Euro im Monat, in einigen Autos sind sie bereits serienmäßig verbaut. Bei S-Drive gibt es das ein wenig billiger.

Abgesehen davon ist der mögliche Gewinn ein Witz. Fünf Prozent? Wer für einen älteren Opel Astra mit 1,6 Litern Hubraum eine Haftpflicht bei dieser Versicherung bucht, der zahlt dafür ungefähr 300 Euro im Jahr. Fünf Prozent Rabatt wären damit 15 Euro. Es klingt irrsinnig, sich für eine Ersparnis von nur 15 Euro im Jahr überwachen zu lassen, nur um an diesem Gewinnspiel teilzunehmen - denn mehr ist es nicht, es gibt keine Garantie dafür, den Rabatt auch zu bekommen.

Datenbox kostet 5,95 im Monat

Im Übrigen muss die Sensorbox im Auto auch selbst bezahlt werden. Der Versicherte mietet sie für 5,95 Euro im Monat, macht also 71,40 Euro im Jahr. Der einzig sichtbare Vorteil ist damit die Möglichkeit, sein gestohlenes Auto wiederzufinden. Allerdings kann man sich solche GPS-Wanzen auch einfach selbst kaufen - ohne dass die persönlichen Daten verschenkt werden. Insgesamt sieht S-Drive nach einem schlechten Geschäft aus.

Andererseits machen genug Menschen bei Systemen wie Payback mit und geben ihre Daten her, um dafür Fußbälle oder Sporttaschen zu erhalten. Gut vorstellbar also, dass die Versicherung mit ihrer Telematik-Idee einen Markt erschließt. Es warten sicher schon viele andere Versicherer gespannt darauf, wie die Kunden reagieren und ob sie schon bereit dafür sind, sich überwachen und entsprechend ihres konkreten Verhaltens versichern zu lassen.

 Kfz-Überwachung: Wer zu hart bremst, verliert seinen Versicherungsrabatt
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Anonymer Nutzer 22. Nov 2013

Dann wird halt der Konsum deiner Familie auf die Packung und Sekunde genau getrackt, was...

Ben Stan 21. Nov 2013

Seh ich genau so.

Neuro-Chef 20. Nov 2013

Kann ich aus Berlin nicht bestätigen, bei bekannten Blitzern gehen die Leute dann auf...

Neuro-Chef 20. Nov 2013

Ähm, ab 23 kann man froh sein, im Bereich um 600¤ zu landen. Vorher sind oft mal eben...

derdiedas 17. Nov 2013

Denn bisher sind Versicherungen einfach zu vergleichbar, mit solchen Boxen aber bieten...


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