• IT-Karriere:
  • Services:

Keysniffer: Millionen kabellose Tastaturen senden Daten im Klartext

Kabellose Tastaturen sollten eigentlich so gebaut sein, dass die darauf getippten Informationen nur verschlüsselt übertragen werden. Millionen Geräte von mindestens acht großen Herstellern patzen dabei aber heftig, wie Forscher entdeckt haben.

Artikel veröffentlicht am ,
Mühevolles Reverse Engineering der angreifbaren Tastaturen
Mühevolles Reverse Engineering der angreifbaren Tastaturen (Bild: Bastille Networks)

Selbst Laien werden vermutlich verständnislos mit dem Kopf schütteln, wenn Marc Newlin kommende Woche auf der Defcon-Konferenz in Las Vegas seinen neuen Angriff gegen regulär im Handel erhältliche Funktastaturen präsentiert. Der Mitarbeiter der IT-Sicherheitsfirma Bastille Networks und sein Team haben nach eigenen Angaben herausgefunden, dass preisgünstige kabellose Keyboards von mindestens acht großen Herstellern sämtliche auf ihnen getippten Informationen unverschlüsselt an ihren USB-Dongle senden.

Acht große Hersteller mit Millionen von Geräten

Stellenmarkt
  1. Präsidium der Bayerischen Bereitschaftspolizei, Bamberg
  2. Dataport, verschiedene Standorte

Sie mussten nicht einmal einen besonderen Schutz umgehen. Kreditkartendaten, Passwörter, vertrauliche E-Mails, alles werde im Klartext über den Äther geschickt. Betroffen sind demnach Tastaturen von Anker, EagleTec, General Electric, Hewlett-Packard, Insignia, Kensington, Radio Shack und Toshiba. Und das seien nur die bisher getesteten Modelle.

  • Vereinfachte Darstellung des Abhörens nicht verschlüsselnder Funktastaturen (Quelle: Bastille Networks)
Vereinfachte Darstellung des Abhörens nicht verschlüsselnder Funktastaturen (Quelle: Bastille Networks)

Bei allen angreifbaren Modellen handelt es sich um Geräte, die nicht per Bluetooth, sondern über ihren eigenen Funkstandard senden. "Solche Geräte kommunizieren normalerweise mit proprietären Protokollen im 2,4-GHz-ISM-Band", schreibt Newlin auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite. Weil es keinen einheitlichen Sicherheitsstandard dafür gibt, koche jeder Hersteller sein eigenes Süppchen.

Mit wenig Aufwand ganze Büroblocks abhören

Mit einer kleinen Antenne am Laptop und Ausrüstung, die es für umgerechnet weniger als 90 Euro im Internet zu kaufen gibt, ist es dem Team gelungen, die Funktastaturen auf Entfernungen von bis zu 100 Metern abzuhören. Durch mühseliges Reverse Engineering erlangten die Experten Informationen über die Funktionsweise des jeweiligen proprietären Protokolls der getesteten Tastaturen. "Es gibt keine Spezifikationen für die Protokolle", sagte Newlin dem US-Portal Wired. "Der einzige Grund, warum diese Geräte bisher unterm Radar geblieben sind, ist, dass niemand sich die Arbeit gemacht hat, ihre Funktionsweise zu reproduzieren."

Aber es kommt noch schlimmer: Auf gleichem Wege ist es Newlin und seinem Team offenbar gelungen, Tastatureingaben aus der Ferne zu fingieren. Durch schadhafte Eingaben sei es zum Beispiel möglich, "Malware zu installieren, Daten zu exfiltrieren oder jede andere bösartigen Aktion auszuführen, die ein Hacker mit physischem Zugang zum Rechner des Opfers ausführen könnte".

Ein Fix ist nicht in Sicht

Laut Threatpost hat Newlin den betroffenen Herstellern nach der Entdeckung wie üblich 90 Tage Zeit gegeben, das Problem zu lösen. Die meisten Hersteller antworteten demnach gar nicht erst auf die Kontaktaufnahme. Newlin zufolge hätten sich nur Jasco Products, der Hersteller der GE-Tastaturen, sowie inzwischen auch Kensington zurückgemeldet.

In einem Statement teilte Jasco Products mit, das Unternehmen sei sich der Probleme bewusst und "arbeite direkt mit den Kunden des Produkts, um alle Probleme und Sorgen zu lösen." Wie das Problem gelöst werde, sagte Jasco nicht, Kunden könnten sich aber an die Hotline wenden.

Kensington geht da einen Schritt weiter und hat ein Firmware-Update angekündigt, das eine AES-Verschlüsselung für seine Tastaturen einführen soll. Auch hier sollen sich Kunden an den Support wenden.

Ob eine neue Firmware allerdings auf bestehende Geräte aufgespielt werden kann, ist fraglich. Die von Bastille Networks getesteten Keyboards unterstützten keine Firmware-Updates, sagte Newlin. "Nutzer verwundbarer Tastaturen sollten zu Bluetooth-Geräten oder kabelgebundenen Keyboards wechseln."

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Top-Angebote
  1. 299,00€ (zzgl. 4,99€ Versand)
  2. 79,99€ (bei razer.com)
  3. 26,73€ (bei otto.de)
  4. 57,99€

UbIx 01. Aug 2016

Also ich habe ein K480 - die ist zwar etwas Klobig - funktioniert zu Hause mit Tablet...

tktktk 29. Jul 2016

Hier ist nachzulesen, was es bedeutet: https://www.syss.de/pentest-blog/article/2016/07...

amagol 28. Jul 2016

Ich gehe auch davon aus, das im Bereich (Industrie-)Spionage dieser Angriffsvektor oder...

amagol 28. Jul 2016

Also wenn es bei Bluetooth moeglich ist wie ist es dann prinzipiell unmoeglich? Das...

Freiberufler 28. Jul 2016

Ich habe gerade eine alte c't aus dem Jahr 2001 hervorgekramt. Schon vor 15 Jahren gab es...


Folgen Sie uns
       


Google Stadia - Test

Beim Test haben wir verschiedene Spiele auf Stadia von Google ausprobiert und uns mit der Einrichtung und dem Zugang beschäftigt.

Google Stadia - Test Video aufrufen
Mobile-Games-Auslese: Märchen-Diablo für Mobile-Geräte
Mobile-Games-Auslese
Märchen-Diablo für Mobile-Geräte

"Einarmiger Schmied" als Klasse? Diablo bietet das nicht - das wunderschöne Yaga schon. Auch sonst finden sich in der neuen Mobile-Games-Auslese viele spannende und originelle Perlen.
Von Rainer Sigl

  1. Mobile-Games-Auslese Fantasypixel und Verkehrsplanung für unterwegs
  2. Mobile-Games-Auslese Superheld und Schlapphutträger zu Besuch im Smartphone
  3. Mobile-Games-Auslese Verdrehte Räume und verrückte Zombies für unterwegs

Macbook Pro 16 Zoll im Test: Ein Schritt zurück sind zwei Schritte nach vorn
Macbook Pro 16 Zoll im Test
Ein Schritt zurück sind zwei Schritte nach vorn

Keine Butterfly-Tastatur mehr, eine physische Escape-Taste, dünnere Displayränder: Es scheint, als habe Apple beim Macbook Pro 16 doch auf das Feedback der Nutzer gehört und ist einen Schritt zurückgegangen. Golem.de hat sich angeschaut, ob sich die Änderungen auch lohnen.
Ein Test von Oliver Nickel

  1. Audioprobleme Knackgeräusche beim neuen Macbook Pro 16 Zoll
  2. iFixit Kleber und Nieten im neuen Macbook Pro 16 Zoll
  3. Macbook Pro Apple gibt fehlerhafte Butterfly-Tastatur auf

Männer und Frauen in der IT: Gibt es wirklich Chancengleichheit in Deutschland?
Männer und Frauen in der IT
Gibt es wirklich Chancengleichheit in Deutschland?

Der Mann arbeitet, die Frau macht den Haushalt und zieht die Kinder groß - ein Bild aus längst vergangenen westdeutschen Zeiten? Nein, zeigen uns die aktuellen Zahlen. Nach wie vor sind die Rollenbilder stark, und das hat auch Auswirkungen auf den Anteil von Frauen in der IT-Branche.
Von Valerie Lux

  1. HR-Analytics Weshalb Mitarbeiter kündigen
  2. Frauen in der IT Ist Logik von Natur aus Männersache?
  3. IT-Jobs Gibt es den Fachkräftemangel wirklich?

    •  /