Abo
  • IT-Karriere:

Kernumwandlung: Die "kalte Fusion" ist nur ein Zaubertrick

Der E-Cat des italienischen Physikers Andrea Rossi soll durch Kernumwandlung bei niedrigen Temperaturen Energie erzeugen. Jetzt hat das Gerät zwar eine zweifelhafte Bestätigung durch renommierte Wissenschaftler erfahren. Trotzdem ist die "kalte Fusion" nur ein Zaubertrick.

Artikel von Matthias Matting veröffentlicht am
Die schwebende Jungfrau ist ein klassischer Zaubertrick.
Die schwebende Jungfrau ist ein klassischer Zaubertrick. (Bild: Ron Burton/Getty Images)

Ein Zaubertrick wie die schwebende Jungfrau ist dem Italiener Andrea Rossi im März dieses Jahres gelungen: Rossi, vor langer Zeit ein respektierter Physiker, beeindruckte sechs Kollegen aus Italien und Schweden dermaßen, dass diese ein Paper mit dem Titel Beobachtung überschüssiger Wärmeproduktion in einem Reaktor und isotopische Veränderungen im Brennstoff verfassten.

Stellenmarkt
  1. Unterfränkische Überlandzentrale eG, Lülsfeld
  2. SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG, Bruchsal

Der Report ist bisher in keinem seriösen Wissenschaftsmagazin erschienen - das Journal of Nuclear Physics, das einige Medien als Quelle zitieren, ist Rossis eigenes Blog. Trotzdem lässt die Nachricht Esoteriker aller Länder an eine wissenschaftliche Revolution glauben, und auch Onlinemedien wie Extremetech oder Chip.de berichten darüber.

Immerhin attestieren die Verfasser des Papers dem E-Cat genannten Reaktor von Andrea Rossi gleich zwei unmöglich anmutende Fähigkeiten. Erstens produziere das Gerät weitaus mehr Wärme, als ihm von außen in Form elektrischer Energie zugeführt werde. Und zwar so viel mehr, dass keine bekannte chemische Reaktion dafür zuständig sein könne. Und zweitens habe sich die atomare Zusammensetzung des Brennstoffs im Laufe des Experiments geändert. Rossi spinnt nicht nur Stroh zu Gold, sein Apparat - ein 20 Zentimeter langer Zylinder mit vier Zentimeter Durchmesser und zwei vier Zentimeter langen Kappen an den Enden - heizt dabei auch noch das ganze Märchenschloss des Königs.

Hätten die prüfenden Forscher etwas genauer und mit wissenschaftlichem Blick hingesehen, hätte Ihnen allerdings so einiges auffallen müssen. Eines konstatieren sie sogar in ihrer Arbeit: Bei der - bei rund 1300 Grad Celsius nicht wirklich - kalten Kernumwandlung ist keinerlei Strahlung entstanden. Angesichts der Endprodukte hätte eigentlich derart viel Gammastrahlung den Reaktor verlassen müssen, dass das den Beobachtern nicht gut bekommen wäre. Aber für Anhänger der kalten Kernfusion ist das kein Problem, postulieren diese doch einfach eine neue Physik, die ohne hässliche Gammastrahlung auskommt.

Wichtiger ist jedoch, wie Rossi die ganze Show orchestriert hat. Er selbst hat den Generator ein- und ausgeschaltet. Er selbst hat die Stromversorgung für die Heizung bereitgestellt. Er hat den Brennstoff eingelegt und nach 32 Tagen wieder entnommen, damit er kerntechnisch analysiert werden konnte. Die zugeführte elektrische Energie wurde mit Klammern am Kabel gemessen und anhand eines leerlaufenden Geräts kalibriert. Die erzeugte Wärme wurde nicht wie üblich mit einem Kalorimeter gemessen - bei einer ersten Vorführung 2011 war das noch so geschehen, doch dann konnte plötzlich niemand mehr die Messprotokolle auffinden -, sondern mit zwei Wärmebildkameras. Von diesen Seltsamkeiten abgesehen bleibt natürlich auch die grundlegende Frage, wozu ein Gerät, das weitaus mehr Wärme erzeugt (2700 Watt), als ihm zugeführt wird (900 Watt), außer vielleicht zum Start noch eine Heizung benötigt. Wer tatsächlich immer noch glaubt, dass Rossis Versuch auf eine neue Physik schließen lässt, müsste eigentlich auch den Trick mit der schwebenden Jungfrau für eine erfolgreiche Umkehrung der Gravitation halten.



Anzeige
Hardware-Angebote
  1. 469€
  2. (reduzierte Überstände, Restposten & Co.)

0x64 28. Dez 2014

Am 25. Dezember 2014 veröffentlichte der russische Physiker Alexander G. Parkhomov von...

Trollversteher 16. Okt 2014

Tut er eben nicht und daher sage ich: Sie haben den Artikel nicht richtig gelesen...

Der Held vom... 16. Okt 2014

Nein. Beim Petroldragon-Fall ging es um unsachgemäße Lagerung giftiger Abfälle und...

M. 15. Okt 2014

... dazu muss die Behauptung allerdings erst mal falsifizierbar sein, sonst ist sie...

roboto 15. Okt 2014

Die Ära der fossilen Energieträger ist wohl vorbei: http://aviationweek.com/technology...


Folgen Sie uns
       


Seasonic TX-700 Fanless und The First - Hands on (Computex 2019)

Das Prime TX-700 Fanless vo Seasonic ist das derzeit stärkste passiv gekühlte Netzteil am Markt. Die kompaktere Variante namens PX-500 wiederum passt in das The First von Monsterlabo, ein Gehäuse, um 200-Watt-Komponenten passiv zu kühlen.

Seasonic TX-700 Fanless und The First - Hands on (Computex 2019) Video aufrufen
Watch Dogs Legion angespielt: Eine Seniorin als Ein-Frau-Armee
Watch Dogs Legion angespielt
Eine Seniorin als Ein-Frau-Armee

E3 2019 Elitesoldaten brauchen wir nicht - in Watch Dogs Legion hacken und schießen wir auch als Pensionistin für den Widerstand. Beim Anspielen haben wir sehr über die ebenso klapprige wie kampflustige Oma Gwendoline gelacht.


    Projektmanagement: An der falschen Stelle automatisiert
    Projektmanagement
    An der falschen Stelle automatisiert

    Kommunikationstools und künstliche Intelligenz sollen dabei helfen, dass IT-Projekte besser und schneller fertig werden. Demnächst sollen sie sogar Posten wie den des Projektmanagers überflüssig machen. Doch das wird voraussichtlich nicht passieren.
    Ein Erfahrungsbericht von Marvin Engel


      Dark Mode: Wann Schwarz-Weiß-Denken weiterhilft
      Dark Mode
      Wann Schwarz-Weiß-Denken weiterhilft

      Viele Nutzer und auch Apple versprechen sich vom Dark Mode eine augenschonendere Darstellung von Bildinhalten. Doch die Funktion bringt andere Vorteile als viele denken - und sogar Nachteile, die bereits bekannte Probleme bei der Arbeit am Bildschirm noch verstärken.
      Von Mike Wobker

      1. Sicherheitsprobleme Schlechte Passwörter bei Ärzten
      2. DrEd Online-Arztpraxis Zava will auch in Deutschland eröffnen
      3. Vivy & Co. Gesundheitsapps kranken an der Sicherheit

        •  /