Kernfusion: Preise für Fusionsenergie werden immer hoch bleiben
Ein Forschungsteam der ETH Zürich hat in einer in Nature Energy(öffnet im neuen Fenster) veröffentlichten Studie eine möglichst realitätsnahe Entwicklungsgeschwindigkeit für Kernfusionskraftwerke ermittelt. Diese liegt demnach deutlich niedriger, als sie in der wissenschaftlichen Literatur bisher angenommen wird.
Statt bei bis zu 20 Prozent im Jahr soll sich das Optimierungspotenzial pro Jahr bei maximal 8 Prozent bewegen. Im schlechtesten Fall wären es sogar nur 2 Prozent. Das bedeutet, dass sich die Kosten für die erzeugte Energie in den nächsten 10 Jahren nicht wie gehofft auf ein Sechstel des jetzigen Werts reduzieren, sondern lediglich auf etwas weniger als die Hälfte oder sogar nur um insgesamt 20 Prozent.
Weil darüber hinaus noch gar kein funktionierender Kernfusionsreaktor existiert, wäre es demnach fast ausgeschlossen, dass die Technik irgendwann bezahlbaren Strom liefert.
Lernkurven zeigen das Potenzial bestehender Technik
Die Lernkurven der Kernfusion, die das Forschungsteam mit 2 bis 8 Prozent angibt, läge demnach auf dem Niveau von Biogas. Das jedoch wird bereits verstromt, noch dazu auf bezahlbarem Niveau. Die Kernspaltung erreicht laut der Studie global gesehen 2 Prozent. In Europa hingegen ist der Wert negativ, da der Bau der Kraftwerke sich immer weiter verteuert.
Zum Vergleich: Bei Photovoltaik sind es 23 Prozent, bei Windenergie immerhin noch 12 Prozent. Die Stromgestehungskosten für PV-Anlagen halbieren sich demnach alle 3 bis 4 Jahre. Bei Windkraft sind es 6 Jahre.
Forschung, aber vor allem bei den Grundlagen
Um eine realistische Abschätzung der Kostenentwicklung der Kernfusion zu erhalten, hatte das Forschungsteam Wissenschaftlerinnen und Ingenieure aus der Fusionsforschung und aus dem Bereich von Fusions-Start-ups interviewt. Sie sollten abschätzen, wie hoch das Optimierungspotenzial ihrer Technik sei und wie einfach sich die Erkenntnisse aus dem Bau einer Anlage auf die nächste übertragen lassen würden.
Immerhin kam dabei ein besserer Wert als bei der Kernspaltung heraus, der ursprünglich ebenfalls ein viel höheres Potenzial vorhergesagt wurde.
Weiterhin in die Kernfusion zu investieren, könnte sich dennoch lohnen. Das Geld sollte jedoch nicht in den Bau von Versuchsreaktoren fließen, sondern vielmehr in Grundlagenforschung, um ein überzeugenderes Reaktordesign als die bisher bestehenden zu entwickeln.
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