Kernfusion: Konstrukteur von Fusionsreaktor verkauft bereits Strom
Wie Commonwealth Fusion System (CFS)(öffnet im neuen Fenster) , eine Ausgründung des MIT, mitteilt, ist mit Eni, einem milliardenschweren italienischen Mineralöl- und Chemiekonzern, ein zweiter zukünftiger Kunde für Stromlieferungen gewonnen worden. Insgesamt soll allein laut dieser Vereinbarung Strom im Gegenwert von einer Milliarde US-Dollar geliefert werden.
Parallel dazu wurde keinen Monat zuvor bekanntgegeben, dass das Unternehmen in einer neuen Finanzierungsrunde 863 Millionen US-Dollar eingesammelt habe. Für die weitere Entwicklung seines Kernfusionsreaktors, für den aktuell lediglich die grundlegenden Tests des einschließenden Magnetsystems erfolgreich durchgeführt wurde, hat Commonwealth damit eine solide finanzielle Grundlage geschaffen.
Konservatives Design, große Versprechen
Technisch bewegt sich das Unternehmen auf vergleichsweise bekanntem Terrain, wenn man das bei der Stromerzeugung aus Kernfusion überhaupt so nennen kann. Es soll ein Tokamak entstehen, wie er auch beim europäischen Projekt Iter(öffnet im neuen Fenster) vorgesehen ist.
Dass sich auf diese Weise Plasma einschließen lässt, wurde bereits demonstriert. Im englischen Fusionsreaktor Jet, der die experimentellen Grundlagen für Iter gelegt hatte, wurde zudem bereits eine kleine Menge Energie gewonnen.
Irgendwann könnte es also tatsächlich gelingen, mit dem Fusionsreaktor von CFS Strom zu erzeugen, der dann wohl zunächst an die beiden ersten Kunden abgegeben wird. Blickt man auf das europäische Vorhaben, wird das aber wohl noch dauern.
Um 2050 könnte hier erstmals mehr Energie erzeugt als eingespeist werden. Der Weg dahin wird mit mindestens 50 Milliarden Euro eingepreist.
Mehr als eine Wette auf die Zukunft
Mögliche Auswirkungen dieser Milliardenwetten auf die zukünftige Stromversorgung benennt der MIT Technology Review(öffnet im neuen Fenster) . Während Technologiekonzerne und Mineralölfirmen mit ihren Gewinnen spekulieren, könnte ein falscher Eindruck zur Praxistauglichkeit der Kernfusion bei der Politik gesetzt werden, nicht nur in den USA.
Aber gerade dort werden Subventionen für Solar- und Windkraftanlage zurückgefahren und das Geld in Kernfusions- und Kernspaltungsprojekte gesteckt, ohne dass nur einer dieser Reaktoren tatsächlich Strom produziert.
Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch Elektrifizierung und Digitalisierung, aber näherliegenden Lösungen, die bereits funktionieren, fehlen plötzlich Kapital und politische Unterstützung.
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