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Kernfusion: Iter verzögert sich weiter und wird 5 Milliarden Euro teurer

Es ist keine Überraschung, dass die Fusionsforschungsanlage Iter später in Betrieb genommen wird. Allerdings hat die Führung auch das Konzept geändert.
/ Werner Pluta
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Modul des Vakuumbehälters in der Tokamak-Grube: reale Forschungsarbeiten statt symbolisches First Plasma (Bild: Kenichi Ueno/Iter)
Modul des Vakuumbehälters in der Tokamak-Grube: reale Forschungsarbeiten statt symbolisches First Plasma Bild: Kenichi Ueno/Iter

Der Weg wird noch länger: Im Versuchsreaktor International Thermonuclear Experimental Reactor (Iter) wird rund vier Jahre später als geplant erstmals eine Deuterium-Tritium-Fusion stattfinden. Durch die Verzögerung steigen auch die Kosten. Das kündigte Iter-Generaldirektor Pietro Barabaschi auf einer Pressekonferenz an.

Nach dem neuen Zeitplan sollen die ersten Experimente 2034 stattfinden - die Verzögerung wurde kürzlich anlässlich der Fertigstellung der toroidalen Feldspulen bekannt gegeben . Der 2016 vorgestellte Zeitplan ging von einem First Plasma im Jahr 2025 aus, aber mit niedriger Energie und geringem Strom. Danach wären umfangreiche Arbeiten notwendig gewesen, um die Leistung schrittweise zu erhöhen und 2033 die volle Leistung zu erreichen.

Mit dem neuen Plan wurde das Konzept geändert. So soll der Reaktor zum First Plasma bereits mit allen wichtigen Komponenten ausgestattet sein. Die volle Leistung soll 2036 zur Verfügung stehen und die erste Deuterium-Tritium-Fusion im Jahr 2039 stattfinden. Das wären Verzögerungen um drei respektive vier Jahre gegenüber dem Plan aus dem Jahr 2016.

Kein symbolisches First Plasma

"Anstelle eines symbolischen First Plasma, das ich mit einem Maschinentest mit einer relativ nackten Maschine vergleiche, werden wir nach dem neuen Plan reale Forschungsarbeiten mit Plasma durchführen, die zur Demonstration der integrierten Inbetriebnahme bei voller magnetischer Energie und vollem Strom führen wird" , sagte Barabaschi(öffnet im neuen Fenster) . "Das ist ein solider Start, der es uns ermöglichen wird, einen Teil der Verzögerungen aufzuholen, die das Projekt angehäuft hat."

Das Projekt Iter - ITER Organization
Das Projekt Iter - ITER Organization (05:47)

Mit dem neuen Zeitplan steigen jedoch auch die Kosten: Das Projekt wird voraussichtlich weitere 5 Milliarden Euro benötigen. Nach dem alten Plan wurden die Kosten auf 20 Milliarden Euro beziffert. Nun werden es voraussichtlich 25 Milliarden Euro. Beim Projektstart im Jahr 2006 ging man von 5 Milliarden Euro insgesamt aus.

Barabaschi, der seit September 2022 Generaldirektor der Iter-Organisation ist, war kein Anhänger des Zeitplans, den sein Vorgänger, der im Mai 2022 verstorbene Bernard Bigot, aufgestellt hatte. Schon mit der Coronapandemie war klar, dass er unhaltbar sein würde.

Zudem wurden Ende 2022 gravierende Baumängel entdeckt : An Kühlleitungen für den Reaktor waren Korrosionsschäden entstanden, weil sie mit dem falschen Imprägnierungsmittel gespült worden waren. Zudem zeigte sich, dass drei tonnenschwere Module der Vakuumkammer nicht präzise genug gefertigt worden waren und deshalb nicht passten.

Iter - Forschungsreaktor für Kernfusion
Iter - Forschungsreaktor für Kernfusion (01:58)

Die Kernfusion (g+) soll in Zukunft die Energieversorgung sichern. Der Iter entsteht in Cadarache in Südfrankreich und soll der erste großtechnische Fusionsreaktor der Welt werden. An dem Projekt sind 35 Nationen beteiligt.

Neben dem Großprojekt Iter arbeiten weltweit inzwischen rund 40 Unternehmen an der Umsetzung der Kernfusion, darunter auch einige in Deutschland. Die könnten schneller sein als das Projekt in Frankreich: Milena Roveda, Chefin des in München ansässigen Unternehmens Gauss Fusion, sagte kürzlich im Interview mit Golem.de (g+) , sie gehe davon aus, dass das erste Fusionskraftwerk "Anfang der 40er Jahre" fertig sein werde.


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