Kernel: Linux 5.8 ist bisher größte Version
Der von Chefentwickler Torvalds veröffentlichte Linux-Kernel 5.8 mit dem Codenamen "Kleptomaner Krake" ist die bisher größte Version mit den meisten einzelnen Änderungen des Projekts. Die Beteiligten haben ohne das Zusammenführen von Codezweigen rund 16.300 Beiträge neu zum Linux-Kernel hinzugefügt.
Neu ist unter anderem die Möglichkeit, Schutzzonen für bestimmten Kernelcode zu markieren(öffnet im neuen Fenster) . Hintergrund ist die Befürchtung, dass einige eBPF-Tools beim Instrumentieren Probleme verursachen, wenn sie auf dafür "anfälligen" oder gar "gefährlichen" Code treffen. Die im Kernel eingebaute VM eBPF führt nun darüber hinaus einen neuen Ringpuffer(öffnet im neuen Fenster) ein, der als Alternative zu Perf Buffer einspringt und Letzterem in der Semantik ähnelt. Allerdings teilt der neue Puffer auch eine Instanz eines Ring-Puffers effizient zwischen verschiedenen CPUs.
Änderungen im Threads-Bereich(öffnet im neuen Fenster) ermöglichen es, Pidfds mit Namensräumen von Prozessen zu verknüpfen. Diese lassen sich zum Beispiel als erstes Argument dem Setns -Syscall mit auf den Weg geben. Die Funktion reduziert so die Komplexität im Umgang mit Containern weiter. Dank jüngster Änderungen am Kernel-Lockdown durch Jeremy Cline kann der Status des Lockdowns nun auch ohne Root-Rechte eingesehen werden(öffnet im neuen Fenster) .
Proc modernisiert
Im Pseudodateisystem /proc reparierte Eric Biederman einen Fehler(öffnet im neuen Fenster) , der offenbar schon sehr lange dort schlummerte. Entwickler Alexej Gladkow modernisierte(öffnet im neuen Fenster) zugleich /proc so, dass jeder Proc-Mount einen neuen Superblock verwendet. Das erlaubt, proc einzuhängen, ohne dabei anderen bereits existierenden Proc-Mounts in die Quere zu kommen.
Dank Mike Snitzer lassen sich reguläre Blockgeräte nun besser mit Zoned Devices kombinieren, um dabei Performance-Einbrüche abzumildern(öffnet im neuen Fenster) . Die entstehen aufgrund der begrenzten Anzahl zufällig beschreibbarer Zonen. Für das Flash-Dateisystem F2FS berichtet Jaegeuk Kim von Optimierungen an der Kompression(öffnet im neuen Fenster) : So unterstützt F2FS nun den LZO-RLE-Algorithmus.
Auch das Linux Persistent Storage Filesystem, kurz Pstore, enthält Verbesserungen. So lassen sich nun auch übliche Blockgeräte als Pstore-Backends verwenden(öffnet im neuen Fenster) . Die dazugehörige Konfigurationsoption heißt CONFIG_PSTORE_BLK .
Besser aufwachen
Die Power-Management-Updates von Rafael Wysocki(öffnet im neuen Fenster) erleichtern das Umschalten des Cpuidle-Governors zur Laufzeit, unabhängig von der Kernelkonfiguration. Sie verbessern den Code für den Umgang mit Geräten, die aus dem Userspace-Ruhezustand aufwachen.
Die von Joerg Roedel eingereichten Patches am Input-output Memory Management Unit(öffnet im neuen Fenster) (IOMMU) ändern die Weise, wie Geräte mit der IOMMU kommunizieren. Im GPIO-Bereich steckt nun ein Aggregator-Treiber im Linux-Kernel(öffnet im neuen Fenster) . Der vereint ausgewählte GPIO-Leitungen und erlaubt es, auf diesem Wege Geräte mit Restriktionen zu belegen. Prozesse erhalten dann nur Zugriff auf bestimmte Leitungen. Die Funktion lässt sich über die Option CONFIG_GPIO_AGGREGATOR aktivieren.
Neuerung für RISC-V und ARM
Verbesserungen für RISC-V betreffen den Support für Kendryte K210, einen RISC-V-basierten Edge-Computing-Chip. Für diesen liefert das Linux-Team nun fehlenden Code nach(öffnet im neuen Fenster) . Hinzu kommt eine Möglichkeit, Device Trees im Kernel abzubilden, da der K210 keinen Bootloader hat, der einen Device Tree anbietet.
ARM-Betreuer Arnd Bergmann kündigt Support für fünf neue Arm-SoCs an(öffnet im neuen Fenster) . Dabei handelt es sich um drei Realtek-SoCs, RTD1195, RTD1395 und RTD1619, die in NAS-Geräten und Set-Top-Boxen zum Einsatz kommen. Außerdem gibt es Support für den Renesas RZ/G1H, den Rockchip RK3326 und zahlreiche neue Maschinen, die auf bereits unterstützten SoCs basieren. Dazu zählen unter anderem TV-Boxen, Single Board Computer und ein Router.
Neues WPA3 in alten Treibern
Für Benutzer der bereits etwas älteren WLAN-Treiber rt2800, b43 und b43_legacy gibt es gute Nachrichten: Alle drei bringen laut Kalle Valo seit Kernel 5.8 Support für WPA3(öffnet im neuen Fenster) mit. Der Kernel 5.8 unterstützt zudem Intels Tiger-Lake-Thunderbolt-Controller.
Kernel 5.8 führt außerdem Keyring-Benachrichtigungen(öffnet im neuen Fenster) ein, wobei die Benachrichtigungs-Warteschlange auf einer Standard-Pipe mit speziellen Flags basiert. Einschalten lässt sich die Funktion über die neue Kernel-Konfigurationsoption CONFIG_WATCH_QUEUE
Updates für Intel- und AMD-Grafik
Die DRM-Entwickler haben derweil den Kern des Direct Rendering Manager (DRM) umgebaut(öffnet im neuen Fenster) , um die Grafiktreiber zu vereinfachen. Der Support für Intels Tigerlake-Plattform ist aktiviert. Der AMDGPU-Treiber unterstützt neuerdings Peer-to-Peer-basiertes PCI-Buffer-Sharing und das Verschlüsseln von GPU-Speicher. Außerdem informieren die DRM-Konnektoren nun den Userspace mit Hilfe von Sysfs über Hotplug Events, die auftreten, wenn bestimmte Geräte neu angeschlossn werden. Der aktuelle Linux-Kernel 5.8 steht wie gewohnt auf Kernel.org zum Download(öffnet im neuen Fenster) bereit.
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