Kernel: Linux 4.9 erscheint mit Protokoll für Project-Ara-Module

Linus Torvalds hat am Wochenende Linux 4.9 freigegeben. Der nach Commits bisher umfangreichste Kernel wird seiner Ankündigung zufolge(öffnet im neuen Fenster) nach dem üblichen Schema verteilt. Rund zwei Drittel der Einreichungen betreffen Treiber. Auch wenn der Greybus-Treiber mit 2.388 Commits der größte Brocken ist, wäre Kernel 4.9 auch ohne Greybus noch knapp der Kernel mit den meisten Änderungen aller Zeiten.
Torvalds bezeichnet den von Andy Lutomirski eingereichten, im virtuellen Adressraum angelegten Kernel-Stack(öffnet im neuen Fenster) als seine Lieblingsänderung bei Kernel 4.9. Bisher wurde der Kernel-Stack direkt auf physische Adressen abgebildet. Durch die Auslagerung in den virtuellen Adressraum ist die Größe nicht mehr eingeschränkt. Zudem wird die Sicherheit des Kernels insgesamt erhöht, da Pufferüberläufe erkannt werden können.
Die größte alleinstehende Änderung bei Linux 4.9 betrifft das von Greg Kroah-Hartman eingebrachte neue Subsystem Greybus(öffnet im neuen Fenster) . Greybus ist ein Anwendungsprotokoll für das Unipro-Protokoll(öffnet im neuen Fenster) . Es wurde bei Google für dessen mittlerweile eingestelltes modulares Smartphone-Projekt Ara entwickelt. Kroah-Hartman versichert(öffnet im neuen Fenster) , dass Greybus auch ohne Google bereits aktiv genutzt werde, so etwa in einem Motorola-Telefon.
Neuerungen beim Grafikstack
Intel hat in mehreren Schüben seit August(öffnet im neuen Fenster) Neuerungen für Intel i915 DRM eingereicht. Neben Aufräumen und Refactoring reichte Daniel Vetter auch Fehlerbereinigungen beim Mode-Setting und Vorbereitungen für Multi-Plane-Framebuffer(öffnet im neuen Fenster) ein. In einem dritten Patchset(öffnet im neuen Fenster) wird unter anderem die Unterstützung von vGPU verbessert sowie Fehler bei Skylake und Displayport behoben.
AMDGPU unterstützt Southern-Islands-Karten
Ebenfalls bereits im August wurden von dem AMD-Angestellten Alex Deucher erste Patches(öffnet im neuen Fenster) für Linux 4.9 veröffentlicht. Dieser und weitere Commits(öffnet im neuen Fenster) führen unter anderem die experimentelle Unterstützung des AMDGPU-Treibers für Grafikprozessoren der Southern-Islands-Reihe (GCN 1.0) ein. Dazu gehören zum Beispiel folgende Grafikkarten: Radeon HD7750 bis HD7970 oder R7-240, -250 und R9-270 sowie -280. Auch die Energieverwaltung AMD Powerplay ist weiter aufgewertet worden.
Weitere 29 ARM-Geräte werden unterstützt
Unter den neu unterstützten ARM-Geräten(öffnet im neuen Fenster) finden sich auch der Raspberry Pi Zero und das Smartphone LG Nexus 5. Von Broadcom werden die SoCs BCM47189 und BCM53573 unterstützt. Es sind die ersten SoCs mit eingebauter Unterstützung für den WLAN-Standard 802.11ac. Neu unterstützt werden auch das Entwicklerboard Marvell Armada 8040, das Beagleboard-x15 in Revision B1 sowie das Qualcomm DragonBoard 820c und der Router Netgear WNR854T.
Änderung an Dateisystemen XFS und Btrfs
Die größeren Änderungen bei Dateisystemen betreffen XFS. Das Patchset(öffnet im neuen Fenster) ermöglicht, dass sich mehrere Dateien einen Datenbereich teilen können. Ein Wertbereich kann somit mehrere Besitzer haben. Kernel 4.9 wird zwar die Änderungen beinhalten, die Anwenderschnittstelle Xfsprogs kann diese aber noch nicht umsetzen. Dave Chinner erwartet, dass bei dem Umfang der Änderungen weitere Patches und Fehlerbereinigungen folgen werden. F2FS(öffnet im neuen Fenster) erhielt eine Leistungssteigerung durch Überarbeitung der Fehlerbehandlung. Zudem wurde das Speichermanagement verbessert.
Für Btrfs(öffnet im neuen Fenster) hat Maintainer Chris Mason ein umfangreiches Patchset eingereicht, das hauptsächlich Fehler und den Code bereinigt. Für Kernel 4.10 stellt Mason größere Änderungen für Btrfs in Aussicht. Auch für EXT4(öffnet im neuen Fenster) standen hauptsächlich Aufräumen und Fehlerbereinigungen an.
Auch bei der Virtualisierung gab es Änderungen. Das Patchset für Xen(öffnet im neuen Fenster) wechselt unter anderem auf einen neuen CPU-Hotplug-Mechanismus. KVM erhielt Patches(öffnet im neuen Fenster) , die Fehlerbehebungen bei ARM und MIPS beinhalten. Zudem wurde die Leistung bei PowerPC verbessert.
Intels Skylake Audio unterstützt mit 4.9 neue Soundkarten(öffnet im neuen Fenster) . Dazu zählen unter anderem Nuvoton NAU88C10, Realtek RT5660 und Realtek RT5663. Zudem wurden Probleme mit HD-Audio bei Dell-, Lenovo- und HP-Geräten behoben.
Der Quellcode von Linux 4.9 kann wie üblich auf Kernel.org(öffnet im neuen Fenster) bezogen werden. Alle Änderungen können im Log von Git(öffnet im neuen Fenster) eingesehen werden. Mit der Veröffentlichung von Kernel 4.9 ist auch das zweiwöchige Fenster für Einreichungen zu 4.10 geöffnet. Das wird aber wegen der Weihnachtsfeiertage spätestens am 23. Dezember geschlossen. Torvalds bittet die Entwickler, deren Patches nicht früh eingereicht werden können, diese auf 4.11 zu verschieben.



