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Kepler-452b: Die "zweite Erde", die schon wieder keine ist

Es wäre so schön, wenn wir endlich eine zweite Erde fänden! Doch so gut entsprechende Schlagzeilen klingen: Wir können es nicht - noch nicht.

Artikel von Florian Freistetter/Scienceblog veröffentlicht am
Die Nasa sucht nach bewohnbaren Planeten - aber noch können wir keine zweite Erde finden.
Die Nasa sucht nach bewohnbaren Planeten - aber noch können wir keine zweite Erde finden. (Bild: NASA Ames/W. Stenzel)

Die Nasa verkündet die Entdeckung eines Planeten, und die Schlagzeilen sind dramatisch: "Say Hello To Earth 2.0! Historic Kepler Discovery Suggests We Are Not Alone". Oder - nicht ganz so hysterisch: "Kepler Data Reveals What Might Be Best 'Goldilocks' Planet Yet". Und: "Das sagt die Nasa zur Entdeckung der 'zweiten' Erde". Mein Favorit ist: "Zweite Erde entdeckt! Keppler186f: NASA gibt auf Pressekonferenz Sensation und Jahrtausend-Nachricht bekannt". Eine Sensation und eine Jahrtausendnachricht! Es geht um den Planeten Kepler-452b.

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Die Nasa selbst ist in ihrer Pressemitteilung deutlich zurückhaltender und schreibt: "Die Kepler-Mission der Nasa hat einen größeren, älteren Cousin der Erde entdeckt." Der gefundene Planet ist um 60 Prozent größer als die Erde, und das ist schon ein ordentliches Stück mehr. Es handelt sich also um eine sogenannte Supererde und keinen erdähnlichen Planeten. Die Masse von Kepler-452b ist nicht bekannt. Man weiß nur, dass der Planet mindestens dreimal und höchstens siebenmal schwerer als die Erde ist. Daher weiß man auch nichts über die Zusammensetzung oder darüber, ob es sich um einen Himmelskörper mit fester Oberfläche handelt oder um einen kleinen, neptunähnlichen Gasplaneten.

  • Größenvergleich des Systems Kepler-452 mit dem System Kepler-186 und unserem Sonnensystem (Bild: Nasa/JPL-CalTech/R. Hurt)
  • Kepler-452b ist eine Supererde. Er ist gut anderthalb mal so groß wie unser Planet. (Bild: Nasa/JPL-Caltech/T. Pyle)
Kepler-452b ist eine Supererde. Er ist gut anderthalb mal so groß wie unser Planet. (Bild: Nasa/JPL-Caltech/T. Pyle)

Der Planet befindet sich in der habitablen Zone seines Sterns, was bedeutet, dass er nicht zu viel und nicht zu wenig Strahlung abbekommt und theoretisch flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche existieren könnte. Was nicht heißt, dass dort auch flüssiges Wasser existieren muss.

Der Stern, den Kepler-452b umkreist, ist 1.400 Lichtjahre entfernt, (vermutlich) um 20 Prozent heller als unsere Sonne, um 10 Prozent größer und 1,5 Milliarden Jahre älter. Mehr kann ich dazu nicht sagen, da der entsprechende Fachartikel nicht mit der Pressemitteilung veröffentlicht wurde und derzeit auch nicht anderweitig frei verfügbar ist.

Jede Menge interessante Entdeckungen

Das Weltraumteleskop Kepler hat also einen Planeten entdeckt, der sich in der habitablen Zone befindet und definitiv nicht erdähnlich ist. Das mag vielleicht für die Medien langweilig sein, die dankbar auf den Ausdruck "zweite Erde" anzuspringen scheinen. Für die Astronomie ist so eine Entdeckung natürlich trotzdem interessant. Vor allem, weil es nicht die Einzige ist! In der Pressemitteilung wurde auch erwähnt, dass jede Menge neue Planetenkandidaten entdeckt wurden; der Katalog von Kepler ist nun auf 4.696 Einträge angewachsen. Nicht alle davon sind im Detail nachträglich untersucht worden, aber Kepler-452b schon. Und die Bestätigung von Kepler-452b als Planet hat die Liste der bestätigten Planeten auf 1.030 Himmelskörper erhöht.

Das aus meiner Sicht eigentlich interessante Ergebnis wird vom Astronomen Jeff Coughlin in der Pressemitteilung so zusammengefasst: "Wir konnten unseren Prozess, um Planetenkandidaten zu identifizieren, voll automatisieren, was bedeutet, dass wir endlich auf jedes Durchgangssignal des gesamten Kepler-Datensatzes schnell und einheitlich zugreifen können", sagt Coughlin, Wissenschaftler am SETI-Institut in Mountain View in Kalifornien. Er hat die Analyse eines neuen Kandidatenkatalogs geleitet. "Das gibt Astronomen einen statistisch einwandfreien Bestand an Planetenkandidaten, um exakt die Zahl der kleinen, möglicherweise felsigen Planeten wie die Erde in unserer Milchstraßengalaxie zu bestimmen."

Statistik ist nicht aufregend, aber wichtig!

Statistik mag nicht so schlagzeilenkompatibel sein wie die "zweite Erde". Aber Statistik ist wichtig! Wenn wir Planeten nicht nur entdecken, sondern auch verstehen wollen, müssen wir über möglichst viele Bescheid wissen. Nur dann können wir herausfinden, welche Planeten normal sind, und bei welchen es sich um seltsame oder interessante Sonderfälle handelt. Nur so können wir verstehen, wie die Prozesse ablaufen, durch die Planeten entstehen, und wovon es abhängt, ob ein Stern von einem Planetensystem wie dem unseren umkreist wird oder nicht. Und nur dann können wir herausfinden, wie häufig Planeten wie unsere eigene Erde im Universum sind.

Wir können keine zweite Erde finden

Was wir aber definitiv nicht können, ist folgendes: Eine "zweite Erde" entdecken, so wie sich das die Öffentlichkeit meistens vorstellt. Also einen Planeten, auf dem die gleichen Bedingungen herrschen wie auf der Erde. Das können wir nicht, weil wir die dafür nötigen Instrumente noch nicht besitzen. Wir können momentan nur feststellen, wie groß ein Planet ist, wie schwer er ist, und wie weit entfernt er seinen Stern umkreist. Das reicht, um erdgroße oder erdschwere Planeten in der habitablen Zone zu entdecken - und das ist auch enorm interessant. Wie es auf dem Planeten tatsächlich aussieht, können wir so jedoch nicht herausfinden.

Die Venus ist das beste Beispiel dafür: Unser Nachbarplanet ist fast so groß wie die Erde. Er ist fast so schwer wie die Erde. Und - je nach Definition - befindet sich auch die Venus in der habitablen Zone der Sonne. Trotzdem ist die Venus alles andere als eine "zweite Erde", sondern so ziemlich der lebensfeindlichste Planet, den man sich nur denken kann - mit Oberflächentemperaturen von weit über 400 Grad Celsius. Das liegt unter anderem an der völlig anderen Atmosphäre der Venus - und an weiteren Gründen, zum Beispiel ihrem Magnetfeld.

Noch ein paar Jahre warten

Wollen wir wissen, wie die Bedingungen auf einem anderen Planeten wirklich sind, müssen wir zwingend auch die genaue Zusammensetzung seiner Atmosphäre kennen. Das schaffen wir mit den bisherigen Instrumenten nicht. Dazu müssen wir noch ein paar Jahre warten, bis die besseren Teleskope fertig sind, die derzeit gebaut werden.

Bis dahin werden Meldungen von einer zweiten Erde Falschmeldungen sein. Wie im April 2014, als das Weltraumteleskop Kepler eine "zweite Erde" entdeckt hatte. Es ging um den Planeten Kepler-186f, dessen Entdeckung mit Medienrummel begleitet wurde. Und Kepler-186f war bei weitem nicht die einzige zweite Erde, die bisher entdeckt worden ist. Das wurde 2012 schon mal behauptet, als man den Planeten GJ667c-b entdeckte, und davor 2011, als man den Planeten HD 85512b fand. Und es wurde noch in vielen anderen Fällen mal mehr und mal weniger laut gefeiert. Gestimmt hat es nie.

Wir werden die zweite Erde schon noch finden. Wenn die Erde kein Einzelfall ist und dort draußen weitere Himmelskörper mit entsprechenden Umweltbedingungen vorhanden sind, dann werden wir sie in den nächsten 20 Jahren entdecken. Aber jetzt geht das eben noch nicht. Was vermutlich nichts daran ändern wird, dass wir wohl auch in den nächsten Jahren immer wieder "Zweite Erde entdeckt!!"-Schlagzeilen und Pressemitteilungen lesen werden.

IMHO ist der Kommentar von Golem.de. IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)

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aha47 29. Jul 2015

Verfallen ins völlige Gegenteil ist natürlich Kontrast, aber nicht notwendigerweise...

aha47 29. Jul 2015

Genau, gut dass Golem uns vorher gewarnt hat.

aha47 29. Jul 2015

Soll das ein Witz sein? Alles schlecht reden, weil aktuell die Messinstrumente noch...

BadBigBen 29. Jul 2015

Ich sage zu all dem was geschrieben wurde, nur dies: "Scotty, beam me up, there is no...

Technikfreak 28. Jul 2015

Die Frage ist doch, reicht es nicht, wenn wir eine Erde kaputt-wohnen?


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