Keine Sterne: Leerer Bereich im All ist Himmelsobjekt aus dunkler Materie

Ein Forschungsteam unter Leitung von Alejandro Benitez-Llambay von der Universität Mailand-Bicocca hat einen Bereich des Weltalls untersucht, in dem erdgestützte Observatorien keine Sterne entdecken konnten. Erst die Analyse der Daten des Weltraumteleskops Hubble(öffnet im neuen Fenster) konnte bestätigen, dass es sich bei der sogenannten Cloud-9 um eine bisher nur theoretisch angenommene Wolke aus dunkler Materie mit einem geringen Anteil neutraler Wasserstoffmoleküle handelt.
Das Himmelsobjekt wurde in der Nähe der Spiralgalaxie Messier 94 entdeckt und ausgehend von den Beobachtungen interagiert es mit dieser durch Gasaustausch. Bezeichnet werden solche Wolken aus dunkler Materie als Relhics(öffnet im neuen Fenster) , was sich auf den zu geringen Wasserstoffanteil zur Formierung von Sternen bezieht.
Blick auf eine fehlgeschlagene Galaxie
Nicht zufällig klingt der Name nach dem englischen relic für Überrest. Das Forschungsteam nennt die Wolken fehlgeschlagene Galaxien, in denen sich zu wenig Gas befand, damit Sterne hätten entstehen können.
Entsprechend schwer sind Objekte wie Cloud-9 aufzuspüren, von denen es zumindest in der Theorie zahlreiche geben müsste. Weil sie aber kein Licht aussenden, sind sie nur schwer zu erkennen. Teleskope auf der Erde sind zudem nicht präzise genug, um das Vorhandensein von Sternen sicher ausschließen zu können.
Die Untersuchung mit Hubble ergab, dass die Wolke lediglich einen Durchmesser von 5.000 Lichtjahren besitzt, ein Zwanzigstel der Milchstraße. Während unsere Galaxie mutmaßlich nur zu 90 Prozent aus dunkler Materie bestehen dürfte, liegt der Massenanteil bei Cloud-9 bei 99,8 Prozent dunkler Materie.
Flüchtiges Gebilde
Die Forschungsgruppe will zudem nicht ausschließen, dass aus Cloud-9 noch eine Galaxie werden könnte, sollte sie weitere Materie einsammeln. Vergleichsweise stabil sei ein solches Objekt zudem nur in den vorliegenden Abmessungen.
Eine schwerere Wolke wäre kollabiert und hätte somit schließlich doch Sterne geformt, wäre also noch zu einer Galaxie geworden. In einer kleineren Wolke hingegen hätte sich der Wasserstoff zerstreuen und ionisieren können, so dass anschließend kaum noch etwas davon übrig geblieben wäre.