Keine Abschiebung: Zwei der Megaupload-Betreiber einigen sich mit USA

Zwei Programmierer von Megaupload haben mit den US-Behörden vereinbart: Sie werden in Neuseeland angeklagt, aber nicht in die USA abgeschoben.

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Mathias Ortmann (links) und Bram van der Kolk  im Jahr 2019
Mathias Ortmann (links) und Bram van der Kolk im Jahr 2019 (Bild: Hagen Hopkins/Getty Images)

Die beiden Mitbegründer von Megaupload, Bram van der Kolk und Mathias Ortmann, haben mit den USA eine Vereinbarung erzielt, nach der sie nicht von Neuseeland ausgeliefert werden. Das berichtete der New Zealand Herald unter Berufung auf den Anwalt der beiden Programmierer. Damit ist Kim Dotcom der einzige der früheren Betreiber, dem eine Abschiebung in die USA droht.

Van der Kolk und Ortmann würden vor neuseeländischen Gerichten mit ähnlichen Anklagen konfrontiert wie in den USA. Der Deal erfolgt zehn Jahre nach der Razzia, bei der sie zusammen mit Finn Batato, dem Marketingleiter von Megaupload, festgenommen wurden. Gegen Batato wurde das Auslieferungsverfahren eingestellt, weil er lebensbedrohlich an Krebs erkrankt ist.

In einer Erklärung von van der Kolk und Ortmann hieß es: "Neuseeland ist jetzt unsere Heimat und wir wollen hier bleiben." Die ständige Furcht vor der Abschiebung habe sie lange Jahre schwer belastet, und es sei an der Zeit, nach vorne zu blicken.

Hollywood-Studios hatten geklagt

Wegen des Vorwurfs schwerer Urheberrechtsverletzungen war die Plattform Megaupload auf Betreiben des US-Justizministeriums Anfang 2012 geschlossen worden. Dotcoms Villa wurde bei einer laut Dotcom brutalen Polizeiaktion durchsucht, Rechner und Speicher beschlagnahmt. Dem 48-Jährigen droht im Falle einer Abschiebung in die USA eine Strafe von bis zu 20 Jahren. Die US-Regierung wirft Dotcom unter anderem Geldwäsche, Erpressung und Betrug mittels elektronischer Kommunikationsmittel vor.

Im April 2014 verklagten die sechs Hollywood-Studios die ehemaligen Betreiber von Megaupload auf Schadensersatz. Megaupload habe durch den Verkauf von Premiumzugängen 150 Millionen US-Dollar und 25 Millionen US-Dollar durch Onlinewerbung verdient, erklärte die MPAA.

Megaupload betrieb laut FBI-Darstellung zahlreiche Server in mehreren Rechenzentren. Allein beim US-Provider Carpathia Hosting soll Megaupload rund 25 Petabyte Speicherplatz gemietet haben. Der Hoster stellte laut FBI mehr als 1.000 Server für Megaupload in Nordamerika zur Verfügung, darunter 525 in Ashburn im US-Bundesstaat Virginia. Zudem mietete Megaupload 36 Server bei dem Internetprovider Cogent Communications. In Europa mietete Megaupload mehr als 630 Server von Leaseweb in Rechenzentren in den Niederlanden, Belgien und Deutschland. Hinzu kamen 36 von Megaupload im Oktober 2011 gekaufte Server, die ebenfalls bei Leaseweb untergestellt waren.

Megaupload hatte 180 Millionen registrierte Nutzer

Megaupload war ein Sharehoster, der sich neben Werbung durch kostenpflichtige Premium-Zugänge finanzierte und so Zugriff auf illegale Kopien von Filmen und Spielen gewährt haben soll. Insgesamt beschäftigte Megaupload zu Spitzenzeiten rund 155 Personen. Neben dem Filehoster erweiterte Kim Schmitz, der sich 2010 in Kim Dotcom umbenannte, das eigene Produktportfolio kontinuierlich, unter anderem mit dem Video-Hosting-Service Megavideo oder dem Image-Hoster Megapix. Auch der Bereich Musik wurde mit Megabox abgedeckt.

Zudem launchte die Megaupload Limited den Onlinebezahldienst Megapay. Insgesamt betrieb das Unternehmen neben Megaupload bis zum Jahr 2012, also bis zur Stilllegung durch das FBI, 13 weitere Dienste. Die genannten Webseiten wurden in erster Linie zur illegalen Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Inhalten genutzt. Allein Megaupload war für rund vier Prozent des täglichen Internetverkehrs verantwortlich und verfügte über 180 Millionen registrierte Nutzer. Teilweise reichte es aus, den Titel eines aktuellen Kinofilms bei Google einzugeben, um diesen bei Megaupload beziehungsweise Megavideo zu finden und kostenlos anzusehen.

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