Kein Patch verfügbar: Forscher demonstrieren Windows-Passwortklau über den Browser
Sicherheitsforscher von Certitude haben eine bisher ungepatchte Schwachstelle aufgedeckt, die sowohl Chromium als auch Firefox und damit eine Vielzahl gängiger Webbrowser betrifft. Angreifer können damit überzeugende Phishing-Fallen aufstellen und Zugangsdaten abgreifen. Sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind, ist der Angriff selbst für technisch versierte Anwender schwer erkennbar. Ein Patch ist wohl nicht zu erwarten.
Die Forscher demonstrieren das Problem in einem kurzen Videoclip auf Youtube(öffnet im neuen Fenster). Dort ist ein Anwender zu sehen, der auf einer Webseite ein Cookie-Banner bestätigt. Daraufhin wird er scheinbar für einige Sekunden mit Grafikproblemen konfrontiert. Zum Schluss folgt ein Windows-Anmeldebildschirm, auf dem er sein Passwort eingibt, das sogleich beim Angreifer landet.
Vollbild ohne Warnung
Was dabei im Hintergrund passiert, schildern die Forscher in einem Blogbeitrag(öffnet im neuen Fenster). Bei dem Cookie-Banner handelt es sich demnach um eine Fälschung, die der Angreifer gezielt auf seiner Webseite platziert hat. Durch das Akzeptieren der Cookies bestätigt der Nutzer unbewusst, dass die Seite Inhalte im Vollbildmodus darstellen darf.
Normalerweise blendet der Browser daraufhin eine kurze Hinweismeldung ein, dass der Vollbildmodus aktiviert wurde und dieser mit der Esc-Taste wieder verlassen werden kann. Doch an dieser Stelle kommen die angeblichen Grafikprobleme ins Spiel. Diese werden als Ablenkung eingeblendet, so dass der Nutzer annimmt, der Browser oder sein System habe sich gerade aufgehängt.
Im Hintergrund werden währenddessen beispielsweise durch WebGL-Shader-Operationen mit einer Endlosschleife die GPU-Ressourcen des Systems ausgelastet. Dies hat zur Folge, dass der Browser den Vollbild-Hinweis nicht rendern kann. Gleichzeitig werden Tastatureingaben über die Keyboard-Lock-API(öffnet im neuen Fenster) blockiert. Der Nutzer müsste die Esc-Taste mehrere Sekunden gedrückt halten, um das zu umgehen.
Die hohe GPU-Auslastung wird so lange aufrecht erhalten, bis der Timer für die Warnmeldung abgelaufen ist, so dass der Nutzer diese niemals zu Gesicht bekommt. Laut Certitude funktioniert diese Täuschung in den meisten Fällen gut. In Einzelfällen kann der Vollbild-Hinweis aber noch kurz aufblitzen, was den Angriff bei aufmerksamen Nutzern unter Umständen auffliegen lässt.
Daten aus einem Google-Fenster
In der nächsten Phase blendet die Webseite im Vollbildmodus einen gefälschten Windows-Anmeldebildschirm ein, so dass Nutzer denken, irgendeine wichtige Systemkomponente sei abgestürzt und sie müssten sich neu einloggen. Im Hintergrund fängt die Phishingseite derweil die Tastatureingaben ab und leitet das eingetippte Passwort an ein vom Angreifer kontrolliertes System.
Name und Profilbild der Nutzers werden dabei durch ein paar CSS-Tricksereien aus einem "Mit Google anmelden"-Dialog übernommen, der auf der Seite des Angreifers eingebunden ist. Wirklich effektiv ist das also nur, wenn die Zielnutzer bei ihrem Google- und Microsoft-Konto jeweils den gleichen Namen und das gleiche Profilbild hinterlegt haben. Andernfalls besteht ein erhöhtes Risiko, dass attackierte Nutzer Verdacht schöpfen.
Allerdings dient der Windows-Log-in hier auch nur als Beispiel. Die Forscher betonen, dass sich durch den Vollbildmodus auch andere Szenarien vortäuschen lassen – beispielsweise ein Bluescreen sowie eine darauffolgende Abfrage des Bitlocker-Schlüssels. Forscher von Securonix hatten ebenfalls Anfang Januar vor Malware-Attacken gewarnt, bei denen die Angreifer den Vollbildmodus des Browsers ausnutzen.
Was Admins und Anwender tun können
Ob es für das beschriebene Problem irgendwann einen Fix geben wird, bleibt abzuwarten. Die Certitude-Forscher haben ihre Beobachtungen nach eigenen Angaben schon im Mai 2024, also vor rund zwei Jahren, an Mozilla und das Chromium-Projekt gemeldet. Bisher gebe es jedoch noch keine Hinweise, dass das Problem jemals gelöst werde, heißt es im Blogbeitrag. Auch Edge, Vivaldi und Brave dürften betroffen sein, da diese auf Chromium basieren.
Für Unternehmen schlägt Certitude vor, per Group Policy die Eingabe der Tastenkombination Strg+Alt+Entf vor der Anmeldung an Windows-Systemen zu forcieren, da diese von Webseiten nach Kenntnisstand der Forscher nicht abgefangen werden könne. Bei einer gefälschten Anmeldemaske bemerken Anwender dadurch eher, dass etwas nicht stimmt.
Darüber hinaus empfehlen die Forscher, Passwortabfragen auf ein absolutes Minimum zu beschränken und etwa von Single-Sign-on-Lösungen, Smartcards und anderen phishingresistenten Authentifizierungsmethoden Gebrauch zu machen. Zudem appellieren sie an die Nutzer: "Wenn Ihnen etwas seltsam vorkommt, geben Sie Ihr Passwort nicht ein!"
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