Kein FTTH-Baustau: Baugewerbe widerspricht Telekom-Chef

Das Baugewerbe sieht keinen Engpass bei der Kapazität für Tiefbau, um Glasfaser bis an die Häuser in Deutschland zu verlegen. Es gebe aber Probleme bei den Ausschreibungen der Netzbetreiber.

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Beim Straßenbau muss Glasfaser mit in die Erde
Beim Straßenbau muss Glasfaser mit in die Erde (Bild: ZDB)

Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZBD) hat Aussagen des Telekom-Chefs Timotheus Höttges widersprochen, nach denen es begrenzte Tiefbaukapazitäten für Glasfaser-Anschlüsse in Deutschland gebe. "Das Baugewerbe verfügt über ausreichende Tiefbaukapazitäten für den Bau von Glasfaseranschlüssen. Der ZDB begrüßt den Ausbau des Breitbandglasfasernetzes in Deutschland", sagte Verbandssprecherin Carin Hollube Golem.de auf Anfrage.

Höttges hatte begrenzte Möglichkeiten für den Tiefbau in Deutschland mit dafür verantwortlich gemacht, dass die Netzallianz sich keine Ziele für einen "weitgehend flächendeckenden Ausbau von gigabitfähigen Anschlüssen bis zum Jahr 2025" setzen kann. Höttges sagte, die Tiefbaukapazitäten reichten derzeit aus, um gerade einmal sechs Prozent der Haushalte pro Jahr anzuschließen. Eine komplette Versorgung würde sich also bis in die 2030er-Jahre hinziehen. Der Rückstau ist tatsächlich gewaltig: Deutschland ist 2016 zusammen mit Kroatien und Polen erstmals im FTTH-Europa-Ranking. Um in diese Statistik zu kommen, muss die Rate der FTTH/B-Teilnehmer mehr als ein Prozent der Gesamtanzahl der Haushalte betragen. Deutschland liegt jedoch nur auf dem vorletzten Platz des Rankings und damit hinter 27 anderen Staaten.

Angeblich sind es die Lohnkosten

Laut den Bauunternehmern liegt das Problem jedoch woanders. Hollube erklärte: "Aufgrund von gestiegenen Material- und Lohnkosten sind bei den aktuellen Ausschreibungen für den Bau von Glasfaseranschlüssen für die Betriebe keine auskömmlichen Preise zu erzielen. Mangelhafte Ausführungsunterlagen sowie erweiterte Qualifikationsanforderungen verringern die Bereitschaft zusätzlich, sich an Ausschreibungen zu beteiligen. Insofern sehen wir eher Handlungsbedarf bei den Auftraggebern, ihre Ausschreibungspolitik zu verbessern und zu vereinfachen", um in einem fairen Preiswettbewerb mehr Marktanbieter zu erreichen.

FTTH-Netzwerke amortisieren sich nach 25 Jahren. Das hatte Johann Widmer, Project Manager FTTH bei Wisi Communications, einem Systemanbieter für Netzwerke mit weltweit 650 Beschäftigten auf der Branchenmesse Anga Com im Jahr 2015 erklärt. Daher rechnet es sich für die Telekom nicht, FTTH zu errichten, da der Konzern Quartalsberichte mit Gewinnsteigerungsraten vorweisen will.

Die Telekom hat sich aus dem Glasfaserausbau bis auf einige wenige Projekte zurückgezogen. Bruno Jacobfeuerborn, Technik-Chef der Deutschen Telekom, sagte im April 2016 im Gespräch mit Golem.de, das Kerngeschäft sei "FTTC und Vectoring, also der Glasfaserausbau bis zu den grauen Kästen am Straßenrand, sowie mit FTTH in Neubaugebieten." Angaben zur Anzahl seiner Fiber-To-The-Home-Anschlüsse macht der Netzbetreiber weiterhin nicht, Vectoring wird beschönigend als Glasfaser bezeichnet. Die noch kleine Kabelnetzsparte der Telekom hatte im Juni bereits 155.000 Kunden. Dabei wird die Glasfaser bis an das Haus verlegt (Fiber To The Building) und inhouse auf Koaxialverkabelung gesetzt.

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