Kein Docsis 3.1: Stadtnetzbetreiber baut sein Koaxialkabel lieber ab

Eine Aufrüstung des Koaxialkabels hält Wilhelm.tel für herausgeworfenes Geld. Statt hier alles aufzurüsten, setzt der lokale Netzbetreiber lieber gleich auf Glasfaser. Der Hauptkonkurrent sei Vodafone, nicht die Telekom.

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Kein Koax, sondern lieber gleich Glasfaser bei Wilhelm.tel.
Kein Koax, sondern lieber gleich Glasfaser bei Wilhelm.tel. (Bild: Public Domain)

Eine Aufrüstung seines TV-Kabelnetzes mit Docsis 3.1 hält Wilhelm.tel für nicht sinnvoll. Der Geschäftsführer des lokalen Betreibers aus Norderstedt, Theo Weirich, sagte am 18. April 2018 bei einem Journalistenabend des Buglas (Bundesverband Glasfaseranschluss) in Köln: "Wir haben selber HFC (Hybrid Fiber Coax). Das bauen wir ab. Für Docsis 3.1 müssten wir inhouse im Gigahertzbereich ausbauen. Das ist teurer als Glasfaser zu verlegen."

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Die Kabelnetzbetreiber Vodafone, Unitymedia und Pÿur wollen dagegen mit ihrem HFC in Kürze Gigabitdatenraten anbieten. Um Koaxialnetze zu modernisieren, müssen aber auch die veralteten Erdabzweiger mit 450 MHz durch 1.200 MHz ersetzt werden. Die Tiefbaukosten fallen in jedem Fall an und könnten auch für Glasfaser eingesetzt werden. Um die Daten schneller zu transportieren, sei auch mehr Energie notwendig. Koaxial entspräche zudem nicht dem Open-Access-Gedanken, bei dem mehrere Anbieter einen Endkunden gleichzeitig versorgen können. Daher halten es auch andere für sinnvoll, die bestehenden Koaxialnetze direkt durch Glasfaser zu ersetzen.

Buglas: Telekom sucht Partner

Wilhelm.tel, M-net und Netcologne seien am 18. April 2018 bei der Deutschen Telekom gewesen, um zu verhandeln, sagte Weirich. "Sie zeigen Bereitschaft. Die Telekom ist interessiert, gemeinsam mit uns bei Deregulierung und Netzausbau etwas aufzubauen. Vodafone und Unitymedia haben dagegen ein abgeschlossenes Netz, wo wir nicht herankommen." Vodafone sei der Hauptwettbewerber, nicht die Telekom. Doch auch die Kabelnetzbetreiber müssten sich öffnen, ein Vorleistungsprodukt der Kabelnetzbetreiber werde kommen, erklärte Weirich. Doch das umzusetzen, sei technisch sehr anspruchsvoll.

Das Diginetz-Gesetz bedrohe dagegen Unternehmen, die als erstes Glasfaser ausbauten. Die Bundesnetzagentur versteht das Diginetz-Gesetz so, dass mehrere Leerrohr- und Glasfaserkabel nebeneinander im Sinne des Gesetzgebers seien. Darum werden kommunale Unternehmen, die Open-Access-Netzwerke ausbauen, gezwungen, Konzernen wie der Deutschen Telekom und Unitymedia das Überbauen zu geringer Kostenbeteiligung zu ermöglichen. Wenn ein Unternehmen einen fairen Open Access anbiete, könne es keinen Grund geben, das Netz per Gesetz zu überbauen, sagen Kritiker vom Buglas.

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Hier sind gegenwärtig bei der Bundesnetzagentur laut Timo von Lepel, Geschäftsführer von Netcologne, 20 Verfahren anhängig. Das Gesetz müsse geändert werden, sonst lohne sich der Ausbau für den nicht, der als Erster beginne.

Netcologne erlebe gerade beim Ausbau der zehn größten Gewerbegebiete in Köln, dass die Telekom einen parallelen Glasfasernetzausbau betreibe. "Obwohl wir einen Vertrag haben, nachdem die bei uns Leistungen einkaufen können", sagte von Lepel. "Die kaufen nicht annähernd bei Dritten so viel Vorleistung ein, wie Dritte bei ihnen einkaufen." Ihre Fähigkeit als Kooperationspartner müsse die Telekom erst noch beweisen.

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