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Kehrtwende: Zeiss verwirft bisherige SAP-Strategie

Der geplante SAP-Neustart bei Zeiss ist vom Tisch. Stattdessen soll zunächst die bestehende ERP-Umgebung auf S/4HANA übertragen werden.
/ Przemyslaw Szymanski
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Logo von Zeiss (Symbolbild) (Bild: DAMIEN MEYER/AFP via Getty Images)
Logo von Zeiss (Symbolbild) Bild: DAMIEN MEYER/AFP via Getty Images

Der Optikkonzern Zeiss richtet seine laufende SAP-Migration neu aus. Wie The Register(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf einen Unternehmenssprecher berichtet, wird der ursprünglich geplante vollständige Neuaufbau des ERP-Systems nicht fortgesetzt. Das Unternehmen wechselt damit von seinem bisherigen Greenfield-Konzept zu einem stärker an der vorhandenen Systemlandschaft orientierten Vorgehen.

Zunächst soll die bestehende ERP-Umgebung auf S/4HANA übertragen werden. Anschließend können die einzelnen Zeiss-Sparten darauf zugeschnittene Anwendungen und Konfigurationen ergänzen. Entstehen soll ein konzernweiter technischer Kern, der gemeinsame Abläufe abbildet und zugleich Unterschiede zwischen den Geschäftsbereichen berücksichtigt. Da Zeiss nicht bei null beginnt, sondern die vorhandene Umgebung weiterverwendet, wird dieses Vorgehen als Brownfield-Migration bezeichnet.

Mit der Neuausrichtung will Zeiss nach eigenen Angaben schneller vorankommen und den verschiedenen Anforderungen innerhalb des Konzerns besser gerecht werden. Welcher konkrete Anlass den Strategiewechsel zu diesem Zeitpunkt auslöste, teilte das Unternehmen nicht mit. Zeiss verwies lediglich darauf, dass größere Projekte fortlaufend überprüft und bei veränderten Bedingungen angepasst würden. SAP äußerte sich gegenüber The Register nicht zu der Entscheidung.

Greenfield-Migration sollte Altlasten beseitigen

Die ursprünglichen Pläne entwickelten sich über mehrere Jahre. Seit 2017 arbeitete die IT nach Angaben von Zeiss-CIO Carsten Trapp(öffnet im neuen Fenster) an der SAP-Transformation. Im Jahr 2020 erkannte der Vorstand, dass der Wechsel auf S/4HANA ein umfangreiches und langfristiges Vorhaben werden würde. Im weiteren Verlauf entschied sich der Konzern für die Greenfield-Migration.

Bei diesem Verfahren wird das ERP-System weitgehend neu aufgebaut. Anpassungen und Sonderlösungen aus der bisherigen Umgebung werden nicht automatisch übernommen. Dadurch lassen sich Abläufe stärker vereinheitlichen und technische Altlasten entfernen. Trapp bezeichnete den Ansatz 2024 als seltene Gelegenheit, Probleme aus rund 30 Jahren SAP-Nutzung zu beseitigen.

Für die neue Standardlösung hatte Zeiss vier Pilotprojekte vorgesehen. Drei davon waren zum Zeitpunkt des CIO-Berichts bereits im Einsatz, das vierte sollte im Oktober 2024 folgen. Anschließend wollte der Konzern das entwickelte System schrittweise bei mehr als 150 Gesellschaften weltweit einführen. Der Abschluss war bis 2030 geplant.

SAP-Projekt soll 200 Millionen Euro gekostet haben

Nach einem Bericht von Bloomberg(öffnet im neuen Fenster) sollen bisher rund 200 Millionen Euro in das Projekt geflossen sein. Zeiss wollte diese Angabe laut The Register nicht kommentieren.

Dass die SAP-Einführung zusätzliche Ausgaben verursacht, hatte das Konzernunternehmen Carl Zeiss Meditec bereits eingeräumt. Finanzvorstand Justus Felix Wehmer führte gestiegene Verwaltungskosten Ende 2025 unter anderem auf die Einführung von S/4HANA zurück. Im Mai 2026 erwartete er, dass die projektbedingten Belastungen in den folgenden zwei bis drei Jahren ihren Höhepunkt erreichen würden.

Einen überarbeiteten Zeitplan für die konzernweite Umstellung nannte Zeiss nicht. Daher ist unklar, ob der bisher vorgesehene Abschluss im Jahr 2030 weiterhin erreichbar ist. Auch dazu, wie sich die Neuausrichtung auf die bereits umgesetzten Pilotprojekte auswirkt, machte das Unternehmen keine Angaben.


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