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Keeper im Kurztest: Ausflug mit unserem Lieblings-Leuchtturm

Ein Leuchtturm auf Wanderschaft, ein Vogel als Begleiter: Keeper von Double Fine ist ein charmantes und seltsames Abenteuer (PC, Xbox).
/ Peter Steinlechner
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Szene aus Keeper (Bild: Bild: Microsoft / Screenshot: Golem)
Szene aus Keeper Bild: Bild: Microsoft / Screenshot: Golem

In Computerspielen haben wir schon Soldaten, Piraten, Katzen und Paketboten gesteuert – aber noch nie einen Leuchtturm. In Keeper, dem neuen Spiel von Double Fine(öffnet im neuen Fenster) (Psychonauts), dürfen wir genau das tun: eine stumme, leicht rostige, aber erstaunlich wendige Turmkonstruktion, die sich mit schweren Schritten durch eine seltsam verträumte Küstenlandschaft bewegt.

Am Anfang steht ein kleiner Unfall. Ein grüner Vogel, Flatter genannt, wird von seinem Schwarm getrennt und landet unsanft auf dem Dach des einsamen Leuchtturms. Statt sich zu beschweren, beschließt der Turm kurzerhand, selbst auf Reisen zu gehen: Der Leuchtturm wird zum Laufturm.

Mit seinen metallenen Spinnenbeinchen stapft er durch neblige Felsformationen, knorrige Wälder und windige Strandlandschaften, immer begleitet von Flatter.

Das Licht an seiner Spitze ist nicht nur Zierde: Mit dem rechten Bumper richten wir es aus, mit dem rechten Trigger bündeln wir den Strahl. Damit lassen sich Pflanzen zum Wachsen bringen, Brücken aktivieren oder verborgene Wege erleuchten.

Gesteuert wird das Duo fast ausschließlich über einfache Tasteneingaben. Flatter hilft, indem er Wurzeln löst oder kleine Mechanismen in Gang setzt – per X-Taste, wenn wir in der Nähe sind.

Dialoge oder gesprochene Texte gibt es keine, nur kurze Hinweise am Bildschirmrand, die erklären, was gerade zu tun ist. Trotz der Schlichtheit wirkt Keeper fast wie ein klassisches Adventure: Wir suchen Perlen und setzen sie in Fassungen oder kombinieren Elemente in der richtigen Reihenfolge und öffnen so neue Abschnitte.

Die Welt selbst ist wunderschön, aber oft auch etwas überladen. An manchen Stellen verlieren wir den Überblick, weil alles gleichzeitig glüht, schimmert oder wogt. Das macht die Steuerung des Lichtstrahls fummeliger, als sie sein müsste – besonders wenn Präzision gefragt ist.

Ab und zu sind wir hängengeblieben, weil wir einen Schalter übersehen haben oder ein Pfad im visuellen Chaos verschwindet. Verlaufen kann man sich trotzdem nicht: Keeper führt auf einem klaren, linearen Weg in rund sechs Stunden bis ins Finale.

Was Double Fine großartig gelingt, ist die emotionale Ebene. Der Leuchtturm selbst zeigt keinerlei Mimik, kein Gesicht, und trotzdem fühlt sich seine Beziehung zu Flatter erstaunlich warm an.

Wenn sich beide kurz verlieren und wiederfinden, ist das herzerweichender als viele aufwendige Zwischensequenzen anderer Spiele. Stilistisch erinnert das Ganze an einen animierten Tim-Burton-Film: düster, charmant, leicht melancholisch und voller feiner Details.

Keeper ist für Xbox Series X/S und Windows-PC (Steam, Microsoft Store) erhältlich. Außerdem ist es im Xbox/PC Game Pass enthalten – in den Abos, die momentan Day One erlauben. Mikrotransaktionen, Multiplayer und Sprachausgabe gibt es nicht, die wenigen Bildschirmtexte sind gut übersetzt. Die USK hat eine Altersfreigabe ab 12 Jahren erteilt.

Fazit

Keeper ist ein ungewöhnliches, liebevoll gestaltetes Abenteuer über Licht, Verlust und Freundschaft – und darüber, wie selbst ein unbewegliches Bauwerk in Bewegung geraten kann. Spielerisch gibt es kleinere Schwächen bei Steuerung und Übersicht, doch Atmosphäre und Charme machen das mehr als wett.

Am Ende bleibt das Gefühl, ein kleines, eigenwilliges Stück Spielegeschichte erlebt zu haben. Technisch vielleicht nicht ganz perfekt – aber kreativ, herzlich und unverwechselbar.


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