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KDE Visual Design Group: Open-Source-Prinzipien gelten auch für Design

Die Visual-Design-Gruppe von KDE räumt mit dem Mythos des allein arbeitenden Design-Genies auf. Offene Diskussionen und sehr viel Interaktion mit Entwicklern sind aber nicht immer einfach, wie die Mitglieder auf der Akademy verraten.
/ Sebastian Grüner
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Einige der Beteiligten der KDE Visual Design Group (Bild: KDE VDG)
Einige der Beteiligten der KDE Visual Design Group Bild: KDE VDG

Eine kaputte Windows-Installation mit nicht mehr benutzbarem Photoshop war der Grund, warum Jens Reuterberg auf Linux wechselte. Ein Freund wies ihn auf das freie System hin. Die Anwendung Krita(öffnet im neuen Fenster) überzeugte ihn für seine Illustrator-Tätigkeit so sehr, dass er bei der freien Software geblieben ist. Nach einigen Design-Studien für Icons und Logos haben KDE-Hacker ihn im Januar zu einem Sprint eingeladen(öffnet im neuen Fenster), er blieb in der Community und hat die Visual-Design-Gruppe(öffnet im neuen Fenster) (VDG) in KDE gegründet.

"Es waren alle schon da, aber Jens verknüpft die Leute und bringt das Projekt voran", sagt einer der Beteiligten über Reuterberg. Dabei hilft ihm inzwischen die Firma Blue Systems, die seine Arbeit in Vollzeit sponsert. Im Gespräch mit Golem.de sagte Reuterberg er mache nur noch "ein paar Illustrator-Jobs, um damit vertraut zu bleiben".

Inzwischen ist der sehr aktive Kern der VDG auf etwa 10 Personen angewachsen, der Psychologen, Entwickler und Designer umfasst. Deren technischer Hintergrund variiert individuell dabei jedoch sehr stark. Das Zentrum und der Organisator ist in den meisten Fällen aber Reuterberg.

Jede Idee ist willkommen

Ein Grund für das schnelle Wachstum ist die einnehmende Art Reuterbergs, der sich selbst als "Wishy-Washy-Artist" beschreibt, eine digitale Uhr als Tatoo auf seinem rechtem Handgelenk trägt und oft sehr schnell über seine Ideen spricht. Diese Art der Kompromisslosigkeit und Kreativität strahlt auf die gesamte Gruppe aus.

So berichtet etwa Andrew Lake, der Boardelektronik entwickelt, in seinem Vortrag das jeder Beitrag, jede Idee offen angenommen werde und anschließend konstruktiv diskutiert werde. Dabei sind die tatsächlichen Fähigkeiten zunächst nicht entscheidend. Wichtig ist allein der Beitrag, egal ob nur ein Icon verbessert wird oder eine gesamte Anwendungen umgestaltet werden soll.

Das wichtiges für alle ist es, eine Athmosphäre zu erzeugen, in der jeder teilhaben möchte. Damit will das Team dem Anspruch von Open Source und nicht zuletzt der KDE-Community selbst gerecht werden. Dazu gehört es mit einem guten Beispiel voran zu gehen und unter keinen Umständen destruktives Verhalten zu tolerieren, sagte Lake.

Dazu gehören insbesondere Kritiken wie "das sieht nicht gut aus", Diskussionsbeiträge müssen immer begründet werden. Bei rein ästhetischen Meinungsverschiedenheiten, etwa einer Farbwahl, wird versucht eine Mehrheitsentscheidung zu treffen, mit der sich die meisten arrangieren können.

Ein langer Weg der Verständigung

Damit sich die Redewendung Viele Köche verderben den Brei nicht bewahrheitet, setzt das Team auf sogenannte Resident-Designer. Lake vergleicht diese mit den Maintainern eines bestimmten Codebestandteils. Sie haben in bestimmten Fälle eine gewisse alleinige Entscheidungsgewalt und dienen als Schnittstelle zwischen den Designern und den Entwicklern.

Lake sieht das Team aber noch in der Entstehungsphase, der Prozess einen geeigneten Arbeitsablauf zu finden sei noch lange nicht abgeschlossen, auch wenn das Team schon viele sichtbare Erfolge aufweisen kann. Der Grund dafür ist, dass das Team den Anspruch verfolgt, möglichst schnell neue Ideen umzusetzen und auch zu veröffentlichen. Bestes Bespiel dafür ist das neue Breeze-Design, das zwar noch nicht abgeschlossen ist, aber dennoch überzeugt.

Um dabei niemanden vor den Kopf zu stoßen, kommuniziert die VDG viele ihrer Entwürfe lange vor der eigentlichen Implementierung und passt das Aussehen bestimmter Elemente entsprechend den abgegebenen Kommentaren an. Die Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen ist dabei jedoch mitunter sehr schwierig.

Verständnis für das Gegenüber

Es mag sehr banal klingen, aber dennoch versuchen Reuterberg und Thomas Pfeiffer, der zurzeit in Psychologie promoviert, in ihrem Vortrag ein großes Bewusstsein für die Unterschiede der verschiedenen beteiligten Gruppen zu schaffen. Erst damit ließe sich eine verlässliche Kommunikation aufbauen.

So beschreibt Reuterberg etwa, dass Designer anders Denken als ein Großteil vieler Open-Source-Entwickler. So scheuen beispielsweise diejenigen, die am Beginn ihrer Laufbahn stehen, sehr häufig eine öffentliche Diskussion, weil sie Angst davor haben, ein zukünftiger Arbeitgeber könnte sehr schlechte Ideen und harsche Kritiken an ihren Entwürfen im Web wieder finden.

Darüber hinaus müssen sowohl Entwickler als auch Designer an einem stetigen hin und her der Diskussion interessiert sein und Vertrauen in die Fähigkeiten des anderen aufbauen. Nur mit diesem Vertrauen ließe sich eine langfristige Vision umsetzen, glaubt Reuterberg.

Besonders hilfreich für diese Art der Interaktion sei zudem die Teilhabe an den Fähigkeiten des Gegenübers. So sollten sich die Programmierer aktiv an der Design-Arbeit und den Entwürfen beteiligen, ebenso sollten die Designer, deren Fokus häufig nur ein perfektes Aussehen ist, zumindest versuchen Code zu schreiben. Dank QML und QtQuick wird dies immerhin ein wenig vereinfacht.


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