KDE-Desktop: Plasma 5.5 ermöglicht Wayland-Tests

Ende August dieses Jahres zeigten die KDE-Entwickler erstmals eine technische Vorschau auf eine Wayland-Sitzung des Plasma-Desktops. Wirklich funktionsfähig war die aber noch nicht, da die Technik hauptsächlich für das Phone-Projekt entstanden war. Mit dem nun veröffentlichten Plasma 5.5(öffnet im neuen Fenster) sind die Grundfunktionen auf das klassische Desktop-Erlebnis erweitert worden.

Der wohl größte Vorteil dieser Technik ist die Umsetzung der Bildschirmsperre, die nun im Vergleich zu X11 wesentlich sicherer sein soll. Die konzeptuellen Nachteile von X11 bei einer Sperre des Displays sind seit mehreren Jahren bekannt und führten beim Auftreten von Fehlern in der Implementierung bei Ubuntu zu der Einschätzung, dass dies bei einem besseren Design von vornherein hätte vermieden werden können. Details dazu hat der Entwickler Bhushan Shah in seinem Blog(öffnet im neuen Fenster) zusammengefasst.








Für die Wayland-Sitzung hat das Team darüber hinaus ein Protokoll für die Verwaltung von Displays erstellt, das aber noch ausgebaut werden soll. Ebenso gibt es nun eines, um Kwin-Effekte zu kontrollieren, wozu auch das Verschwimmen des Hintergrunds von Fenstern gehört. Neben grundlegenden Funktionen wie etwa dem Verschieben der Fenster, ist jedoch zum Beispiel die Integration der eigentlichen Shell des Plasma-Desktops noch nicht vollständig. Noch nicht möglich ist etwa Drag-n-Drop oder der Start von Gtk-Anwendungen unter Wayland.
Noch kann zwar keine X-Sitzung ersetzt werden, für besonders experimentierfreudige Nutzer sollte die derzeitige Wayland-Unterstützung in KDE Plasma aber für einen ersten Blick ausreichen. Die Entwickler fordern deshalb dazu auf, so viele Fehler wie möglich im Umgang mit dem designierten X11-Nachfolger zu melden. Bereits bekannte Fehler und noch nicht unterstützte Funktionen listet das Team in seinem Wiki(öffnet im neuen Fenster) .
Neue und alte Technik in der Kontrollleiste
Zusätzlich zu Arbeiten am Hintergrund wie der Wayland-Technik sind für Plasma 5.5 einige neue Applets entstanden, die Hilfreiches bieten. So ist nun etwa der Wechsel zwischen Nutzern an demselben Gerät aus einer laufenden Sitzung heraus wesentlich einfacher, da dies über ein Applet oder auch im Startmenü ausgeführt kann. Ebenfalls hilfreich für den Einsatz von Plasma als Desktop in Umgebungen mit mehreren Benutzern ist ein Applet zur Anzeige der Speicherplatzbegrenzung (Disk Quota).








Das in dem Plasma-Desktop verfügbare Konzept der Aktivitäten ist mit Hilfe eines Pagers nun außerdem einfacher virtualisierbar. Gezeigt werden in dem Pager die laufenden Aktivitäten sowie die mit diesen jeweils verknüpften Fenster. Überarbeitet haben die KDE-Entwickler für Plasma 5.5 auch das Applet zur Netzwerkverwaltung(öffnet im neuen Fenster) , das nun bessere Unterstützung für OpenVPN bietet und eine Validierung für die Konfigurationen von WPA/WPA2-Enterprise.
Das in dem Port auf Qt5 zunächst nicht bedachte Werkzeug zur Farbauswahl steht in Plasma 5.5 wieder als Applet für die Kontrollleiste bereit. Damit lassen sich die Farbwerte in verschiedenen Formaten wie Hex-Code oder RGB schnell in die Zwischenablage kopieren. Wieder eingeführt haben die Entwickler auch die Möglichkeit, Icons von Anwendungen in der Kontrollleiste abzulegen, auch wenn diese den Status-Notifier-Standard nicht unterstützten. Eigentlich hatte das Team dies vermeiden wollen, kommt damit aber nun einem Wunsch der Nutzer nach.
Noch mehr Design-Verbesserungen
Auch für Plasma 5.5 hat das Design-Team von KDE weiter an dem Breeze-Theme gearbeitet. Es soll nun konsistenter sein und noch mehr Symbole in diesem Stil zeigen. Die Übersicht zum Auffinden der Plasmoids genannten Miniprogramme ist nun zudem zweispaltig. Als Schriftfamilie werden in dem Plasma-Desktop jetzt standardmäßig die Noto Fonts genutzt, die von Google initiiert wurden. Ein neues Aussehen hat auch die Anwendung Discover bekommen, mit der Software einfach installiert werden kann. Das angepasste Design soll Nutzern den Umgang mit diesem Softwarecenter von KDE erleichtern.
Eine Übersicht über sämtliche Neuerungen findet sich im Changelog(öffnet im neuen Fenster) .



