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Kaufzwang für Mercedes, Audi, Porsche: Ökonomen kritisieren AfD-Pläne für Autoindustrie

Die AfD fordert für Behörden eine Kaufverpflichtung für Autos aus baden-württembergischer Produktion. Ökonomen halten dies für gefährlich.
/ Friedhelm Greis
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Produktion von Luxusautos der Marke Maybach im Mercedes-Werk in Sindelfingen (Bild: Wolfgang Rattay/Reuters)
Produktion von Luxusautos der Marke Maybach im Mercedes-Werk in Sindelfingen Bild: Wolfgang Rattay/Reuters

Die wirtschaftspolitischen Forderungen der AfD anlässlich der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 8. März 2026, stoßen auf Kritik führender Ökonomen. Die Pläne "werden enormen wirtschaftlichen Schaden für Deutschland und insbesondere für die Menschen in Baden-Württemberg verursachen" , sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, dem Handelsblatt(öffnet im neuen Fenster) (Paywall). Das betrifft demnach vor allem Forderungen, "um die Automobilindustrie in Baden-Württemberg zu retten."

Die vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD schreibt in ihrem Programm(öffnet im neuen Fenster) (PDF) für die Wahl, dass sie ein Buy-BW-Programm aufsetzen wolle, "durch das alle öffentlichen Unternehmen und Behörden des Landes verpflichtet wären, für ihren Fuhrpark künftig nur noch Automobile aus baden-württembergischer Produktion zu erwerben."

Widersprüchliche Angaben im Programm

Um dies zu ermöglichen, müssten dem entgegenstehende europa- und bundesrechtliche Regelungen entsprechend geändert werden. Zudem würde eine künftige Landesregierung "den Druck auf den Bund und die Europäische Union erhöhen, um das EU-Verbrennerverbot zu kippen und weitere wirtschafts- und arbeitnehmerfeindliche Maßnahmen wie Lieferkettengesetze und -richtlinien wieder aufzuheben."

In einer anderen Passage des Programms heißt es moderater, dass die öffentlichen Unternehmen und Behörden "bevorzugt" Autos aus baden-württembergischer Produktion anschaffen sollen. Dies ersetze keine Marktmechanismen, "setzt aber ein deutliches Bekenntnis zum eigenen industriellen Fundament."

Sollte die AfD-Forderung umgesetzt werden, dürften Behörden nur noch Pkw der Oberklassemarken Mercedes-Benz, Porsche und Audi kaufen. Diese drei Hersteller haben Werke in Baden-Württemberg.

"Eklatante Inkompetenz"

Nach Einschätzung Fratzschers würde der von der AfD geforderte Kurs des Protektionismus und der Abschottung "der offenen deutschen Volkswirtschaft am meisten schaden" . Die Vorschläge seien Ausdruck "eklatanter Inkompetenz bei Fragen der Wirtschaftspolitik" . Kritik an den Plänen kam auch vom Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, und von der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm.

"Buy-BW-Klauseln sind weder zielführend noch umsetzbar" , sagte Grimm dem Handelsblatt. Stattdessen sei technischer Fortschritt der richtige Weg, um die traditionellen deutschen Industrien halten zu können. "Dafür gilt es auch, Regulierung abzubauen und anzupassen, zum Beispiel beim Datenschutz, bei KI, bei Gentechnik oder Nukleartechnik."

Ifo-Chef Fuest verwies darauf, dass die Buy-BW-Idee "mit allen möglichen rechtlichen Regelungen in Konflikt" stehe, die die Landespolitik nicht ändern könne. Das Land habe wegen der starken Orientierung auf den Export zudem ein größeres Interesse an offenen Märkten als fast alle anderen deutschen Regionen.

Laut einer aktuellen Umfrage(öffnet im neuen Fenster) kommt die AfD in Baden-Württemberg auf einen Stimmanteil von 20 Prozent. Die CDU erhält 29 Prozent, während die regierenden Grünen mit 23 Prozent an zweiter Stelle liegen. SPD, Linke und FDP kommen auf Werte von weniger als zehn Prozent.


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