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Kaufland und Tomra: Wie der Pfandautomat mit Leergut-Einschütten funktioniert

Eine 360°-Erkennungseinheit ist eines der Geheimnisse der neuen Multi-Feed-Pfandautomaten. Pfandbons selbst drucken geht weiterhin nicht.
/ Achim Sawall
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Alle auf einen Streich (Bild: Tomra)
Alle auf einen Streich Bild: Tomra

Kaufland hat an fünf Standorten neue Pfandautomaten des Herstellers Tomra in Betrieb genommen, in die man Taschen voller Leergut auf einmal ausleeren kann. Golem.de hat mit dem norwegischen Unternehmen über die Technologie gesprochen, warum Pfandautomaten oft nerven und wie Pfandbons gegen Betrug gesichert werden.

Eine Tomra-Sprecherin sagte Golem.de, dass das Multi-Feed-System Tomra R2 es erlaube, leere Gebinde einfach in den Automaten zu entsorgen, statt Flaschen und Dosen einzeln einzuwerfen: "Herzstück ist ein Förder- und Vereinzelungssystem, das eine kontinuierliche Rückgabe unterschiedlicher Gebindearten ermöglicht – von PET- und Glasflaschen bis zu Aluminiumdosen, egal ob Einweg oder Mehrweg. Nach dem Einwurf über eine geneigte Eingabeluke gelangen die Gebinde in ein Schaufelrad, das für die präzise Vereinzelung verantwortlich ist."

Darüber gehe es dann auf ein Förderband, bevor das Pfandgut nacheinander zu einer 360°-Erkennungseinheit geleitet werde. Diese Technologie identifiziere "Form, Material, Barcode und weitere Merkmale" , sagte die Tomra-Sprecherin. Einweggebinde würden anschließend automatisch zerdrückt, in der Fachsprache "kompaktiert" , erkannte Mehrwegflaschen sortiert und in Getränkekisten geführt. "Dabei geht es um ein Zusammenspiel von Mechanik, Sensorik und Software" , sagte sie.

Eindimensionale Scanner kosten Lebenszeit

Nicht erkennbare oder nicht pfandpflichtige Behälter werden weiterhin direkt an den Kunden zurückgegeben. Viele Nutzer von Pfandautomaten sind genervt, wenn sie solches Leergut mehrfach einlegen müssen, bis der Strichcode erkannt wird.

"Die Ursache liegt meist im Alter der Automaten und der verwendeten Technologie zur Objekterkennung. Viele ältere Modelle arbeiten mit eindimensionalen Scannern, die einen eingeschränkten Sichtbereich haben. Ist der Barcode nicht exakt ausgerichtet, kann er nicht erkannt werden, was zu wiederholten Einlegeversuchen führt" , erklärte die Sprecherin. Andere Rücknahmesysteme setzten auf eine 360°-Erkennungstechnologie: Hier wird das Gebinde rundum gescannt, unabhängig davon, wie es eingelegt wird.

Wem gefiele es nicht, sich Pfandbons mit einer Bildbearbeitung selbst regelmäßig von 2,56 Euro auf 22,56 Euro aufzuwerten? Die Strichcodes auf Pfandbons sind nicht verschlüsselt oder anderweitig geschützt, daher können sie gescannt und bearbeitet werden.

Doch Tomra verwendet das Verfahren Electronic Receipt. "Jede Rückgabe wird digital registriert: Eine elektronische Version des Pfandbons – der Digital Twin – wird in Echtzeit an die Kasse übermittelt. Erst wenn der ausgedruckte Bon dort mit dem digitalen Zwilling übereinstimmt, wird die Auszahlung freigegeben" , so die Sprecherin.

Ein gefälschter Bon ohne digitale Registrierung habe keine Gültigkeit. Ein Betrug wäre nur möglich, wenn ein Hacker auch die Kasseninfrastruktur kompromittiert – was technisch ein komplexes Ziel wäre.

Nachtrag vom 24. April 2025, 11:06 Uhr

In einigen Ländern bietet Tomra die Möglichkeit, Pfandbons digital über das Smartphone zu empfangen – zum Beispiel via App oder QR-Code-Scan am Automaten. Nach der Leergutrückgabe muss man den Verarbeitungsvorgang dadurch nicht abwarten. Für den deutschen Markt ist diese Funktion noch nicht verfügbar.


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