Der direkte Weg ist nicht der effizienteste

Gesteuert wird das Schiff von einem komplexen Computersystem. Auf einem großen Bildschirm in der Messe lassen sich die aktuellen Energiewerte ablesen: Welches System liefert aktuell Leistung? Welches nimmt Leistung auf? Wie viel? Wie ist der Füllstand der Wasserstofftanks, wie der Ladestand der Akkus? Auf Unterseiten können die Besatzungsmitglieder Details über die verschiedenen Systeme und ihren Status abrufen.

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Es errechnet aber auch den Kurs für das Schiff. Entscheidend ist dabei nicht unbedingt der kürzeste Weg zum Ziel, sondern der energieeffizienteste. Clean Energy Route nennt Devedeux, der an der Entwicklung des System mitarbeitet, diese Art der Navigation. Die Software wertet Wetterdaten aus und wählt einen Kurs, auf dem es viel Wind oder viel Sonne gibt. "Sie kombiniert die Eigenschaften des Schiffs und die Eigenschaften von Solar- und Windenergie, so dass wir unseren Kurs anpassen können, damit wir effizienter und schneller ankommen, aber trotzdem weniger Energie verbrauchen oder mehr Energie produzieren."

Die Software werde zwar für die Energy Observer entwickelt, sagt Devedeux. Sie soll aber später auch für andere Schiffe vermarktet werden, die mit Energie aus erneuerbaren Quellen unterwegs sind, etwa mit Flettner-Rotoren.

Ziel sei, dass der Steuermann gewisse Parameter für die Navigation vorgebe - etwa den Zielhafen, wann das Schiff dort eintreffen soll, welche Antriebe an Bord installiert sind -, und die Software errechne den effizientesten Kurs, der aber nicht der kürzeste sein muss. Das gelte übrigens auch für konventionelle Schiffe, die, wenn sie gegen den Wind fahren, deutlich mehr Treibstoff benötigen und entsprechend mehr Schadstoffe wie Kohlendioxid, Stickoxide, Feinstaub und Ruß emittieren.

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Diese Schadstoffemissionen der Schifffahrt waren es, die Erussard auf die Idee brachten, ein Schiff zu bauen, das keinerlei Schadstoffe emittiert. Der Kapitän der Energy Observer fuhr fünf Jahre lang als Offizier auf Handels- und Kreuzfahrtschiffen. Er kennt also die "Giftfabriken" aus direkter Anschauung. Sein Schiff sollte sauber sein und energieautark. So entstand die Energy Observer, das erste Schiff mit Wasserstoffantrieb, das zudem in der Lage ist, an Bord Wasserstoff zu gewinnen.

  • Der Katamaran Energy Observer hat bei seiner Tour um die Welt in Hamburg festgemacht. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Boot wurde für Hochseeregatten gebaut und hat mehrere Rekorde aufgestellt.  (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Inzwischen ist es umgebaut, zu einem energieautarken Schiff. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Solarmodule erzeugen Strom aus Sonnenlicht. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Sie haben eine Spitzenleistung von 28,5 kW, die aber wegen der Ausrichtung nur in niedrigen Breiten ereicht wird. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Boot hat einen Akku als Kurzzeitspeicher. Hauptsächlich wird Energie in Form von Wasserstoff gespeichert. In die Tanks passen 62 Kilo. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • In diesem Jahr sind zwei High-Tech-Segel als Antriebssystem hinzugekommen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sie sind vom America's Cup inspiriert und effizienter als herkömmliche Segel. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Herzstück des Energy Observer ist das System für die Energiesteuerung. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Kapitän Victorien Erussard erklärt das Projekt. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Von hier aus wird der Energy Observer gesteuert. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Auch am Steuerstand gibt es eine Übersicht über die Energiesysteme. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Kapitän Victorien Erussard erklärt das Projekt. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Mit einer Fahrt rund um die Welt wollen Erussard und Delafosse zeigen, dass ein solches Schiff mit heutiger Technik gebaut werden kann. Seit Juni 2017 ist die Energy Observer unterwegs. Mehr als 10.000 Seemeilen hat sie zurückgelegt, rund 20.000 Kilometer. Start war in Saint-Malo in Frankreich. Von dort ging es entlang der französischen Atlantikküste über Portugal nach Spanien. Im vergangenen Jahr tourte das Schiff durch das Mittelmeer und besuchte unter anderem Griechenland und Israel.

In diesem Jahr steht Nordeuropa auf dem Plan. Start war wieder in Saint-Malo. Von Hamburg aus geht es über Kopenhagen, Stockholm und Helsinki nach St. Petersburg. Durch den Weißmeer-Ostsee-Kanal führt die Reise nach Murmansk, und dann über das Nordkap nach Spitzbergen, wo die Auswirkungen des Klimawandels laut Delafosse heute schon besonders gut zu sehen sind. Nach mehreren Stopps in Norwegen, zuletzt in Bergen, überquert die Energy Observer die Nordsee zu den Orkney-Inseln und dann über Aberdeen nach London, wo das Schiff im Oktober ankommen soll.

Energy Observer fährt zu den Olympischen Spielen nach Tokio

Viel Zeit für Umbauten bleibt nicht: Schon im Januar wird die Energy Observer zu ihrer nächsten Reise aufbrechen. Ziel ist Fernost, im Sommer des kommenden Jahres soll sie zu den Olympischen Spielen nach Tokio fahren. Japan stellt seine Energieversorgung gerade auf Wasserstoff um. Einer der Partner des Projekts ist Toyota. Der Konzern baut unter anderem den Brennstoffzellen-Pkw Mirai und ist einer der großen Akteure bei der Wasserstoff-Initiative.

Zuerst wird das Boot den Senegal anlaufen, dann den Atlantik überqueren und durch den Panamakanal den Pazifik erreichen. Über Hawaii geht es dann nach Japan. 2021 geht es in umgekehrter Richtung über den Pazifik zur amerikanischen Westküste. Im Jahr darauf stehen Mittelamerika und die Ostküste der USA auf dem Programm.

Unterwegs besuchen die Franzosen unterschiedliche Projekte, die sich ebenso wie Energy Observer dafür engagieren, die Welt zu verbessern. "Wir wollen zeigen, dass alles zusammenhängt. Das ist nicht nur ein Problem der Energie, ein Problem der Biodiversität, der Geschlechtergleichheit, des Zugangs zu Bildung. Wir werden die Probleme der Menschheit nur lösen, wenn wir zusammenarbeiten", sagt Delafosse.

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 Wasserstoff auf hoher See
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B.I.G 20. Mai 2019

Uhm, weshalb sollte man Technologie für Luxusyachten fördern? Die Käuferschicht hat mehr...

ManMashine 13. Mai 2019

Wird vom Mineral Öl Kartell definitiv gestoppt und der Erfinder wird tot aufgefunden. So...

Oktavian 12. Mai 2019

Naja, das ist auch nicht richtig so. Es hat die Welt in 6 Jahre umrundet, es brauchte...

Oktavian 12. Mai 2019

Fähren halte ich auch für gute Kandidaten für eine Elektrifizierung, aber nicht durch...

Oktavian 12. Mai 2019

Die Definitionen sind nicht ganz klar und auch durch die Epochen nicht einheitlich. In...



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