Wasserstoff auf hoher See

"Das bedeutet, wir nehmen alles, was nicht funktioniert hat, weg und installieren etwas Neues", sagt Devedeux weiter. Zu dem, was nicht funktionierte, gehörten beispielsweise die Windturbinen auf den beiden Schwimmern des Katamarans. Die seien zwar ganz nützlich gewesen, wenn das Schiff stilllag, aber nicht, wenn es in Bewegung war. Auch der Kite, der bei Wind als Hilfsantrieb gesetzt wurde, verschwand.

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Er war nicht effizient genug, zugleich aber recht aufwendig in der Bedienung. Bei einem Schiff, auf dem alles auf Effizienz getrimmt wird, verwundert es nicht weiter, dass ein solches System abgebaut wurde.

Ganz anders sind da die neuen Segel: Sie erfordern nur wenig Aufmerksamkeit, sorgen aber für ordentlich Vortrieb. Sie werden auf Knopfdruck gesetzt und dann automatisch nach dem Wind ausgerichtet, um das Schiff möglichst energieeffizient an sein Ziel zu steuern.

Wie effizient der Antrieb wirklich ist, wird sich wohl erst im Laufe des Sommers, auf der Tour durch Nordeuropa zeigen. In Hamburg konnte die Besatzung noch nicht viel sagen: Die Oceanwings wurden erst vor einigen Tagen installiert, die Fahrt von Amsterdam nach Hamburg war die erste mit dem Windantrieb. Obwohl der Wind nur mit 5 Knoten wehte, habe der Energieverbrauch um 60 Prozent gesenkt werden können, erzählen die Franzosen. Normalerweise hätte die Fahrt etwa 33 kWh benötigt. Es seien aber nur 12 kWh gewesen.

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Die Oceanwings sollen aber nicht nur für Vortrieb sorgen. Sie ermöglichen auch die Produktion von Wasserstoff während der Fahrt. Sowohl für die Aufbereitung des Meerwassers als auch für die Elektrolyse wird Strom benötigt. Solarzellen, Brennstoffzelle und Akku sind aber nicht leistungsfähig genug, um Strom dafür und für die Motoren zu liefern. Das bedeutet: Um Wasserstoff zu gewinnen, musste die Energy Observer stillliegen.

Das ändert sich jetzt. Wenn der Wind das Schiff antreibt, müssen die Motoren nicht laufen. Also steht Strom für die Wasserstofferzeugung zur Verfügung. Der muss aber auch nicht von der Brennstoffzelle oder den Akkus kommen. Wenn das Schiff segelt, werden die Motoren in ihrer Funktion umgedreht: Die Strömung versetzt die Propeller in Rotation, und der Elektromotor wird zum elektrischen Generator, der Strom für die Meerwasserentsalzungsanlage und den Elektrolyseur liefert.

  • Der Katamaran Energy Observer hat bei seiner Tour um die Welt in Hamburg festgemacht. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Boot wurde für Hochseeregatten gebaut und hat mehrere Rekorde aufgestellt.  (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Inzwischen ist es umgebaut, zu einem energieautarken Schiff. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Solarmodule erzeugen Strom aus Sonnenlicht. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Sie haben eine Spitzenleistung von 28,5 kW, die aber wegen der Ausrichtung nur in niedrigen Breiten ereicht wird. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Boot hat einen Akku als Kurzzeitspeicher. Hauptsächlich wird Energie in Form von Wasserstoff gespeichert. In die Tanks passen 62 Kilo. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • In diesem Jahr sind zwei High-Tech-Segel als Antriebssystem hinzugekommen. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
  • Sie sind vom America's Cup inspiriert und effizienter als herkömmliche Segel. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Das Herzstück des Energy Observer ist das System für die Energiesteuerung. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Kapitän Victorien Erussard erklärt das Projekt. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Von hier aus wird der Energy Observer gesteuert. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)
  • Auch am Steuerstand gibt es eine Übersicht über die Energiesysteme. (Bild: Martin Wolf/Golem.de)
Solarmodule erzeugen Strom aus Sonnenlicht. (Bild: Werner Pluta/Golem.de)

Welchem System mehr Bedeutung zukommt, hängt von der Position der Energy Observer ab. Im Mittelmeer lieferte sie an einem sonnigen Mittag etwa 18 Kilowatt. Ende April in Hamburg sind es etwa 15. Das liege nicht nur daran, dass sich immer wieder Wolken vor die Sonne schieben, erklärt Devedeux, sondern auch an der Ausrichtung der Module. Denn die stehen nicht schräg, sondern liegen flach. So früh im Jahr stehe die Sonne aber noch tief, so dass der Einfallswinkel des Lichts ungünstig sei. Wenn es dann in Richtung der niedrigen Breiten nahe dem Äquator geht, dürften die Zellen mehr Leistung liefern. Die Spitzenleistung liegt bei 28,5 kW. Auf der bevorstehenden Tour nach Skandinavien werden sie wohl eine weniger wichtige Rolle spielen. "Auf der Nordeuropa-Tour werden wir mehr Wind als Sonne haben", sagt Erussard.

Vor jeder Etappe werde festgelegt, wie viel Energie für die Fahrt zur Verfügung stehe, um sicherzustellen, dass sie ihr Ziel erreichen, erzählt Expeditionsleiter Delafosse im Gespräch mit Golem.de. Kaffee zu kochen, könnte deshalb bedeuten, dass das Boot etwas langsamer werde und das Ziel etwas später erreiche - nicht viel, vielleicht zwei Minuten, aber es sei bemerkbar. "Selbst wenn man kein Ingenieur ist und nichts mit Energie zu tun hat, versteht man den Energieverbrauch, bemerkt man, was man braucht."

Der neuartige Antrieb erfordert schließlich eine Navigation, die nicht nur darauf ausgerichtet ist, den Zielhafen auf möglichst kurzem Weg zu erreichen.

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 Katamaran Energy Observer: Kaffee zu kochen heißt, zwei Minuten später anzukommenDer direkte Weg ist nicht der effizienteste 
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B.I.G 20. Mai 2019

Uhm, weshalb sollte man Technologie für Luxusyachten fördern? Die Käuferschicht hat mehr...

ManMashine 13. Mai 2019

Wird vom Mineral Öl Kartell definitiv gestoppt und der Erfinder wird tot aufgefunden. So...

Oktavian 12. Mai 2019

Naja, das ist auch nicht richtig so. Es hat die Welt in 6 Jahre umrundet, es brauchte...

Oktavian 12. Mai 2019

Fähren halte ich auch für gute Kandidaten für eine Elektrifizierung, aber nicht durch...

Oktavian 12. Mai 2019

Die Definitionen sind nicht ganz klar und auch durch die Epochen nicht einheitlich. In...



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